Detmold. Die Olympischen Spiele sind ihr großer Traum. „Auf jeden Fall“, bestätigt ihr Trainer Michael Gruhl: „In vier Jahren – das ist eine realistische Orientierung.“ Der 62-jährige Leiter des Detmolder Turnleistungszentrum äußerte sich im LZ-Gespräch zu Aliya-Jolie Funk. Die 13-Jährige aus Rietberg trainiert seit sechs Jahren bei Gruhl und ist das Aushängeschild der Talentschmiede. Derzeit eilt sie von Höhepunkt zu Höhepunkt. „Ein nicht zu übersehendes Achtungszeichen“ Mitte März nahm Aliya-Jolie am DTB-Pokal in der Porsche-Arena in Stuttgart teil. Hans-Joachim Dörrer, Vorgänger von Gruhl am Detmolder Turnleistungszentrum, weiß: „Als hochkarätiges Turnier im ,Grand-Prix-Status’ erhielt es sogar den Ehrentitel ,Wimbledon des Kunstturnens’.“ Bundesnachwuchstrainerin Claudia Schunk nominierte die Rietbergerin und meinte nach dem dritten Platz in der Mannschaftswertung hinter den siegreichen Französinnen und Japanerinnen, dass die Mädchen „ein nicht zu übersehendes Achtungszeichen“ gesetzt hatten. Gruhl war begeistert, nachdem sein Schützling am Sprung erstmals den sogenannten Yourschenko – Rondat in den Handstand auf den Sprungtisch und anschließendem gestreckten Salto rückwärts mit ganzer Längsachsendrehung – präsentierte und diese Schwierigkeit im sicheren Stand landete. Ebenso gelang Aliya-Jolie die neue Übung am Stufenbarren, die mit einem zweiten Flugelement zwischen den Holmen aufgewertet worden war. „Ihr Sprung ist herausragend. Zudem zählt zu ihren Stärken, dass Aliya-Jolie in den anderen Disziplinen keine Schwäche hat“, erläutert Michael Gruhl. „Auch Rang zwei war möglich“ Zum Länderkamp in der Schweiz weilte Aliya-Jolie Funk am vergangenen Wochenende – mit Frankreich, Großbritannien sowie dem Gastgeber. Deutschland belegte in Magglingen (zweisprachiger Ort in der Gemeinde Leubringen, Berner Seeland) den dritten Platz. „Auch Rang zwei war möglich“, berichtete Gruhl. Frankreich siegte vor Großbritannien. „Aliya-Jolie zeigte eine gute Leistung und schaffte die Bundeskader-Norm für 2025 zum ersten Mal. Ein zweites Mal muss sie sie noch erreichen“, freute sich ihr Trainer. Für das nächste Wochenende steht für die Nachwuchshoffnung in der Bundesliga der Wettkampf in Ketsch mit KTG Hannover im Terminkalender. „Da geht es um die Europameisterschafts-Qualifikation in Rimini“, erläutert der Leiter des Detmolder Turnleistungszentrums. Aliya-Jolie muss für ein Ticket an der italienischen Adriaküste unter die ersten Sechs in der Altersklasse 14/15 kommen. Insgesamt zwölf Athletinnen sind dabei. Gruhl schätzt die Chancen als „gut und machbar“ ein. „Sie ist sehr konzentriert, zielstrebig und fokussiert“ Als Mitglied des TV Lipperode, ein Kooperationsverein des Detmolder Turnleistungszentrums, war Aliya-Jolie vor sechs Jahren zu Michael Gruhl gekommen. Sie trainierte zunächst viermal in der Woche, inzwischen sind es sechs Einheiten über jeweils dreieinhalb Stunden. Was zeichnet die junge Turnerin aus? „Sie ist sehr konzentriert, zielstrebig und fokussiert“, antwortet Michael Gruhl. Im „Laufe der Zeit“ habe er erkannt, dass es für Aliya-Jolie Funk weit nach vorne geht: „In den vergangenen drei Jahren stieg die Schwierigkeit bei den Turnelementen. Jetzt wissen wir, wohin ihre Reise mal führen kann.“ Dass Aliya-Jolie weiter in ihrer Heimat lebt, findet Gruhl übrigens gar nicht schlimm. Im Gegenteil: „Wir haben mit dem Grabbe-Gymnasium zwar kurze Wege, aber kein Internat. Im Idealfall holen wir die Mädels nicht aus ihrem gewohnten Umfeld. Der Weg ist mit einer Fahrzeit von rund 45 Minuten gut machbar. Ihre Eltern bringen Aliya-Jolie, dazu gibt es eine Fahrgemeinschaft mit zwei Mädchen aus Paderborn.“ Die Olympischen Spiele 2028 finden übrigens in Los Angeles statt. Mit Aliya-Jolie Funk? Fakten - Knapp 20 Talente trainieren im Detmolder Turnleistungszentrum.- Neben Michael Gruhl, der zudem als Leiter des Turnleistungszentrums fungiert, gibt es drei weitere Coaches, die die Talente fördern und ausbilden.