Siebenjähriger starb bei Starfighter-Absturz auf Haus in Bad Meinberg

Friedhelm Dux wurde tot geborgen – Pilot rettete sich mit Schleudersitz

Manfred Brinkmeier

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Horn-Bad Meinberg. Am Freitag, 28. April 1967 - ist gegen 12.15 Uhr ein Starfighter der Bundeswehr in das Haus Moorstraße 34 (heute 18) in Bad Meinberg gestürzt. Während sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten konnte, kam der siebenjährige Friedhelm Dux dabei ums Leben.

Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich neben ihm noch seine kleine Schwester Sabine und Großvater Paul Herzog im Haus, während sich Mutter Brigitte Dux im Garten aufhielt. Zwei Häuser weiter arbeiteten Dachdecker. Sie eilten unmittelbar nach dem Unglück herbei, um den 68-Jährigen, der Brandverletzungen erlitten hatte, aus dem Haus zu tragen und in Sicherheit zu bringen.

Zeitgleich retteten die beiden Nachbarn August Nolte und Gustav Freitag die acht Monate alte Sabine. Wie durch ein Wunder blieb der Balkon, auf dem sie in ihrem Kinderwagen schlief, unversehrt. Dem Baby selber – es hatte offenbar gleich mehrere Schutzengel – war kaum etwas passiert, obwohl sich im Kinderwagen Trümmer des Flugzeugs und ein paar Ziegelsteine vom total zerstörten Haus befanden.

Nach und nach eilte ein Großaufgebot an Rettungskräften zum Unglücksort in der Bad Meinberger Moorstraße. Sie begonnen sofort mit der Suche nach möglichen Verschütteten. Erst nach eineinhalb Stunden konnten sie die schwer verletzte Brigitte Dux aus den Trümmern ihres Hauses retten. Da sie verzweifelt rief „Friedhelm! Friedhelm war in der Küche!“, setzten die Helfer die Suche nach dem Siebenjährigen unter Hochdruck fort. Um 19.28 Uhr dann die schreckliche Gewissheit: Friedhelm Dux konnte nur noch tot geborgen werden.

Zum Zeitpunkt des Absturzes befand sich der älteste Sohn der Familie Dux in der Berufsschule. Und auch Vater Hartmut war zum Glück nicht im Haus. Er ging, wie gewohnt, seiner Arbeit für die Zimmerei Bunte in Eichholz-Remmighausen nach. Ein Ehepaar aus Hannover hatte ebenfalls einen besonderen Schutzengel. Die Pensionsgäste im „Haus Dux“ waren nämlich gerade zum Mittagessen unterwegs. Wie Brigitte Dux jetzt gegenüber der LZ erklärte, habe der Bund kurz nach dem Unglück unbürokratische Hilfe geleistet. „Als ich nach drei Monaten aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hatte der Neubau des Hauses bereits begonnen. Im Dezember war dann Einzug.“

Wasservogel sollte schuld sein

Information
Der Fernsehsender N24 hat eine Dokumentation zu der Starfighter-Problematik produziert. In der Mediathek des Senders ist diese online abrufbar (hier klicken um zur Mediathek zu gelangen).

Ein Wasservogel soll schuld am 68. Starfighter-Absturz gewesen sein. Davon gingen jedenfalls Experten aus, da am Flugzeugwrack Überreste eines Wasservogels gefunden wurden.

Und auch der Pilot der Maschine, Kapitänleutnant Hans-Joachim Buth, der damals 31 Jahre alt war, hatte in seiner ersten Meldung davon gesprochen, dass das Triebwerk von einem Vogel getroffen worden sei. Die Folge sei offenbar ein Strömungsabriss im Triebwerk gewesen. Der „Wiederanlass-Versuch“ sei gescheitert, woraufhin der mit über 1500 Flugstunden erfahrene Pilot sich mit dem Schleudersitz gerettet habe. Leicht verletzt wurde er im Bereich von Fissen-knick geborgen.

Kapitänleutnant Hans-Joachim Buth hatte sich bereits am 31. Januar 1964 mit dem Schleudersitz retten müssen, als es in der Nähe von Leck in Nordfriesland zum Zusammenstoß mit einem weiteren Starfighter kam. Auch der andere Pilot überlebte.

Der Starfighter, der in Bad Meinberg abstürzte, gehörte zur Marinefliegerschule Flensburg und war auf dem Fliegerhorst Eggebek stationiert. Als Formationsführer einer Dreiergruppe befand sich die Unglücksmaschine nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf einer „taktischen Tieffliegerübung“.

