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Kommentar

Die Bildungsministerin und das Pisa-Debakel: Nur noch peinlich

Zum Thema Bildung gibt es zahlreiche Untersuchungen und Studien. Doch die international angelegte Pisa-Erhebung hat einen besonderen Stellenwert, erinnert sei an den „Pisa-Schock“ zur Jahrtausendwende, der zumindest zeitweise dazu geführt hat, dass die Verantwortlichen in Bund und Ländern handelten.

In diesem Jahr läuft die Sache anders: Die Pisa-Studie kommt, und was macht die oberste Bildungspolitikerin der Republik? Da sie die schlechten Ergebnisse schon vorher kannte, schickt Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger zur Pressekonferenz lediglich einen Staatssekretär. Auf keinen Fall will die Politikerin Bilder oder Aussagen produzieren, die sie irgendwie in Zusammenhang mit dem regelrechten Absturz beim Lernstand deutscher Schülerinnen und Schüler bringen.

Sicher, für die Bildungspolitik sind maßgeblich die Bundesländer zuständig. Doch es war Stark-Watzinger höchstselbst, die vor Monaten richtigerweise eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen in der Bildungspolitik gefordert hatte. Von der großspurig angekündigten „Task Force“ oder einem „Team Bildung“ hat man seitdem allerdings nichts mehr gehört. Und nun auch noch das Fernbleiben von der Pressekonferenz. Das ist nur noch peinlich.

Und weitaus mehr als das. Die Situation ist dramatisch. Dass Deutschland in den Bereichen Mathematik und Lesekompetenz noch nahe und in den Naturwissenschaften über dem OECD-Durchschnitt liegt, kann keinesfalls beruhigen. Denn es kommt auf den Trend an – und der geht seit Jahren immer steiler nach unten. Eine Umkehr ist dabei nicht in Sicht.

Auch die Pandemie kann nicht als entlastendes Moment dienen. Die Wissenschaftler haben bei ihrem internationalen Vergleich festgestellt, dass die Dauer der Schulschließungen nicht in einem direkten Zusammenhang mit dem Lernstand steht. Es gibt auch Länder, die längere Schließungen hatten, am Ende aber dennoch heute besser dastehen. Dort ist es eher gelungen, durch digitale Angebote den Distanzunterricht zu organisieren – was am Ende zeigt, wie weit Deutschland bei der Digitalisierung zurückliegt.

Asiatische Länder machen vor, wie es gehen kann

Extrem beunruhigend ist auch die Erkenntnis, dass den Schülerinnen und Schülern offensichtlich nicht mehr ausreichend vermittelt wird, warum sie überhaupt zur Schule gehen. Gerade in Mathematik fehlt im Unterricht der Bezug zur Lebensrealität. Stattdessen überwiegen Langweile oder sogar Angst gegenüber dem Fach. Wie sollen die jungen Menschen etwas lernen, wenn Freude und Spaß fehlen?

Mehrere asiatische Länder machen vor, wie es stattdessen gehen muss – wieder einmal: Moderne Lehrpläne, die die Schülerinnen und Schüler mitnehmen, die besondere Förderung von Leistungsschwachen, aber auch Leistungsstarken, eine ständige Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte, und vor allem personell gut ausgestattete und organisierte Schulleitungen, die den Lehrerinnen und Lehrern den Rücken freihalten. Das alles ist bekannt, wird aber hierzulande nicht oder nur unzureichend umgesetzt. Denn es herrscht weiter Kleinstaaterei mit einer Kultusministerkonferenz, die lediglich ein unverbindlicher Debattierclub ist.

Verschlepptes Handeln führt zu irreparablen Schäden

Gute Bildung ist die Basis unseres Wohlstandes. Und dieser ist wegen des Versagens von Bund und Ländern in ernster Gefahr. Denn beim Thema Bildung ist es wie beim Klimaschutz: Verschlepptes Handeln führt zu irreparablen Schäden, die sich später allenfalls ein wenig eingrenzen lassen. Es wird höchste Zeit, dass sich diese Erkenntnis auch bei der Bildung durchsetzt. Sonst werden hier ebenso Kipppunkte erreicht, die eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale in Gang setzen.

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