Angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung müsste es für junge Menschen ein Leichtes sein, einen Ausbildungsplatz zu finden. Doch der Blick in den Markt zeigt, dass Bewerber und Unternehmen in OWL und anderen Regionen oft nicht zusammenpassen. Immer mehr Schulabgänger suchen vergeblich nach Lehrstellen, allein in OWL gibt es aktuell 2.835 unversorgte Bewerber. Gleichzeitig bleiben nach wie vor viele Lehrstellen unbesetzt, so wie aktuell 939 in der Region. Und diese Zahlen umfassen nur die Bewerber und Unternehmen, die ihre Misserfolge auch melden.
Ein teures Problem, das wir uns nicht länger leisten dürfen. Die Folgen dieses Trends schaden nicht nur betroffenen Bewerbern und Unternehmen, sondern der gesamten Gesellschaft und Wirtschaft. Wenn junge Menschen sich nicht beruflich qualifizieren, haben sie ein hohes Risiko für Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Armut. Das belastet die Betroffenen und den Sozialstaat. Wenn Unternehmen ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können, fehlen ihnen Fachkräfte, die sie nicht mehr einfach auf dem freien Markt finden. Das bedroht bereits jetzt die Existenz vieler Betriebe, sodass Stellen und Steuereinnahmen in Gefahr sind.
An vielen Stellen ist dieses Problem bekannt. In einer Vielzahl an Angeboten versuchen Unternehmen, Kammern, Gewerkschaften, Kommunen, Schulen, Arbeitsagenturen, Politik und andere Initiativen Bewerber und Betriebe zusammenzubringen. Doch die Zahlen zeigen, dass diese Bemühungen nicht ausreichen.
Initiativen in NRW laufen ins Leere
Beispielhaft dafür steht die Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ in NRW. Um Jugendliche in der Zeit zwischen Schule und Beruf fit für die Berufsausbildung zu machen, bietet NRW den Berufskollegs im Land ein Übergangssystem an. Das Schulministerium wirbt mit der frühen Berufsorientierung für einen erfolgreichen Start in Ausbildung oder Studium, um auch Jugendlichen eine Perspektive zu bieten, die Schulen frühzeitig verlassen oder Probleme bei der Suche nach einer Lehrstelle haben. Daten des Statistischen Landesamtes IT NRW zeigen jedoch, dass allein in OWL fast zwei Drittel der Schüler dieses System entweder ohne Abschluss oder einen höheren Abschluss verlassen. So heißt es für viele: Kein Abschluss und kein Anschluss.
Um zu verhindern, dass sich der Lehrstellenmarkt weiter so negativ entwickelt, muss sich etwas ändern. Die Verantwortung dafür tragen in erster Linie Unternehmen, die Auszubildende mit schlechten Voraussetzungen mehr unterstützen können, und Schulabgänger, die offener für Berufe und Entfernungen sind. Im Interesse aller müssen sie dabei aber besser unterstützt werden.