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Tanzen hebt die Stimmung

Fachleute raten zur Tanzpause in Büro und Homeoffice

Bewegung ist gut für Motivation und Teamgeist. Das soll sich auch positiv auf die Produktivität auswirken. Experten entwickeln deswegen eine Tanz-App für die Arbeitswelt.

Bei Workshops und Fortbildungen sind sie ein sicherer Weg, gequältes Aufstöhnen zu ernten: Sogenannte Warm-up-Games sollen für Entspannung und mehr Konzentration sorgen, doch längst nicht alle machen gerne mit. Es lohnt sich aber, zeigt nun eine Studie von Forscherinnen und Forschern des Max-Planck-Instituts: Bewegung und insbesondere Tanzen ist demnach tatsächlich gut für die Stimmung und Motivation. Nun überlegt das Team, das auf die Arbeitswelt zu übertragen.

Julia Christensen dürfte die Ergebnisse geahnt haben: Die Neurowissenschaftlerin ist leidenschaftliche Tänzerin, hat schon ein viel gelesenes Buch über die Vorzüge rhythmischer Bewegung geschrieben. Ihr Team am Frankfurter Max-Planck-Institut für Empirische Ästhetik wollte es aber genauer wissen: Zusammen mit Fachleuten weiterer Einrichtungen untersuchten sie, wie sich Bewegung auf den Gefühlshaushalt auswirkt. Und zwar in einem Experiment, das den hohen Qualitätsstandards des britischen Journal of Psychology entspricht, wie das Institut betont. Im Kern ging es dabei um die sogenannte Gefühlsregulierung: „Man kann ein Stück weit verändern, wie man sich fühlt, indem man sich bewegt“, beschreibt Christensen den Ansatz. Um das zu testen, mussten die Probandinnen und Probanden den Anleitungen eines Tänzers auf einem Bildschirm Folge leisten. Im ersten Schritt sollten sie eher neutrale Gesten ausführen, im zweiten Gefühl in diese legen. „Etwa, indem sie überschwängliche Armbewegungen machen“, erklärt Christensen.

Das messbare Ergebnis: „Die Probandinnen und Probanden haben die Stimmungsveränderung einfach angenommen“, sagt Christensen. Und dabei sei es nicht geblieben: „Je positiver die Stimmung der Probanden nach der Tanzpause war, desto höher schätzten sie auf Nachfrage auch ihre konkrete Arbeitsmotivation im Vergleich zu vorher ein“, erklärt Christensen weiter.

Gemeinsam tanzen stärkt den Teamgeist

Mit einem Kniff schloss das Team außerdem aus, dass nicht die – möglicherweise gute – Laune des Tanzlehrers die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ansteckte: Ihre Stimmung hob sich der Studie zufolge auch, wenn sie den Anleitungen eines computergenerierten Avatars folgten. Dies deute auf eine starke Verbindung zwischen Tanz und emotionalem Erleben hin, unabhängig von der Art des Tänzermodells, schlussfolgerten die Fachleute.

Aus Christensens Sicht birgt all das auch Erkenntnisse für die Arbeitswelt: Eine stündliche Tanzpause könnte ihrer Meinung nach gut für die Produktivität sein – nicht zuletzt im Homeoffice, wo diese mitunter durch soziale Isolation leide. Die Erkenntnisse der Max-Planck-Fachleute sollen deshalb in eine App einfließen, auf dass Beschäftigte daheim eine Anleitung für eine regelmäßige Tanzpause bekommen.

Doch auch im Büro rät Christensen zum gelegentlichen Tanzen, gerne auch gemeinsam. „Unsere nordwestlichen Gesellschaften sind da etwas schambelastet“, gibt Christensen zwar zu. Führungskräfte könnten dabei aber durchaus mit gutem Vorbild vorangehen und Tanzpausen einführen. „Das muss nicht todernst sein, Lacher sorgen schließlich auch für mehr Sauerstoff im Gehirn“, meint Christensen.

Jenseits der aktuellen Studie spreche außerdem das Phänomen der Ko-Repräsentation für eine kollektive Tanzeinlage, sagt Christensen: Das menschliche Gehirn merke, wenn sich alle gleich bewegten, das kitte Gruppe zusammen. „Wer gemeinsam tanzt, stärkt so auch den Teamgeist“, ist die Wissenschaftlerin deshalb überzeugt.

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