Auf den SC Paderborn wartet ein echter Gradmesser

Frank Beineke

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Kai Pröger, der sich hier gegen den Kieler und Ex-Paderborner Hauke Wahl durchsetzt, hat gute Erinnerungen ans Holstein-Stadion. In der Saison 2018/19 traf der SCP-Flügelflitzer beim 2:1-Sieg an der Förde. - © imago images
Kai Pröger, der sich hier gegen den Kieler und Ex-Paderborner Hauke Wahl durchsetzt, hat gute Erinnerungen ans Holstein-Stadion. In der Saison 2018/19 traf der SCP-Flügelflitzer beim 2:1-Sieg an der Förde. (© imago images)

Paderborn. Auf Tabellenplätze will sich Steffen Baumgart bei der Frage nach dem Saisonziel nicht festlegen. Der Cheftrainer des SC Paderborn gibt lieber folgende Devise aus: "Wir wollen weiter attraktiven Offensivfußball zeigen." Was passieren kann, wenn gleich zwei Mannschaften dieses Vorhaben in die Tat umsetzen, zeigte sich in der Saison 2018/19 in zwei spektakulären Zweitliga-Duellen zwischen dem SCP und Holstein Kiel. Beim 4:4 im Hinspiel und beim Paderborner 2:1-Rückspiel-Erfolg gaben beide Teams insgesamt 70 Torschüsse ab. Und so könnte es an diesem Sonntag, 20. September, an der Ostsee wieder ausgesprochen stürmisch zugehen, wenn die Kieler zum Zweitliga-Saisonstart den SC Paderborn erwarten (13.30 Uhr, Holstein-Stadion).

"Wir freuen uns auf einen sehr starken Gegner. Kiel kann in dieser Saison um die oberen Plätze mitspielen. Das ist gleich ein Gradmesser, um in der Liga anzukommen", sagt Steffen Baumgart, der am 20. April 2019 diverse Freudensprünge auf dem Rasen des altehrwürdigen Holstein-Stadions hingelegt hatte. Mit einem verdienten 2:1-Sieg hatte sein Team damals die Kieler aus dem Aufstiegsrennen gekegelt und den dritten Platz erobert, um vier Wochen später den Bundesliga-Aufstieg zu feiern. Torschützen waren Kai Pröger und Christopher Antwi-Adjei, die auch in diesem Sommer in den Testspielen den stärksten Eindruck gemacht hatten.

Vasiliadis ist wohl einsatzbereit

Die beiden Flügelflitzer dürfen beim Liga-Auftakt von Beginn an ran. Dies gilt auch für die neun anderen Akteure, die am vergangenen Sonntag beim 5:0-DFB-Pokal-Erfolg gegen Wiedenbrück in der Startelf gestanden hatten. "Wenn sich niemand mehr verletzt", schränkt Baumgart ein. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Sebastian Vasiliadis, der sich gegen Wiedenbrück eine Blessur am Sprunggelenk zugezogen hatte. "Vasi hat aber am Donnerstagnachmittag erstmals wieder eine komplette Trainingseinheit absolviert und die Belastungen gut verkraftet", berichtet Paderborns Coach und geht davon aus, dass auch sein Mittelfeldmotor am Sonntag auf Hochtouren laufen kann.

Linksverteidiger Jamilu Collins hat seine Leistenprobleme auskuriert und kehrt in den 20er-Kader zurück, muss aber auf der Bank Platz nehmen. Schließlich hat Neuzugang Chima Okoroji bislang einen starken Eindruck gemacht. Torwart-Novize Moritz Schulze wird als Ersatzkeeper erstmals in einem Pflichtspiel im SCP-Aufgebot stehen. Dank einer Carbonmaske kann der 19-Jährige, der vor dem Pokalspiel einen Nasenbeinbruch erlitten hatte, schon wieder mittrainieren. Ausfallen werden damit nur Stürmer Streli Mamba (muskuläre Probleme), der kommende Woche wieder ins Lauftraining einsteigen soll, und Torhüter Jannik Huth (Kahnbeinbruch), dessen Operation an der linken Hand prima verlaufen ist.

Baumgart freut sich auf die Fans

Julian Justvan, der erst am Dienstag vom VfL Wolfsburg zum SCP gewechselt war, könnte derweil die Reise in den hohen Norden mit antreten. "Keiner sollte erwarten, dass er jetzt gleich alle Bäume ausreißt. Aber Julian hat bei einem Bundesligisten die ganze Vorbereitung absolviert", sagt Baumgart mit Blick auf seinen neuen Mittelfeldspieler und fügt an: "Die Entscheidung, ob er in Kiel schon im Kader steht, ist noch nicht zu 100 Prozent gefallen."

Die Entscheidung, wie viele Zuschauer am Sonntag ins Stadion dürfen, steht dagegen fest. So werden die Kieler an ihre Dauerkarten-Inhaber insgesamt 3.000 Sitzplatz-Tickets verkaufen. Und obwohl Gäste-Fans weiterhin draußen bleiben müssen, freut sich Paderborns Chefcoach, dass die Zeit der Geisterspiele erst einmal vorbei ist. "Beim Fußball geht's um Emotionen und um Feuer. All das kommt halt auch von den Rängen. Der ganze Sport lebt davon", betont Steffen Baumgart und ergänzt: "Fußball ohne Fans wird nicht funktionieren. Ich hoffe, dass es nun immer mehr werden und dass auch die Ultras zurückkommen können." Für Emotionen und Feuer bürgt aber auch der SCP-Coach. Und vielleicht kann er am Sonntag gegen 15.20 Uhr ja wieder ein paar Freudensprünge an der Kieler Förde vollführen.

Information

SCP nutzt HSV-Spiel als Test

- Bei Auswärtsspielen sind in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga bis zum Jahresende keine Gäste-Fans zugelassen. Und auch beim ersten Heimspiel gegen den Hamburger SV (Montag, 28. September, 20.30 Uhr) werden nur sehr wenige SCP-Fans live vor Ort sein können. Aus Lärmschutzgründen sind dann bekanntlich nur 300 Zuschauer zugelassen. Die wenigen Tickets wird der SCP dabei an VIP-Gäste vergeben, um die Abläufe im Hospitality-Bereich testen zu können.

- In den Heimspielen gegen Hannover 96 (18. Oktober) und Jahn Regensburg (31. Oktober) könnten dann gemäß der neuen 20-Prozent-Regel bis zu 3.000 Fans in die Benteler-Arena. "Wir stehen in intensiven Gesprächen mit den örtlichen Behörden, insbesondere mit dem Gesundheitsamt", erklärt SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger. Das genaue Prozedere beim Kartenvorverkauf wird der Verein erst nach dem HSV-Spiel bekanntgeben. Dauerkarten-Inhaber der Vorsaison werden aber ein Vorkaufsrecht haben.

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