Neues Unternehmen beginnt Kampf gegen die Schweinepest

Jobst Lüdeking

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Im Visier: Eine Bache pflügt durch das Gelände. - © dpa
Im Visier: Eine Bache pflügt durch das Gelände. (© dpa)

Münster. Das Wort klingt sperrig: Wildtierseuchenvorsorge-Gesellschaft, oder kurz WSVG. Mit dem neuen Unternehmen, das Ende Januar arbeitsfähig ist, reagieren der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV), der Landesjagdverband NRW sowie Landwirtschaftskammer und Genossenschaften auf die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die Belgien erreicht hat. Die Anschubfinanzierung hat das Land NRW übernommen.

Die Firma mit Sitz in Hamm ist für die Seuchenbekämpfung in Waldgebieten verantwortlich, die von ASP betroffen wären. „Dort würden besondere Vorschriften gelten", erklärte WLV-Präsident Johannes Röring und Hauptgeschäftsführer Werner Gehrung in Münster. Die bisherigen Anlaufkosten liegen bei einer Million Euro, die laufenden Kosten bei 600.000 Euro jährlich – ohne dass es zum Seuchenausbruch kommt. Beim ASP-Ausbruch seien die Kosten sowohl für die Bekämpfung als auch die wirtschaftlichen Folgen für die Branche nicht einschätzbar, so Röring.

Das Problem: Sobald nur ein ASP-infiziertes Wildschwein in Deutschland gefunden wird, gilt sofort ein Exportverbot für Schweinefleisch in Drittstaaten. Schweinehalter sowie die vor- und nachgelagerten Branchen in NRW haben nach einer neuen Studie mit rund 13 Milliarden Euro eine Bruttowertschöpfung wie die Metallbranche oder die Chemieindustrie.

Die neue Gesellschaft arbeitet in Kooperation mit den jeweiligen Kreisveterinärbehörden nach einem in Tschechien erfolgreichen Modell. Dort war ein Areal nach einem ASP-Fall großflächig eingezäunt worden. Danach kümmern sich Teams darum, alle Kadaver zu suchen und zu entsorgen. Die Bejagung wird dort zunächst ausgesetzt und findet nur noch als letzter Schritt statt.

Tschechien sei es gelungen, so binnen eines halben Jahres wieder den Status „ASP-frei" zu erhalten, so Röring. Die neue Gesellschaft hat genug Material, wie Zäune und Desinfektionstechnik, um in drei ASP-Zonen aktiv zu werden.
Zurzeit werden die Schweinehalter auch ohne ASP wirtschaftlich gebeutelt und büßten 2018 rund 28 Prozent ihres Betriebsgewinns ein.

2019 gebe es Zeichen für eine Erholung am Markt. Bei Milchvieh- und Rinderhaltern sei die Situation noch unklar, heißt es in Rörings Ausblick. Sie werden wegen der Dürre 2018 aber höhere Ausgaben für Futter haben. Beim Ackerbau rechnet Röring mit gleichbleibenden Preisen. Der Gewinn pro Haupterwerbsbetrieb lag im Schnitt bei rund 68.000 Euro.

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