Ein Salzufler wird Co-Trainer der griechischen Fußball-Nationalmannschaft

Dietmar Welle

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Auf dem Weihnachtstraum in Bad Salzuflen: Thomas Stratos freut sich auf das Fest der Liebe und seinen neuen Job ab Januar in Griechenland. - © Vera Gerstendorf-Welle
Auf dem Weihnachtstraum in Bad Salzuflen: Thomas Stratos freut sich auf das Fest der Liebe und seinen neuen Job ab Januar in Griechenland. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Bad Salzuflen. Eng in eine Wolldecke geschlungen sitzt Thomas Stratos draußen vor seinem Lieblingscafé namens „Esquina" in der Bad Salzufler Innenstadt und trinkt einen Tee mit Honig. Rundherum der weihnachtliche Trubel, das Glitzern der Kugeln an den Tannenbäumen und die Musik des Leierkastenmannes. Plötzlich bleibt ein junger Mann stehen und sagt: „Glückwunsch, Thomas. Tolle Sache." Und Stratos lächelt.

Denn die Glückwünsche des Passanten gelten Stratos’ neuer Aufgabe. Der stets freundliche Ur-Salzufler übernimmt ab Neujahr das Amt des Co-Trainers der griechischen Fußball-Nationalmannschaft an der Seite seines Chefs Michael Skibbe, der sich sehr für die Verpflichtung von Stratos eingesetzt hat. „Ja, für mich geht schon ein Traum in Erfüllung", sagt Stratos, der als Bundesligaspieler durch seine Leistungen für Arminia Bielefeld und den Hamburger SV einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Information
Persönlich
„Ich denke deutsch, habe aber Griechisches in mir", sagt Thomas Stratos, der beide Staatsbürgerschaften besitzt. Geboren wurde Stratos am 9. Oktober 1966 in Griechenland und spielte in seiner Jugend für den SC Bad Salzuflen und SuS Lage wie auch für den FC Gütersloh. Der Ex-Bundesligaprofi ist 1,81 Meter groß und ein passionierter Golfer mit einem Handicap von 4,8.

Dass Stratos den Zuschlag des griechischen Verbandes Elliniki Podosferiki Omospondia (EPO) mit Hauptsitz in Athen erhielt, verwundert nicht. Denn der frühere Abwehrspieler sammelte nach seiner aktiven Zeit nicht nur Erfahrungen als Trainer beim SC Verl, FC Gütersloh, Hammer SpVg, SC Wiedenbrück, SSV Jahn Regensburg und BFC Dynamo Berlin, sondern besitzt auch die FIFA-Pro-Lizenz – und spricht griechisch. „Es ist natürlich von Vorteil, wenn du Grieche bist, die Sprache sprichst und dich perfekt verständigen kannst", so Stratos, der sich ausgezeichnet mit dem früheren Bundesliga-Coach Skibbe versteht.

Nun geht es also von Bad Salzuflen hinaus in die internationale Welt des Fußball. Der Vertrag ist schon längst unterschrieben bis zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Das ist das sportliche Ziel. Doch zunächst muss sich Stratos auch persönlich neu orientieren. In den Tagen kurz vor dem Heiligen Abend jettete Stratos nach Griechenland, um sich in Athen eine neue Bleibe zu suchen. Die soll möglichst nahe am griechischen Trainingszentrum sein.

Die Nähe zu den fünf Erstligisten, die in Athen beheimatet sind, bringt den entscheidenden Vorteil der kurzen Wege. „Mein Aufgabengebiet ist vielfältig, liegt bei den Lehrgängen auf dem Platz, aber vor allem zählt auch das Scouten dazu", sieht sich Stratos oft im Ausland, um die dort spielenden griechischen Nationalspieler zu sehen und auch auf eventuellen Nachwuchs ein Auge zu haben.

„Die griechischen Spieler sind bei renommierten Vereinen unter Vertrag, doch nicht immer spielen sie", sieht Stratos ein Problem bei dem ein oder anderen seiner zukünftigen Jungs. Die Kontakte zu zum Beispiel Sokratis Papastathopoulos (Borussia Dortmund), Konstantinos Manolas (AS Rom), Konstantinos Mitroglu (Benfica Lissabon), Thanos Petsos (Werder Bremen) und Dimitris Diamantakos (Karlsruher SC), Kyriakos Papadopoulos (RB Leipzig) oder Konstantinos Stafylidis (FC Augsburg) lassen sich gut pflegen.

Den aktuellen griechischen Fußball macht Stratos an der „glühenden Verehrung" der Fans für ihre Stars fest, weiß aber auch, dass die Stadien bei weitem nicht immer voll sind. Erst kürzlich wurde der Liga-Betrieb unterbrochen, als das Haus des Schiedsrichterobmanns in Flammen aufging. „Der Nachholbedarf bei der Talentförderung ist groß", hält Stratos den griechischen Fußball noch für entwicklungsfähig, um es einmal salopp auszudrücken.

Die Verdienstmöglichkeiten eines in seiner Heimat spielenden griechischen Profis liegen für die vier letzten Teams der 16-Staffel „auf Regionalliga-Niveau", so Stratos, der hofft, dass in der aktuell gut laufenden WM-Qualifikation Griechenland das Ticket nach Russland zieht. Das nächste Quali-Spiel findet am 25. März bei Tabellenführer Belgien statt.

Doch zurück aus der großen, weiten Welt nach Bad Salzuflen ins Café „Esquina". Wie verbringt Thomas Stratos die festlichen Tage. Erstaunlich entspannt, so der Eindruck. Stratos: „Ich komme ja aus einer Gastronomen-Familie, das Restaurant wurde schon am 2. Weihnachtsfeiertag wieder geöffnete. Da blieb kaum Zeit für Besinnlichkeit. Aber es ist trotzdem schön, mit meiner Mutter Vasiliki und meinem Bruder Georgios zusammen zu sein. Unser lieber Papa Konstantinos ist ja leider im September verstorben..."

Richtig warm ums Herz wird es Stratos, wenn das Gespräch auf seine beiden Töchter Alicia (20) und Maline (17) kommt: „Denen muss ich nur in die Augen schauen..." Wenn im Januar der neue Job in Griechenland beginnt, dann ist Thomas Stratos fachlich bestens gerüstet. Nur eine Schwäche gilt es noch zu beheben: „Den Text der griechischen Nationalhymne, den muss ich noch auswendig lernen..."

Der Tee ist getrunken, das Plätzchen gegessen und für Stratos beginnt jetzt eine spannende Zeit. Und da kommt auch gerade in diesem Moment wieder der junge Mann aus dem „Esquina" und sagt: „Viel Glück, Thomas. Und ein schönes Weihnachtsfest."

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