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Medienkonzern

Bertelsmann meldet Rekordumsatz - doch der Gewinn halbiert sich

Der Gütersloher Konzern trotzt dem Einbruch der Werbemärkte und wächst. Thomas Rabe macht klar, dass dem Abbau von Jobs und Standorten in anderen Bereichen eine Expansion gegenübersteht.

Bielefeld. Der Nettogewinn des Bertelsmann-Konzerns hat sich im ersten Halbjahr 2023 beinahe halbiert, er schrumpfte von 492 Millionen Euro in der ersten Hälfte des Vorjahres auf nun nur noch 260 Millionen Euro. Ein Grund zur Sorge für Konzernchef Thomas Rabe, zumal vor dem Hintergrund einer flauen Konjunktur bei noch immer hohen Inflationsraten? Er habe deswegen "null" Sorgen, antwortete Rabe, denn der Rückgang des Konzernergebnisses erfolge planmäßig.

Wesentliche Ursachen seien erstens in der Entwicklung der RTL Group zu finden, wo die Werbeerlöse um 12,5 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro bröckelten, während die Anlaufverluste für den Ausbau des Streaminggeschäfts auf 87 Millionen Euro stiegen. Zweitens seien die Kosten für mehrere Restrukturierungen zu stemmen: Dazu gehöre die Integration von Teilen des Magazinverlags Gruner+Jahr in die RTL Deutschland GmbH inklusive des Abbaus von rund 500 Arbeitsplätzen allein 2023, aber auch die Schließung der Tiefdruck-Standorte in Liverpool (Ende 2023) und Ahrensburg (Januar 2024) mit zusammen 800 Stellen.

Personalvorstand Immanuel Hermreck zählt allein im Kreis Gütersloh rund 11.000 Mitarbeiter. 164.000 Beschäftigte sind es derzeit noch konzernweit, doch die Zahl wird sich durch den Verkauf der Call-Center-Beteiligung ("Majorel") halbieren. - © Jens Dünhölter
Personalvorstand Immanuel Hermreck zählt allein im Kreis Gütersloh rund 11.000 Mitarbeiter. 164.000 Beschäftigte sind es derzeit noch konzernweit, doch die Zahl wird sich durch den Verkauf der Call-Center-Beteiligung ("Majorel") halbieren. (© Jens Dünhölter)

Rabe erklärte die Halbjahreszahlen gemeinsam mit Personalvorstand Immanuel Hermreck in einer Telefonkonferenz, und zufrieden zeigte er sich angesichts der Umsatzentwicklung. Die 5,1-prozentigen Umsatzeinbußen in der RTL Group, der größten Sparte des Konzerns, seien durch kräftige Zuwächse in anderen Sparten mehr als ausgeglichen worden. So wuchs die Arvato Group um 8,9 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro Umsatz, die Buchverlagstochter Penguin Random House steigerte den Umsatz um 9,4 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, und die Musiksparte BMG wuchs um 11,5 Prozent auf 414 Millionen Euro Umsatz.

Education Group macht Umsatzsprung

Einen Umsatzsprung um mehr als 86 Prozent machte zudem die Bertelsmann Education Group, die auf (überwiegend digitale) Aus- und Weiterbildung vor allem für den Gesundheitssektor ausgerichtet ist. Vor allem durch Zukäufe stieg ihr Umsatz von 231 auf 430 Millionen Euro. Unter anderem seien durch die brasilianische Tochter Afya zwei private medizinische Hochschulen in Brasilien übernommen worden

Mit einem Gesamtumsatz von 9,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2023 (plus 4,5 Prozent) sei ein neuer Höchstwert erzielt worden, stellte Rabe fest: "Der Konzernumbau mit dem Aufbau neuer Geschäfte und vor allem unsere Boost-Strategie machen sich zunehmend bemerkbar", erklärte er stolz. Die genannte Strategie, mit der der Konzernumsatz bis 2026 auf rund 24 Milliarden Euro gesteigert werden soll, liege auch bei den Investitionen im Plan oder sogar darüber. Allein im ersten Halbjahr seien 800 Millionen Euro investiert worden, etwa für Verlagsanteile in den USA und Spanien sowie weitere Musikrechte. Seit 2021 seien es konzernweit bereits 3,3 Milliarden Euro gewesen. Von 2021 bis 2026 sollen sieben Milliarden Euro in die Expansion geflossen sein.

Sofern keine großen Firmenübernahmen zu finanzieren seien, könne Bertelsmann seine Investitionen ohne besondere Schuldenaufnahme aus dem laufenden Geschäft bezahlen, sagte Rabe. Es gebe neben der vorhandenen Liquidität (laut Bilanz Ende Juni knapp 1,7 Milliarden Euro) bestehende Kreditlinien, die ausgeschöpft werden könnten, und bei Bedarf könnten weitere Anleihen ausgegeben werden. Dem Zahlenwerk zufolge stiegen die "wirtschaftlichen Schulden" zwar innerhalb eines halben Jahres um gut 1,2 Milliarden auf 6,0 Milliarden Euro. Dabei blieb die Eigenkapitalquote aber beinahe stabil bei soliden 45,7 Prozent.

Geldspritze durch Majorel-Verkauf

Eine Geldspritze erwartet Rabe, wenn der Verkauf der knapp 40-prozentigen Beteiligung am Call-Center-Unternehmen Majorel gelingt, in Abhängigkeit von den Kartellbehörden möglichst noch im Jahr 2023. Dann kassiert der Gütersloher Konzern vom Käufer, dem französischen Konzern Teleperformance, rund 800 Millionen Euro sowie Aktien im Wert von etwa 400 Millionen Euro. Die Aktien sollen nach dem Einhalten gewisser Haltefristen ebenfalls zu Geld gemacht und ins Wachstum investiert werden. Dass der Bertelsmann-Bilanz dann auch der Majorel-Umsatz von zuletzt 2,1 Milliarden Euro fehlen wird, ist ein Nebeneffekt der Transaktion. Außerdem werde sich die Belegschaft von derzeit 164.000 Mitarbeitern rein zahlenmäßig etwa halbieren, bestätigte Rabe.

Als Erfolg hoben Rabe und Hermreck die Steigerung der Abonnentenzahlen im RTL-Streaminggeschäft auf mehr als sechs Millionen hervor. Im August sei zudem die Multimedia-App von RTL+ an den Start gegangen, die Serien, Sport, Shows und Filme sowie Musik, Hörbücher und Podcasts bündelt. Im Jahresverlauf sollen schrittweise noch Magazintitel von Gruner+Jahr die App bereichern, von "Stern" und "Geo" bis "Capital".

Und die Manager freuten sich auch über eine Auszeichnung: Die Film- und Fernseh-Produktionsfirma Fremantle sei vom "Hollywood Reporter" als Internationaler Produzent des Jahres" gekürt worden. Auch Fremantle mit Sitz in London gehört zu den großen Wachstumshoffnungen der Gütersloher.

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