Detmold. Ein Berg ist ein Berg. Manchmal aber auch nicht. Wenn Felix Rehfeld in der früheren Küche des Detmolder Residenzschlosses seine Arbeiten zeigt, dann geht es nicht um klassische Landschaftsmalerei. Von diesem Sonntag, 6. Juli, bis zum 31. August präsentiert der Münchner Künstler auf Einladung der Lippischen Gesellschaft für Kunst (LfGK) gleich zwei Werkgruppen: monumentale Farbenberge und die abstrakt-konzeptuellen „Weißen Bilder“. Anstelle der klassischen Naturdarstellung gibt es ein Spiel mit Materialität, Farbe und ein wenig Illusion. Rehfeld, Jahrgang 1981, lebt und arbeitet in München. Nach einer Ausbildung zum Tischler studierte er Freie Kunst in Bremen und an der Akademie der Bildenden Künste München, wo er Meisterschüler bei Karin Kneffel war. In zahlreichen Ausstellungen, von Deutschland über Brasilien bis Taiwan, hat er sich mit seiner Malerei einen Namen gemacht. In Detmold sind nun zwei zentrale Serien seines Schaffens zu sehen, die exemplarisch zeigen, was ihn antreibt: die Auseinandersetzung mit der Malerei selbst. Auch interessant: Kunst zwischen Bergen und Pools in Detmold „Mich interessiert die Malerei, nicht der Gegenstand“, schreibt Rehfeld über sein Schaffen. Doch das Motiv spielt dennoch eine Rolle. Insbesondere der Berg, der von Rehfeld gewissermaßen künstlerisch bezwungen werden will. Aber, sagt der Künstler: „Die Berge sind nur Mittel zum Zweck.“ Tatsächlich nähere er sich Bergen nur äußerst selten. Wenn, dann meist im Atelier. „Ich habe aber mit Menschen zu tun, die Berge sehr gut kennen. Ich selbst bin beim Berg gelandet, weil er als Landschaft so ereignisreich ist.“ Malerei ist das bestimmende Thema Der vermeintlich naturalistische Eindruck seiner Bilder hält der genaueren Betrachtung nicht stand: Aus der Ferne meint man, das Matterhorn oder einen Alpenhang zu erkennen. Doch ein Blick aus nächster Nähe durchkreuzt die Illusion. Breite, zumeist horizontale Striche legen sich über den Himmel, Flächen werden plötzlich zu Farben, Farbe zu Fläche. In der Weise Landschaften zu malen, entspreche nicht unbedingt der akademischen Lehrweise, gibt der Künstler zu. Er habe seine ganz eigene Technik gefunden, um mit Ölfarben zugleich abstrakt und realistisch malen zu können. Am Ende wird deutlich: Die Malerei als solche ist immer das bestimmende Thema in Rehfelds Werken. Was auf den ersten Blick wie ein Landschaftsbild wirkt, entpuppt sich als Reflexion über das Malen selbst. Es ist ein Spannungsfeld zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Dieser Balanceakt zieht sich durch Rehfelds gesamtes Werk. Es sind „ästhetische Erstbesteigungen“, wie es ein Ausstellungstext formuliert, bei denen nicht der Gipfel das Ziel ist, sondern der Aufstieg selbst. Wer genau hinsieht, erkennt auch das ein oder andere tatsächlich existierende Vorbild, etwa das Matterhorn in den Alpen. Der Künstler betont jedoch: „Alle Motive sind idealisiert.“ Der Farbklecks als Motiv Noch radikaler löst sich Rehfeld in der Serie zum Thema Farbe vom Gegenstand. Ausgangspunkt ist hier die Palette des Malers, genauer gesagt: der weiße Farbklecks auf ihr. Diese auf den ersten Blick zufälligen Aufhäufungen von weißer Farbe werden zum Hauptmotiv. „Die Farbe in ihrer Präsenz ist das, worum es sich in dieser Serie dreht.“ Im Entstehungsprozess trägt der Künstler zunächst weiße Ölfarbe dick auf eine Modellplatte auf, die dieselben Maße wie das spätere Werk besitzt. Anschließend rückt er den Farbklecks für eine Foto-Vorlage buchstäblich ins rechte Licht. So entstünden die ganz besonderen Schattierungen, die später auch in den fertigen Arbeiten hervorstechen. Schlieren, Blasen, Risse - alles wird ins Bild gesetzt. Es entsteht Malerei über Malerei, eine Reflexion über das Medium, verdichtet auf eine einzige Farbe. Die beiden Werkgruppen - sämtliche Arbeiten stammen aus 2025 - sprechen unterschiedliche Wahrnehmungsebenen an. Ferne und Nähe, Form und Fläche. Für Felix Rehfeld scheint die Malerei ein Terrain, das immer wieder neu erschlossen werden muss. Die Ausstellung eröffnet am Sonntag, 6. Juli, um 11.30 im Detmolder Schloss. Nach der Begrüßung der LGfK-Vorsitzenden Sigrid Verlemann-Müller spricht die frühere Geschäftsführerin des Kunstforums Stenner, Christiane Heuwinkel. Für die Vernissage kooperiert der Lippische Kunstverein mit der Hochschule für Musik in Detmold. Cellist Artei Theotonio wird die Gäste mit Werken von Bach und der zeitgenössischen russischen Komponistin Sofia Gubaidulina erfreuen. Die Arbeiten von Felix Rehfeld sind noch bis zum 31. August im Ausstellungsraum der LGfK im Schloss zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Donnerstag von 11 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie Freitag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.