Bielefeld. Herford hat das Marta und das Daniel-Pöppelmann-Haus. Bielefeld die Kunsthalle, das Kunstforum Hermann Stenner und den Kunstverein am Waldhof. Werther das Museum Peter August Böckstiegel, Höxter das Forum Jacob Pins, Oerlinghausen die Alte Synagoge und Paderborn das Kunstmuseum im Marstall und das Diözesanmuseum. „Nur der Kreis Minden-Lübbecke hat kein eigenes Kunstmuseum“, klagt der Künstler Hartwig Reinboth, der in Minden lebt.
Warum das so ist, wisse er auch nicht, legt der 68-Jährige im dritten Holzhausgespräch dieser Redaktion in der Bielefelder Kunsthalle über die Lage von Kunst und Kultur in OWL nach. „Auf jeden Fall ist das schade für die Kunstszene im Norden“, betont der Vorsitzende des „Vereins für aktuelle Kunst im Kreis Minden-Lübbecke“, den er 1992 zusammen mit anderen Künstlern aus dem Kreis in Minden gegründet hat. „Um uns zu vernetzen und mehr für die Kunst im Kreis zu tun“, wie er herausstellt. „Und auch um eine städtische Galerie in Minden auf den Weg zu bringen, die wir leider immer noch nicht haben, aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“ Immerhin gebe es aber eine Kooperation mit dem Stadtmuseum Minden.
14 Orte mit Kunst bespielt
Rund 100 Mitglieder hat der sehr aktive Verein heute, und neben zahlreichen anderen Projekten bringt er mit seinen „Kunsträumen“ seitdem Kunst an Orte, die im ersten Zugriff gar nichts mit der Kunst zu tun haben – wie den „Lichthof“ des Kreishauses Herford (zu sehen bis 6. Oktober). „Insgesamt 14 Orte haben wir bis jetzt mit zeitgenössischer Kunst bespielt und so für spannungsreiche Kunstbegegnungen gesorgt“, bilanziert Reinboth zufrieden. Darunter waren das Alte Amtsgericht in Petershagen, die Weserwerft in Minden oder auch das Besucherbergwerk Kleinenbremen, die zu temporären Räumen der Kunst wurden. „Und wir machen im Rhythmus von zwei Jahren weiter“, verspricht er.
Gut vorstellen könne er sich auch, „so ein ,Kunstraumprogramm zusammen mit Partnerinnen und Partnern auch auf ganz OWL auszudehnen und immer im Wechsel interessante, ungewöhnliche Orte in der Region für die Kunst zu entdecken und diese mit der Kunst in den Dialog zu bringen“, sagt der Maler und Fotograf, der von 1977 bis 1982 an der Kunstakademie in Düsseldorf Kunst studiert hat. „Aber das wäre natürlich ein ganz schöner Kraftakt“, räumt er ein.
Ein Kunstfestival nach dem Vorbild von "Wege durch das Land"
Eine Zuhörerin des Holzhausgesprächs findet die Idee sehr reizvoll und ist begeistert von der Vorstellung, „ein Kunstfestival nach dem Vorbild von ,Wege durch das Land' zu schaffen, das dann statt Literatur und Musik Kunst an ungewöhnliche Orte bringt. Das wäre doch ein unglaublicher Impuls für die bildende Kunst in der Region“.
Reinboth nickt, sagt aber auch: „Doch wichtig ist eben auch, dass die bildende Kunst aus der Region nicht immer nur temporär zu sehen ist. Daher habe ich auch viel Sympathie für die Idee, in der Region ein festes Haus für die regionale Kunst zu schaffen“, greift er einen Gedanken auf, den Kunst-Impressario Uli Horaczek im zweiten Holzhausgespräch ins Gespräch gebracht hatte. Und gibt dabei gleich noch etwas zu beachten: „Das dürfte aber kein Kunstmuseum sein, das beliebig bespielt wird, sondern die Ausstellungen müssten gut kuratiert und nicht allein auf regionale Kunst beschränkt werden. Das wäre zu provinziell“, fügt der gebürtige Essener an. „Und dann könnte es gerne vorzugsweise im Kreis Minden-Lübbecke angesiedelt werden, damit wir oben im Norden etwas mehr ins Bewusstsein der Region rücken“, sagt er noch und lacht ein wenig.
Attraktiv für junge Künstler werden
Schade findet es Reinboth, dass die Kunsthalle Bielefeld es vor Jahren bereits nach kurzem Versuch wieder aufgegeben habe, dort auch regionale Künstler zu zeigen. Wie die neue Direktorin dazu steht, das wieder zu tun, wisse er nicht. Dass sich etablierte Häuser für regionale Künstler öffnen, könne doch auch ein Beitrag zur regionalen Künstlerförderung sein. „Das Kunstforum Hermann Stenner hat das ja mit dem Ausstellungsprojekt ,Mittendrin gerade vorgemacht“, betont Reinboth.
Für die Zukunft formuliert der Mindener für seinen Verein: „Wir wollen daran arbeiten, dass der Nordkreis sich in Sachen bildender Kunst so weiter entwickelt, dass er attraktiver für junge Künstlerinnen und Künstler wird.“ Und er fügt abschließend nochmals hinzu: „Natürlich werden wir an unserem Ziel einer Städtischen Galerie für Minden weiterarbeiten, denn der Norden braucht ein Kunstmuseum.“
Holzhausgespräche
Die Holzhausgespräche dieser Redaktion über Kunst und Kultur in OWL gehen in diesem Jahr zum zehnten Mal über die Bühne. Neuer Gesprächsort ist der Nachbau eines indigenen Langhauses durch den US-Künstler Oscar Tuazon in der zweiten Etage der Kunsthalle Bielefeld. Das „Building“ genannte Kunstwerk ist Teil der großen Tuazon-Schau mit mehr als 40 Arbeiten in der Kunsthalle.
Die Holzhausgespräche sind öffentlich. Der Eintritt in die Ausstellung ist in dieser Zeit frei. Das nächste Gespräch führt Stefan Brams am Mittwoch, 20. September, von 15 bis 16 Uhr mit dem Ex-SPD Landtagsabgeordneten und Aufsichtsratsvorsitzenden der Kunsthalle Bielefeld, Georg Fortmeier. Zudem ist am 22. September das Kulturhaus Ostblock aus Bielefeld zu Gast.