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Bielefeld

Arminia trifft auf Münster: Sicherheitsdienst will Überfall verhindern

Wegen der innigen Feindschaft der westfälischen Fanlager aus Bielefeld und Münster müssen auch am Samstag wieder hunderte Polizisten als menschliche Aggressionspuffer herhalten. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Wegen der innigen Feindschaft der westfälischen Fanlager aus Bielefeld und Münster müssen auch am Samstag wieder hunderte Polizisten als menschliche Aggressionspuffer herhalten. (© FOTO: ANDREAS ZOBE)

Bielefeld. 500 Problemfans erwarten die Polizeibehörden am kommenden Samstag zum Westfalen-Derby auf der Bielefelder Alm – 250 pro Lager. Etwa 700 Beamte werden Landes- und Bundespolizei diesem Gewaltpotenzial entgegenstellen. Die Vorkommnisse am vergangenen Wochenende beim Münster-Spiel gegen Osnabrück lassen trotzdem Probleme befürchten: Dort wurden zwei Polizisten von Knallern verletzt, 18 Männer vorübergehend festgenommen und beide Lager zündeten Rauchbomben.

Polizeisprecher Martin Schultz bleibt angesichts des anstehenden Derbys gelassen: "Wir werden genauso wie beim letzten Mal die Fan-Lager strikt trennen. Randaliert trotzdem jemand, kommt er sofort ins Gewahrsam." Aus Polizeisicht sei der Einsatz beim vergangenen Punktspiel der Preußen auf der Alm im März 2012 ein Erfolg gewesen. Tatsächlich explodierte damals nur ein Knaller in der Luft, 15 Personen mussten vorläufig festgenommen werden.

Ein Aspekt bei der Suche nach der verbotenen Pyrotechnik werden auch am Samstag schon die Vorkontrollen am Bahnhof in Münster sein, betonte Jens Flören, Sprecher der Bundespolizei. Die Bahn wird dort einen Entlastungszug einsetzen, der um 12.06 Uhr Bielefeld erreichen soll. Züge mit identifizierten Problemfans begleiten die Beamten. Ein Großteil der erwarteten 2.500 Preußen-Fans wird damit anreisen.

Die entscheidende Sicherheitslücke am vergangenen Samstag in Münster hatte sich nach Ansicht des Preußen-Sicherheitsbeauftragten Roland Böckmann aufgetan, als eine aggressive Gruppe Osnabrück-Fans die Absperrungen der Ordner durchbrechen konnte. Da sei nicht mehr kontrollierbar gewesen, ob Böller in den Gäste-Block gelangen, zitieren ihn die Westfälischen Nachrichten.

Lars Mühlbradt, Chef des Arminia-Sicherheitsdienstes Elko Eventservice, der im Stadion für die Gästefans zuständig ist, betont, dass sich sein Team schon länger auf das Brisanzspiel vorbereite. Heute stehe ein weiteres Treffen mit Arminia, Polizei und den Fanbeauftragten beider Vereine an.

Gezielte Drohungen

Nicht ohne Stolz sagt er: "Wir haben bereits bei einigen Spielen so einige Pyrobestandteile sichergestellt, im Stadion ist aber wenig passiert." Um ein Überrennen, wie in Münster, zu verhindern, werde man auch technische Vorkehrungen treffen: "Vor dem Gästeblock arbeiten wir mit sogenannten Vorblockschleusen – eine Art Leitsystem, um die Zuschauerströme bei den Kontrollen zu verteilen und den Druck von einzelnen Eingängen zu nehmen", sagt Mühlbradt, dessen Firma seit 16 Jahren für Werder Bremen tätig ist.

Doch warum knallt es so oft in den Stadien? Nicht immer werden die Ordner überrannt. Ein Insider aus der Sicherheitsszene berichtete der Neuen Westfälischen, dass es unter gewaltbereiten Ultras gängige Praxis sei, Sicherheitsmitarbeitern der Vereine mit Ausschreitungen zu drohen, sollten sie nicht gezielt ein paar Pyros durchgehen lassen. Eine solche Erpressung hält Mühlbradt in Bielefeld allerdings für ausgeschlossen: "Das hat es bei uns noch nicht gegeben", sagt er – auch nicht in unterklassigen Ligen. "Trotzdem wird man Pyrotechnik im Stadion nie ganz verhindern können." Die Fans schmuggeln Einzelteile hinein, um sie im Schutz der Menge dann zu Rauchbomben und Knallern zusammenzusetzen. Gerade vor dem Einlass bittet Mühlbradt deshalb die Anreisenden um Geduld und frühes Erscheinen: "Bei der Kälte haben die Fans viel an, da dauern die Kontrollen natürlich länger."

Den Schlüssel zum Erfolg sehe Mühlbradt aber vor allem im gegenseitigen Entgegenkommen: "Wenn wir den Ultras bestimmte Zugeständnisse für ihre Aktionen machen, können wir von ihnen auch Versprechungen einfordern." In Osnabrück, wo Elko ebenfalls den Sicherheitsdienst übernommen hat, hätten Ultras jüngst einen Fan ausgehändigt, der gerade Pyrotechnik zünden wollte. Zauberwort "Selbstregulierung": "Das haben die uns versprochen und sie haben es eingehalten."

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