Detmold-Remmighausen. LZ-Cup-Champion, dazu ein Spitzenplatz in der Frauenfußball-Bezirksliga. Der TuS Eichholz-Remmighausen ist derzeit die Nummer eins in Lippe. Spielführerin Hannah Meyer (25) und Mannschaftsverantwortlicher Andreas Suermann (53) kennen sich im Frauenbereich im Kreisgebiet aus und verfolgen auch die Geschehnisse um die Deutsche Nationalmannschaft, die an der Euro in der Schweiz teilnimmt, genau. Im LZ-Interview sprechen sie darüber. Wie groß ist die Vorfreude auf die EM? Hannah Meyer: Schon relativ groß. Der Frauenfußball ist gewachsen und Deutschland gerade relativ weit vorne. Das Team überzeugte mich zuletzt mehr als unsere Männermannschaft. ? Andreas Suermann: Ich kann mich da nur anschließen. Das, was die Frauen da technisch und taktisch bieten, ist großartig. Klar, das Spiel ist etwas langsamer, aber umso besser die Mannschaft, umso attraktiver ist es, da zuzuschauen. Und ich finde den Frauenfußball ehrlicher, das zieht sich bis unten durch. Wenn bei den Frauen eine Spielerin am Boden liegt, benötigst du tatsächlich den Medizinkoffer. Im Männerbereich ist zu viel Show dabei, und daran orientiert sich auch der Amateursportler. Bei Spielen der Nationalmannschaft sitzen Sie immer vor dem Fernseher, Hannah? Meyer: Ja, klar, wenn es zeitlich passt. Ich schaue meistens mit meiner Mutter, die sich ebenfalls für Frauenfußball interessiert. Ich würde mich schon als Fan bezeichnen, ein Deutschland-Trikot trage ich bei den Spielen aber nicht, gehe aber natürlich mit. ? Suermann: Hannah ist Fußballerin, natürlich ist sie mit vollem Herzen dabei. Auch ich drücke dem Team die Daumen, in einer größeren Gruppe gehört auch ein Deutschland-Trikot dazu. Ist Public Viewing ein Thema in der Mannschaft? Meyer: Bei dieser Thematik kommen bei mir sofort Kindheitserinnerungen hoch. Klar wäre ich dabei, wenn es Angebote gibt. In der Vorrunde vielleicht nicht, aber ab dem Achtelfinale. Suermann: Wir befinden uns ja in der Vorbereitung auf die neue Saison, da haben wir auch die EM im Blick. Es wird sich die Gelegenheit ergeben, dass wir Deutschland-Spiele auch gemeinsam als Mannschaft schauen. Haben Sie Vorbilder in der Deutschen Nationalmannschaft der Frauen? Meyer: Giulia Gwinn ist die perfekte Spielführerin – auf dem Platz und außerhalb. Ich finde zudem Lena Oberdorf super, sie ist leider verletzt. Auch eine Klara Bühl fällt auf. Mit der Bad Salzuflerin Carlotta Wamser hat es des Weiteren eine Lipperin ins Team geschafft – sehr cool. Wer gefällt Ihnen, Herr Suermann? Suermann: Lena Oberdorf. Ich mag ihre Spielweise, sie gibt immer 100 Prozent. Eine Lea Schüller geht dahin, wo es weh tut, hat ein extrem gutes Kopfballspiel. Fiebern Sie bei einem Frauen-Bundesligisten mit? Meyer: Meine Favoriten sind eher bei den Männern: BVB und Benfica Lissabon, weil ich da neun Monate beim U19-Frauenteam als Fitnesstrainerin tätig war. In der Bundesliga der Frauen verfolgte ich vor allem die Geschehnisse bei Bayern und Frankfurt. ? Suermann: Als Bayern-Fan habe ich auch das Frauenteam im Blick. Dazu Bayer Leverkusen, weil meine Tochter Jule da derzeit eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau absolviert. Tragen Spielerinnen des TuS Trikots aus dem Frauenfußball-Profibereich beim Training? Meyer: Ich selber nicht. ? Suermann: Es gibt aber Mädels mit einem Wolfsburg-Trikot, auch das Nationalmannschafts-Outfit ist präsent. Was ist für das deutsche Team drin? Suermann: Wichtig ist ein guter Start und ein Sieg gegen Polen. Dann ist es realistisch, unter die besten Vier zu kommen. Du kämst in einen Flow, alles ist möglich. ? Meyer: Ich träume natürlich vom Finale, realistischer ist aber das Viertelfinale. Die Favoriten heißen für mich England, Spanien und vielleicht auch Frankreich. Profitiert die Basis von so einem Turnier? Suermann: Nein, wir haben das immer gehofft, aber die vergangenen Jahre haben uns die Augen geöffnet. Du musst in allen Bereichen viel Engagement zeigen, ein Schnuppertraining bringt tatsächlich mehr. Täuscht der Eindruck, dass der Frauenfußball-Boom in Lippe nicht ankommt? Meyer: Da liegen Sie nicht ganz falsch. Es mangelt an Mädels, die nachrücken. Es fehlt bei vielen das Feuer, sich auf eine Sache fokussieren zu wollen. Auch die finanziellen Mittel. ? Suermann: Der Unterbau ist tatsächlich ein großes Problem. Den Vereinen fehlen Mittel, um Mädchen zu ködern. Bei den Jungs ist weniger Werbung nötig, es ist Geld im Spiel. Aber der Unterbau ist der Schlüssel zum Erfolg. Meyer: Mädels ab Jahrgang 2009 und älter sind bei uns herzlich willkommen. Also: gerne melden! Persönlich Hannah Meyer (25) lebt in Hiddesen und setzt im Oktober ihr Studium im Masterstudiengang Sport fort. Sie ist Spielführerin des TuS Eichholz-R. und agiert im zentralen Mittelfeld. Andreas Suermann (53) fungiert als Mannschaftsverantwortlicher der Frauenmannschaft des TuS und ist im Hauptberuf Richter am Amtsgericht Lemgo.