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Bielefeld

Markus Engel gewann in Dresden den Deutschen Multimediapreis

Der Lego-Trickfilmer

Markus Engel macht Filme mit Legofiguren. Für die Streifen baut er komplette Drehsets auf, fotografiert sie mit seiner Kamera und verändert dann die Szenerie und die Figuren für das nächste Foto. So entsteht eine flüssige Bewegung. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Markus Engel macht Filme mit Legofiguren. Für die Streifen baut er komplette Drehsets auf, fotografiert sie mit seiner Kamera und verändert dann die Szenerie und die Figuren für das nächste Foto. So entsteht eine flüssige Bewegung. (© FOTO: ANDREAS FRÜCHT)

Bielefeld. Lego ist was für kleine Kinder? Von wegen! Markus Engel ist 15 Jahre alt und hat Kisten voll von den Kunststofffiguren. Allerdings spielt er nicht damit, sondern macht Filme – so genannte "Brickfilme". Gerade hat er den ersten Platz in seiner Altersgruppe beim Deutschen Multimediapreis für Kinder und Jugendliche belegt.

"Der Preis wird im Rahmen der Veranstaltung ,Mediale Bildwelten’ in Dresden verliehen", sagt der Schüler. "Dort stellen Leute bis 21 Apps, Computerspiele oder Filme vor – eben alles, was am Computer gestaltet werden kann." 500 Euro und eine Computertastatur hat er gewonnen. Auch bei dem deutschen Brickfilmfestival "Steinerei", das von der deutschen Brickfilmercommunity organisiert wird, war er schon zweimal erfolgreich dabei.

Brickfilme sind Trickfilme, die mit Legofiguren und -steinen erstellt werden. Sie funktionieren so ähnlich wie ein Daumenkino. Mehrere Bilder, die schnell hintereinander abgespielt werden, ergeben eine flüssige Bewegung.

Kalkuliertes Risiko

Engels preisgekröntes Werk: Kalkuliertes Risiko. "Darin geht es um Achim Ackermann, den Vorsitzenden der großen ,Alligator Bank’", sagt Markus. "Er hat seine Bank erfolgreich aus der nach Medienberichten ,größten Finanzkrise’ herausgeführt und gilt als Genie." Allerdings hat er sich die Krise eigentlich nur ausgedacht. Der Name "Ackermann" sei absoluter Zufall. "Damals kannte ich mich ja noch gar nicht aus", sagt Markus.

Gut fünf Minuten dauert der Film, für den Markus vier Monate gebraucht hat. Immer wieder stellt er dafür die Figürchen um, fotografiert die Szene und bearbeitet die Bilder dann auf seinem Computer. "Der Film hat 15 Bilder pro Sekunde", sagt er. "Ein Trickfilm im Kino hat ungefähr 24 Bilder in der Sekunde, also ist das schon recht professionell." Auf die Themen-Idee ist er während einer Bewerbung um ein Praktikum bei einer Bank gekommen. "Allerdings lag es eher an der Medienberichterstattung", so der 15-Jährige. "Das vorgegebene Thema bei der Steinerei damals war ,Illusion’, deshalb habe ich nach etwas gesucht, dass nur so aussieht, als wäre es wahr."

Über das Internet hat er Hobbysynchronsprecher aufgetrieben, die ihm seine Filme besprechen. Sogar auf Englisch hat er den neuesten Film übersetzt. Bei der Steinerei in Kaiserslautern hat er den Bielefelder Moritz Meier kennengelernt, der inzwischen die Musik für seine Filme macht.

"Ich wollte immer gerne Filme machen"

Seit zweieinhalb Jahren sind Brickfilme sein Hobby. "Ich wollte immer gerne Filme machen", erinnert er sich. "Aber natürlich ist es schwierig, richtige Drehorte zu finden – wie macht man zum Beispiel einen Film auf einer Ritterburg?" Auch ein aufwändigeres Equipment sei dafür nötig. Im Internet hat er dann einen Brickfilm gesehen und es gleich ausprobiert. Inzwischen hat er etwa zehn Filme gemacht, vier bis fünf davon sind größere Streifen. Sein letzter Film "Eiskalt" wurde auf der Internetplattform "YouTube" von knapp vier Millionen Menschen angeklickt. Engels Internetauftritt läuft unter dem Namen "Markus 77". "Eigentlich müsste es 97 sein, weil das mein Geburtsjahr ist", verrät er. "Aber ich mag es, dass alle denken, ich sei älter – dann sind sie immer überrascht, dass ich erst 15 bin."

Zum Beruf machen will er sein Hobby aber nicht, sondern später irgendwas mit Mathe oder Informatik machen. "Unter Zeitdruck geht das nicht", sagt er. "Es muss Spaß machen." Einen Traum hat er aber: "Dass ich einen Film mache, bei dem man zwischendurch vergisst, dass die Darsteller nur Legofiguren sind."

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