Bluttat in Pivitsheide: Haftbefehl wegen "Mordes aus Eifersucht"

Erol Kamisli

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An der Eggestraße war die Spurensicherung der Polizei auch am Freitag noch im Einsatz. - © Bernhard Preuss
An der Eggestraße war die Spurensicherung der Polizei auch am Freitag noch im Einsatz. (© Bernhard Preuss)
Freunde und Nachbarn – hier Monika Lux – haben Rosen auf den Weg zu dem Haus gelegt, in dem sich die Tat ereignet hat. - © Bernhard Preuss
Freunde und Nachbarn – hier Monika Lux – haben Rosen auf den Weg zu dem Haus gelegt, in dem sich die Tat ereignet hat. (© Bernhard Preuss)

Detmold-Pivitsheide. Still ist es auf der Eggestraße, wo sonst viele Fahrzeuge fahren. Still und nasskalt. Vor der Einfahrt der rot verklinkerten Doppelhaushälfte steht ein weißer Polizei-Sprinter. Gleich daneben haben Freunde und Nachbarn Rosen und Kerzen als Zeichen ihrer Trauer um die 30-Jährige abgelegt, die am Mittwochabend mutmaßlich von ihrem Lebensgefährten (38) ermordet worden ist. Die gemeinsame Tochter des Paares blieb unverletzt und ist jetzt in der Obhut des Jugendamtes.

Inzwischen hat die Detmolder Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Mordes gegen den Mechaniker erlassen. „Die Ermittlungen am Tatort, die Befragungen von Zeugen und die Obduktion des Leichnams haben den Tatverdacht erhärtet", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Der Mann habe seine Lebensgefährtin „heftig geschlagen" und anschließend mehrfach mit einem Messer auf sie eingestochen.„Es ist Mord aus Eifersucht. Aufgrund der schweren Verletzungen ist das Opfer am Tatort verblutet."

Die Verletzungen des Mannes hätten sich als „nicht schwerwiegend" herausgestellt. „Er hat sich die Pulsadern aufgeschnitten, doch dies ist schnell verheilt", sagt Vetter. In einer ersten Vernehmung durch die Polizei habe sich der Vorbestrafte nicht zur Tat geäußert.

„Es ist eine Tragödie. Ich kann es immer noch nicht fassen", sagt Nachbarin Monika Lux, die die Familie seit drei Jahren kennt. „Wir waren schon sehr eng miteinander. Wir haben gemeinsam gegrillt, und meine Enkelkinder haben mit der Dreijährigen gespielt. Wir haben uns gut verstanden", sagt die Rentnerin.

Sie habe nie einen Streit oder auch nur ein lautes Wort aus dem Nachbarhaus gehört. „Sie waren unauffällig, haben sich liebevoll um ihre Tochter gekümmert und sind täglich zur Arbeit gefahren", erzählt die 69-Jährige mit gebrochener Stimmen. Sie verschränkt die Arme, dann blickt sie zu Boden. „Ja", sagt sie, „die junge Frau." Weiter kommt sie nicht. Ein Kopfschütteln. Ein langer Atemzug. Eine Handbewegung, die ins Leere geht. Nach ein paar Augenblicken findet sie Worte. Vor ein paar Wochen habe ihr die Getötete erzählt, dass sie sich von dem 38-Jährigen trennen wolle. „Einen Grund hat sie nicht genannt", sagt Lux.

Am Donnerstagvormittag habe eine Freundin des Opfers bei der Rentnerin „Sturm geklingelt". Anschließend sei sie mit der Frau zum Nachbarhaus gegangen. „Die Schlüssel steckten von außen. Ich erinnere mit nur noch an das viele Blut und die Kinderstimme." Sie habe die Dreijährige, die die Nacht über ebenfalls im Haus war, gepackt und sie mitgenommen. „Meine Gedanken und mein Herz sind bei der Kleinen", sagt die Nachbarin und wischt die Tränen aus dem Gesicht. „Man zerstört doch nicht aus Eifersucht eine ganze Familie", fügt sie hinzu.

Doch dies sei das einzige Tatmotiv, so Vetter. Er habe einen Haftbefehl wegen Mordes beantragt. Der 38-Jährige habe die Frau getötet, weil sie sich trennen und nicht mehr zu ihm gehören wollte. „Was die Richter am Landgericht später entscheiden, steht auf einem anderen Blatt", so Vetter.

Kein Sorgerecht für die Tochter

Trotz des Haftbefehls laufen die Ermittlungen der zwölfköpfigen Mordkommission „Pivit" weiter. „Die Beamten vernehmen nun weitere Zeugen", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Mit einer Verhandlung vor dem Detmolder Landgericht rechne er Ende dieses Jahres oder spätestens Anfang 2018. Bei einer Verurteilung wegen Mordes drohe dem 38-Jährigen eine lebenslange Haft.

Über das Sorgerecht für das dreijährige Kind entscheide das Amtsgericht. Der 38-Jährige sei zwar Vater des Kindes, habe aber kein Sorgerecht. „Das lag allein bei der Mutter", sagt Vetter. Er sei sich sicher, dass das Gericht dem Vater dieses nicht zuspreche. Dafür kämen Angehörige des Mädchens in Frage.

Rückblick

Am Donnerstag hatten Ermittler in einem Haus die Leiche einer 30-Jährigen entdeckt, dort fanden sie ebenfalls den schwer verletzten Lebensgefährten sowie die gemeinsame dreijährige Tochter – die unverletzt blieb. Inzwischen ist das Mädchen bei Angehörigen des Paares untergebracht. „Neben der Leiche fanden die Beamten auch ein großes Messer", sagte der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter.

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Eine Freundin der 30-Jährigen hatte die Polizei um 9.23 Uhr am Donnerstagmorgen alarmiert, weil sie trotz Verabredung niemanden in der Wohnung angetroffen hatte. Sie habe durch das Fenster gelugt und das Gefühl gehabt, dass eine schreckliche Tat passiert sein müsse.

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Als die Beamten vor dem Haus des deutschen Paares eintrafen, öffnete ihnen laut Vetter niemand die Tür. Nachdem die Einsatzkräfte in die Wohnung gelangten, habe sich ihnen ein Bild des Schreckens geboten. „Es wurde sofort die Mordkommission eingeschaltet, und auch die Spurensicherung war sehr schnell vor Ort", sagte Vetter.

Schockierte Nachbarn beschreiben die Familie als „normal" und „unauffällig". Auch bei der Polizei war das Paar vorher nicht bekannt, Einsätze hat es dort laut Vetter noch nicht gegeben. Auch gebe es bisher keinerlei Hinweise darauf, „dass es innerhalb der Familie zuvor schon einmal zu Gewalttaten gekommen ist", sagte der Oberstaatsanwalt.

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