Das Jahr 2023 will einfach nicht damit aufhören, uns einen Spiele-Hit nach dem nächsten zu liefern. Nach "Hogwarts Legacy" im Februar, "Diablo IV" im Juni oder "Baldurs Gate III" im August meldet sich der nächste große AAA-Titel an. Mit "Marvel's Spider-Man 2" setzt das Entwicklerstudio Insomniac Games jetzt die Geschichte von Peter Parker und Miles Morales eindrucksvoll fort.
Darum geht's in "Spider-Man 2"
Das Spiel setzt neun Monate nach den Ereignissen von „Marvel's Spider-Man: Miles Morales“ an. Außerdem sind ungefähr zwei Jahre verstrichen, seitdem wir in "Marvel's Spider-Man" Doctor Oktopus das tentaklige Handwerk gelegt haben. Peter Parker und Miles Morales schwingen jetzt gemeinsam durch die Häuserschluchten von New York und beschützen die Stadt vor dem Bösen.
Privat haben die beiden das ein oder andere Problem zu bewältigen. Peter ist auf der Suche nach einem neuen Job; die Beziehung zu Mary Jane will gepflegt werden. Und dann ist da noch sein bester Freund Harry Osborn, der schwer krank ist. Miles hingegen steht vor dem großen Schritt, aufs College zu gehen. Vorher muss er sich aber noch bewerben – und das fällt ihm ziemlich schwer. Zudem belastet ihn der Tod seines Vaters nach wie vor sehr.
Dass plötzlich ein neuer Mega-Schurke auftaucht, kommt deshalb ziemlich ungelegen. Kraven the Hunter aber macht den beiden Spinnenmännern das Leben darüber hinaus zusätzlich zur Hölle. Er terrorisiert mit seiner Söldnerarmee die Millionenmetropole und befreit Mr. Negative und Scorpion aus dem Gefängnis, nur um sie danach in einer gigantischen Jagd zu Tode zu hetzen.
Zwei Spinnen sind besser als eine
Um das zu verhindern, steuern wir abwechselnd Peter und Miles. Zwischen den Missionen können wir – ähnlich wie in GTA 5 – beliebig zwischen den zwei Charakteren hin- und herwechseln. Das Spielprinzip hat sich im Vergleich zu den zwei Vorgängern nicht verändert. Wir bewegen uns per Spinnenfäden durch die offene Welt von New York, die um die Stadtteile Queens und Brooklyn erweitert worden ist. Als zusätzliches Hilfsmittel verfügen unsere Helden neuerdings über eine Art Wingsuit, der das Reisen noch einfacher macht.
Auch die Schlägereien mit Verbrechern aller Art funktionieren auf den ersten Blick wie im Vorgänger: Wir weichen aus, verteilen Schläge und Tritte. Zwischendurch spinnen wir unsere Gegner mit Netzschießern ein oder benutzen Gulli-Deckel als Waffe. Neu ist aber, dass wir Angriffe auch blocken können. Außerdem verfügen Peter und Miles jetzt über Spezialfähigkeiten, von denen wir einige nach Levelaufstieg im Talentbaum freischalten oder andere im Verlauf der Story automatisch erhalten.
Erfahrungspunkte bekommen wir für das Absolvieren von Haupt- und Nebenaufgaben. Diese investieren wir dann entweder in neue Fertigkeiten oder in kleine technische Hilfsmittel. Auch neue Anzüge können wir auf die Weise zugänglich machen.
Kinoreife Geschichte
Die Hauptstory dauert zwischen 15 und 20 Stunden und ist äußerst abwechslungsreich. Mal finden wir uns in actionlastigen Situationen wieder. Einmal zum Beispiel müssen wir verhindern, dass eine gigantische Schiffsschraube die New Yorker am Anlger in Fetzen reißt. Dann bummeln wir im nächsten Moment als Peter mit Mary Jane und Harry über eine Kirmes und fahren dort eine Runde mit der Achterbahn. Temporeiche Sequenzen werden immer wieder von ruhigeren abgelöst.
Allgemein ist die Inszenierung eine der großen Stärken des Spiels. Neben dem Storytelling durch die bekannte Handykommunikation mit unseren Freunden sind es vor allem die Zwischensequenzen, die die Handlung vorantreiben. Die Geschichte, die die Entwickler von Insomniac Games erzählen, ist kinoreif und voll an Wendungen. Sie gipfelt in einem fantastischen Finale, das wir an dieser Stelle natürlich nicht vorwegnehmen wollen.
Auch die Nebenmissionen sind gut gemacht und durchaus fordernd. So schlüpfen wir zum Beispiel in die Rollen von Mary Jane oder in die von Hailey, Miles taubstummer Freundin. Die Open-World-Aktivitäten, ohne die kein Spiel dieses Genre auskommt, sind dafür eher dröge. Wir säubern feindliche Lager, sammeln Kristalle oder schießen Fotos von bekannten Orten in New York. Da hätten wir uns doch mehr Abwechslung gewünscht.
So fällt unser Fazit aus
Trotz dieser kleinen Schwäche ist "Marvel's Spider-Man 2" eins der besten Spiele des Jahres. Die Grafik, der Sound, die Story, die Steuerung – alles fügt sich fast perfekt ineinander. Die Charaktere erhalten über die komplette Spieldauer von knapp 30 Stunden eine Tiefe, wie wir sie eigentlich nur aus anderen Blockbustern wie "The Last of Us" kennen. Dass wir zwischen den Helden immer wechseln können, ist nur eine von vielen tollen Neuerungen. Auch das Kampfsystem haben die Macher verbessert. Das Schwingen durch New York fühlt sich jetzt so gut an, dass wir die Schnellreise kaum genutzt haben.
"Marvel's Spider-Man 2" ist am 20. Oktober ausschließlich für die Playstation 5 erschienen. Das Spiel ist ab 16 Jahren freigegeben und kostet zwischen 60 und 80 Euro.