Detmold. Treffen in der Sportredaktion der Lippischen Landes-Zeitung in Detmold. Zu Besuch sind Manfred Heinrich, Chef der Schiedsrichter des FuL-Kreises Lemgo mit seinem Kollegen Max Meckelmann (24, TuS Leopoldshöhe) sowie der Detmolder Schiri-Chef Udo Schlingmann mit seinem Kollegen Sebastian Termöllen (31, FSG Waddenhausen/Pottenhausen). Es ging um folgende Themen: Aktuelle Zahlen Derzeit, so Manfred Heinrich, sind im FuL-Kreis Lemgo 90 Schiedsrichter aktiv. Um die bis zu 70 Begegnungen pro Wochenende abzudecken, bedürfe es allerdings einer deutlichen Steigerung dieser Zahl. Udo Schlingmann setzt auf 116 Unparteiische: „Wir kommen damit klar." Der Altersdurchschnitt beträgt in beiden Kreisen ungefähr 40 Jahre, und auch das Problem ist vergleichbar: „Die Kurve zeigt tendenziell nach unten", so Heinrich, und die Abgänge der Älteren kann der Zugang durch neuere Schiris noch auffangen. Aktuelle Situation Die Stimmung sei „nicht so positiv" angesichts der jüngeren Angriffe auf Schiedsrichter, so Schlingmann. Dazu kommt, dass es auf Fußballplätzen insgesamt lauter – auch und vor allem durch Außenstehende – geworden sei in den vergangenen Jahren, und beim Besetzen der Spiele sei ein feines Händchen vonnöten, um den richtigen Mann an der Pfeife mit dem richtigen Spiel zu kombinieren. Die Rolle der Zuschauer „Ich kann verstehen, dass man Entscheidungen von außen kritisiert, aber ich habe kein Verständnis dafür, dass man aggressiv wird", so der im Hauptberuf als Selbstständiger Immobilienkaufmann arbeitende Sebastian Termöllen, der Beschimpfungen und Beleidigungen schon selbst häufiger erlebt hat: „Aber dafür bin ich gewappnet. Für die jungen Kameraden ist das schwieriger, die sind eher verunsichert." Die Gewaltbereitschaft nehme zu, räumt Max Meckelmann ein, aber eher in der Großstadt, so Meckelmann, der an der FH Bielefeld im dritten Semester Betriebswirtschaftslehre studiert: „Hier bei uns läuft der Großteil der Spiele friedlich ab." Allerdings sinke die Hemmschwelle gerade auch im Jugendbereich: „Da sind oft die Eltern schuld", so Schlingmann. Heinrich fügt generell hinzu: „Gewalt an sich ist ein gesellschaftliches Problem. Die allgemeine Entwicklung macht eben keinen Bogen um den Sport." Rolle der Vereine „Wir suchen das Gespräch mit den Vereinen, weisen auf Fehler hin und erklären wie wir es gemeinsam besser machen können", sieht Schlingmann das Bedürfnis nach besserer Kooperation. Im Verein sei es wichtig, Versäumnisse oder Verstöße offen anzusprechen und die Verursacher auch direkt zu benennen. Heinrich sieht es so: „Wir müssen proaktiv die Spiele leiten, müssen die Spieler ausmachen, die sich nicht an die Regeln halten und darauf eingehen. Diese Bereitschaft zur Einsicht mus aber auch zu einem Teil der Verein initiiert werden. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, die deeskalierend wirken." Vorbereitung der Schiedsrichter Auf die Spiele bereiten sich sowohl Meckelmann sowie auch Termöllen im Vorfeld vor. Max Meckelmann: „Ich schaue mir die Tabelle an und passe meine Linie an. Aber ob Spitzenspiel oder Kellerderby: Angst habe ich keine, egal, wie die Konstellation aussieht. Ich muss halt die Linie finden, um die Spieler ruhig zu halten." Sebastian Termöllen blickt auf die Fairness-Tabelle: „Daran kann man schon ablesen: Weniger Karten – weniger Aufruhr." Die Zukunft „Amateur ist Amateur, Profi ist Profi", sieht Heinrich keine Verbindung zu den Wirtschaftsunternehmen, die Fußball anbieten und legt Wert auf diese Unterscheidung. Um die Schiri-Anzahl zu verbessern, sei eine Erhöhung der Entschädigung (24 Euro zum Beispiel in der Kreisliga) ein falsches Signal, so Meckelmann: „Ich mache es aus der Freude am Pfeifen." Termöllen fügt hinzu: „Wunderbares Hobby. Es macht einfach Spaß, ein Spiel zu leiten." "Mehr Verständnis, bitte!" Ein Kommentar von Oliver König Da baut sich ein gestandener Mann nach dem Schlusspfiff eines Kreisligaspiels vor dem Schiedsrichter auf und beleidigt ihn Auge in Auge auf das Übelste. Das ist nicht einfach mal so daher geschrieben. Traurig, aber wahr: Es ist erst kürzlich auf einem Sportplatz in Lippe geschehen. Diese Szene zeigt, wie respektlos die Akteure, und dazu zähle ich die Besucher eines Fußballspiels, häufig miteinander umgehen. Verdient ein Unparteiischer, der läppische 24 Euro plus Fahrtkosten bekommt, nicht eine größere Anerkennung? Sind nicht die Trainer an der Seitenlinie eigentlich Vorbilder? Müssen Spieler oder Zuschauer bei einem Pfiff, der nicht spielentscheidend ist, gleich steil gehen? Kann ich von Vereinsseite dem Schiri nicht schon vor dem Spiel freundlich entgegentreten und ihn zum Beispiel in seine Kabine begleiten? „Fehler passieren – Spielern und auch uns", sagt der der Kreisliga-Unparteiische Max Meckelmann. So ist es. Diese Worte verdeutlichen: Gegenseitiges Verständnis auf dem Platz würde schon zu einem guten Miteinander aller beitragen. Dazu gehört aber auch eine vernünftige Kommunikation mit dem Schiedsrichter. Anständig und sachlich muss sie sein. Übrigens: Sich nach dem Abpfiff auch mal die Hand zu geben, so wie es fast immer vor dem Anpfiff geschieht, hat dabei noch nie geschadet.