Kalletal-Erder. „Ich habe nach drei Würfen den ersten gefangen“, erinnert sich Thomas Hannig. Der 61-jährige Sportlehrer aus Erder an der Weser meint einen Bumerang, wenn er über das Fangen und Werfen spricht. Deutlich mehr Zeit hat das Erlernen der ersten Eskimorolle in Anspruch genommen. „Fünf Jahre, bis ich es konnte“, so Hannig. Hiermit wäre die Katze aus dem Sack: Hannig ist absoluter Kajak-Fan. Er fährt selbst Wildwasserstrecken, hat als Sammler um die 50 Boote im Schuppen und gibt auch Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene. In die Wildnis Vor ein paar Tagen hatte er wieder eine Handvoll Kajaks auf dem Anhänger, um im Freibad in Hohenhausen erste Einblicke in den Wassersport zu gewähren. Grundsätzlich zieht es den Grundschullehrer allerdings in die Wildnis. „Wildwasser ist schon was anderes als auf der Weser zu fahren. Die Flüsse sind ursprünglich, haben Gefälle und eine stärkere Strömungsgeschwindigkeit – ein Wildbach vielleicht von 15 km/h – und erfordern somit mehr Geschick.“ Daher sei beispielsweise das Wanderpaddeln, wo man am Tag vielleicht 20 Kilometer in der Natur zurücklegt, ein anderer Ansatz im Wassersport. Die Kajaks wiegen um die 20 Kilogramm und bevorzugte Ziele für Wildwassertouren sind bei Hannig Serbien, Österreich oder Südfrankreich. Bisweilen hat er eine Kamera auf dem Helm montiert, um eine Tour mit zu filmen, immer steckt der Kalletaler in einem Neoprenanzug, wenn er in ein Boot steigt. „Auch bei 30 Grad im Sommer, weil das Wasser von Wildbächen oft sehr kalt ist“, erklärt er. Und einen Unterschied bei den Booten, der im Volksmund oft genug zu Irritationen führt, nennt er in einem Atemzug: „Kanu ist ein Oberbegriff, Kanadier sind offene Boote, in denen in der Regel mehrere Menschen sitzen. Ein Kajak wird normalerweise von einem, allenfalls zwei Menschen gefahren.“ Mit Helm, Schwimmweste und Spritzdecke. "Wer die Eskimorolle nicht kann..." Und weil man ja nicht jede Kurve planen könne, ranken sich um ein umgekipptes Kajak die bekannten Mythen. Hannig: „Wenn Sie den Kopf unter Wasser haben, ist es instinktiv so, dass Sie den Kopf als erstes wieder an die Luft bekommen wollen. So funktioniert das aber im Kajak nicht. Wer die Eskimorolle nicht kann, wird aus dem Boot aussteigen müssen. Wer sie beherrscht, dreht mit der Hüfte zuerst hoch. Das erlernt man allerdings nicht von heute auf morgen, sondern am besten im Winter im Hallenbad.“Kajakfahren in Lippe – geht das? „Ja, ich fahre manchmal auf der Werre von Schötmar nach Bad Salzuflen, auf dem Lippe-See nahe Paderborn-Sande und früher auch auf der Emmer, aber da sind mittlerweile viele Streckenabschnitte nur zu bestimmten Jahreszeiten zu befahren. Anfänger beginnen eher auf der Weser, hier bei uns sinnvollerweise zwischen Rinteln und Varenholz. Mit Unterweisung ist man dann zwischen drei und vier Stunden unterwegs. Nimmt man die Anfahrt und den Abtransport hinzu, kommen schon mal sieben Stunden zusammen.“ So viel zum Kajak – eine Freizeitbeschäftigung wäre fast untergegangen. Hannig fühlt sich gleichermaßen auf Inlinern wohl. Im Speed-Skating sind Marathonstrecken von den bekannten 42,2 Kilometern normal, und außerdem war der Kalletaler auch schon in Berlin auf Inlinern bei Wettkämpfen vertreten. „Ja, das Bremsen ist für Anfänger immer heikel.“ „In Bielefeld gibt es seit diesem Jahr eine Speedskating-Bahn, die wurde auf einer Länge von 250 Metern in Heepen gebaut. Da fahre ich auch schon mal hin.“ Was die Eskimorolle für den Kajakfahrer ist, ist übrigens der Bremsklotz für den Inline-Skater. Hannig: „Ja, das Bremsen ist für Anfänger immer heikel und am Ende das A und O.“