Schiri misst mit Zollstock: Kurioses Video aus Lippe ist ein Youtube-Hit

Fast drei Jahre altes Video mit Hermann Langenhop in der "Hauptrolle"

Oliver König

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Ein Schiri, der Spaß versteht: Hermann Langenhop auf der Treppe des Westorfer Waldstadions mit dem Ball in der Hand - und natürlich einen Zollstock. - © Oliver König
Ein Schiri, der Spaß versteht: Hermann Langenhop auf der Treppe des Westorfer Waldstadions mit dem Ball in der Hand - und natürlich einen Zollstock. (© Oliver König)

Kreis Lippe. Was den Fußball-Bundesliga-Schiedsrichtern ihr Freistoßspray ist dem Kreisliga-C-Schiri der Zollstock. Ein lippischer Unparteiischer ist jedenfalls in die "Hauptrolle" eines Handy-Videos geschlüpft, als er die elf Meter vorm Strafstoß genau abmisst - mit dem Zollstock.

29. April 2012. Tatort Waldstadion in Wes-torf. Ein typischer Fußball-Sonntagmittag. Die SG Talle/Westorf II trifft in der Kreisliga C auf den FC Union Entrup III. "Hauptdarsteller" ist Hermann Langenhop. Schiedsrichter für den VfL Lieme, seit 1989. Im Mittelpunkt: ein handelsüblicher Zollstock. Die Regie führt Kai Gröchtenmeier, Trainer der ersten Mannschaft der SG Talle/Westorf. So viel zur Besetzung des heiteren Films, der auf Facebook oder bei Youtube derzeit ein Renner ist.

Die Handlung: Ein Pfiff Langenhops, klare Sache, Elfmeter für Entrup. Der Leeser, im Hauptberuf Rechtsanwalt, schreitet, wie auf Rasenplätzen üblich, die elf Meter ab. Klar, dass direkt vor der "Fankurve" der ein oder andere lustige Spruch nicht ausbleibt. Als die Zuschauer allerdings die genauen Schritte Langenhops anzweifeln, nimmt er den Besuchern schnell den "Wind aus den Segeln". Er erinnert sich an einen in der Kabine liegenden Zollstock. Schnurstracks stiefelt Langenhop die Treppe hinauf, vorbei an völlig verdutzten Zuschauern, die gar einen Abbruch befürchten.

Doch sie haben die Rechnung ohne den humorvollen Schiri gemacht. Der kehrt wohl gelaunt zurück und legt den Zollstock Stück für Stück an, bis er auf elf Meter kommt, und platziert den Ball - passende Kommentare der Fans inklusive. Bevor er das Hilfsmittel hinters Tor zurücklegt, noch die Frage: "Brauchen wir den noch?" Der trockenen Antwort eines En?trupers ("Ja, in der zweiten Hälfte, wenn wir aufs andere Tor spielen.") folgt endlich die Ausführung des Strafstoßes, der verwandelt wird.

56 Sekunden hat die Länge des Streifens, den Kai Gröchtenmeier aufgenommen hat. "Das ist eben Kreisligafußball. Da sollte man nicht so verbittert sein", sagt der Trainer, der das Video per Zufall noch auf seinem Handy hatte ("Wie gut, dass es soviel Speicherplatz hat."), als jetzt, fast drei Jahre später, Dirk Hecker den Film an lippe-kick.de schickte.

Für den "unfreiwilligen Star", Hermann Langenhop, kommt der jetzige "Erfolg" überraschend. "Das war doch reiner Jux", sagt der 59-Jährige, der mit viel Spaß und Freude auf dem Platz steht. "Humor?", betont er, "den brauchen sie manchmal". Wie vor ein paar Jahren, als ein Spieler eine "Schwalbe" nach der anderen produzierte. Als er von oben auf den Ball trat und hinfiel, kommentierte das Langen?hop mit den Worten: "Mein Gott, was ist jetzt wieder passiert?" Danach gab?s auch keine "Schwalbe" mehr.

Und wenn die Tornetze wieder mal kaputt sind, was nach seinen Worten jedes fünfte Spiel der Fall ist, dann ruft Hermann Langenhop nicht gleich nach dem Platzwart. Denn Kabelbinder hat er immer in der Tasche. "Die Tore muss ich vorm Spiel eh kontrollieren, dann kann ich die Netze auch gleich mitreparieren."

Hermann Langenhop - ein Schiedsrichter, bei dem Humor Trumpf ist, auch auf dem Spielfeld. Herrlich, diese Fußball-Kreisligen. Ach ja, Entrup gewinnt das Spiel mit 2:0. Aber das ist an jenem Tag gar nicht so wichtig gewesen.

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