Nach Tweet: Polizei-Hochschuldozentin verliert Lehrauftrag

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Eine Polizistin steht vor einem Streifenwagen. - © David Inderlied/dpa/Illustration
Eine Polizistin steht vor einem Streifenwagen. (© David Inderlied/dpa/Illustration)

Eine Dozentin an der Polizei-Hochschule in Gelsenkirchen hat nach einem Tweet ihren geplanten Lehrauftrag an der Hochschule verloren. Ein bestehender Lehrauftrag sei ausgelaufen, aber eine weitere Beauftragung sei zum kommenden Semester geplant gewesen, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums am Montag mit Verweis auf die Leitung der Hochschule. Dies sei von der Hochschulleitung gestoppt worden.

Die Hochschule bestätigte dies auf Anfrage: «Aus Sicht der Hochschulleitung ist die Dozentin aufgrund ihrer aktuellen Äußerungen ungeeignet, sowohl den angehenden Polizistinnen und Polizisten als auch den zukünftigen Verwaltungsbeamtinnen und -beamten eine vorurteilsfreie, respektive fundierte Sichtweise im Hinblick auf Demokratie, Toleranz und Neutralität zu vermitteln.»

Der Tweet von Dozentin Bahar Aslan lautet: «Ich bekomme mittlerweile Herzrasen, wenn ich oder meine Freund*innen in eine Polizeikontrolle geraten, weil der ganze braune Dreck innerhalb der Sicherheitsbehörden uns Angst macht. Das ist nicht nur meine Realität, sondern die von vielen Menschen in diesem Land», hatte die Dozentin Bahar Aslan am Samstag getwittert.

Der Tweet sorgte für reichlich Wirbel, nachdem «Focus online» darüber berichtet hatte. Der GdP-Landesvorsitzende Michael Mertens sagte am Montag, eine solche «Pauschalverurteilung der Sicherheitsbehörden geht gar nicht». Der Fall müsse arbeits- und strafrechtlich aufgearbeitet und geprüft werden.

Auch der CDU-Innenpolitiker Christos Katzidis sagte, die Äußerung sei «unerträglich und untragbar». Er erwarte eine strafrechtliche und eine disziplinarrechtliche Prüfung. «Sie ist ja auch Lehrerin an einer Hauptschule.»

Aslan verteidigte sich und sprach von einer Verleumdungskampagne: Es habe sich bei ihrem Tweet nicht um eine Pauschalverurteilung aller Polizisten gehandelt, wie der GdP-Landeschef behaupte. Nun bekomme sie im Minutentakt Hass-Botschaften.

Aslan bekam auf Twitter auch viel Zuspruch: Sie habe ein real existierendes Problem angesprochen und sei nur der Überbringer unangenehmer Tatsachen. Ein «Provinz-StA» twitterte, die strafrechtliche Prüfung lasse sich relativ schnell abhaken. Aslan habe sich lediglich verächtlich über Rechtsextreme innerhalb der Polizei geäußert.

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