Die Familie Dux zweifelt allerdings nach wie vor an der offiziellen Version als Absturzursache und hält es eher mit der Ansicht vieler Fachleute, die den Starfighter für schwer beherrschbar und damit ein hohes Sicherheitsrisiko hielten.

Bad Meinberg nimmt Abschied von Friedhelm Dux

Friedhelm Dux ist am Mittwoch, 3. Mai 1967, auf dem evangelisch-reformierten Friedhof Bad Meinberg beigesetzt worden. Es war ein bewegender Abschied unter großer Anteilnahme der Bevölkerung.

Seine Mutter Brigitte Dux war allerdings nicht dabei. Sie lag zu diesem Zeitpunkt schwer verletzt im Detmolder Krankenhaus. Am offenen Grab sang der Schulchor der Grundschule Bad Meinberg einen Abschiedsgruß, und eine Ehrendelegation der Bundeswehr, gestellt vom Marinegeschwader, dem der abstürzte Starfighter angehörte, legte einen Kranz nieder.

Zudem zog ein Propeller-Flugzeug der Bundeswehr eine Ehrenschleife über Friedhof und Unglücksstelle. Das Denkmal in Erinnerung an Friedhelm Dux ist heute auf dem Friedhof in der zweiten Stelenanlage integriert.

Starfighter-Bilanz: Es gab 292 Abstürze

Die Bilanz des Starfighters in der Bundeswehr fiel katastrophal aus: Von 916 Flugzeugen gingen 292 Flugzeuge bei Unfällen verloren. Dabei starben 116 Piloten.

Die Luftwaffe der Bundeswehr hatte 1957 bei der Suche nach einem modernen, überschallschnellen Abfangjäger die Wahl zwischen den US-amerikanischen Maschinen Lockheed F-104-Starfighter, der Grumman F-11F „Tiger“, der französischen „Mirage III“ und der britischen Sannders-Roe SR.177, die noch in der Planungsphase war.

Der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages votierte am 6. November 1958 einstimmig für den Kauf des Starfighters. Vor allem der damalige Verteidigungsminsiter Franz-Josef Strauß, setzte sich für die Beschaffung des „Sternenkämpfers“ ein. Er plädierte für eine nukleare Teilhabe der Bundeswehr an den Verteidigungsplänen der NATO.

Konkret bedeutete dies, dass deutsche Maschinen im Ernstfall mit Atombomben bestückt worden wären, welche die USA zur Verfügung gestellt hätten – so zumindest die Theorie. In der Praxis wurde Strauß vorgeworfen, Schmiergelder des Herstellere Lockheeds entgegengenommen zu haben. Ein Untersuchungsausschuss beschäftigte sich mit dem Verdacht, fand jedoch keine Beweise.

Grund für die Probleme mit der F-104 waren konstruktionsbedingte technische Mängel, die überhastete Einführung bei der Bundeswehr aufgrund des politischen Drucks und das der Starfighter von der Bundeswehr in eine Rolle gezwängt wurde, für die er nicht geeignet war. Denn eigentlich war das Flugzeug ein schneller Abfangjäger und kein für den Tiefflug ausgelegter Jagdbomber. Nach Verbesserungen an den Maschinen ging die Zahl der Unfälle zurück.
Ab Mitte 1982 wurde das Flugzeug dann schrittweise durch die neuentwickelten „Tornados“ ersetzt. Die letzte „F-104“ wurde 1991 ausgemustert.

Der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages votierte am 6. November 1958 einstimmig für den Kauf des Starfighters. Ab Mitte 1982 wurde das Flugzeug dann schrittweise durch die neuentwickelten „Tornados“ ersetzt. Die letzte „F-104“ wurde 1991 ausgemustert.

916 Maschinen – Stückpreis: 6 Millionen Mark (inflationsbereinigt nach heutiger Kaufkraft: 13,12 Millionen Euro) – hatten bis dahin das eiserne Kreuz der Bundeswehr auf dem Rumpf getragen. Zusätzlich musste der Bund noch einmal 750 Millionen Mark für Nachrüstungsaktionen hinblättern.

Protest der Kirche

Die Starfighter-Piloten der Bundeswehr sollten angewiesen werden, künftig keine Wohngebiete mehr zu überfliegen. Diese Bitte richteten am 30. April 1967 20 Pastoren der Lippischen Landeskirche in einem offenen Brief an den Bundesverteidigungsminister. Der Brief ist auch vom Präses der Lippischen Landessynode, Superintendent Werner Blome, unterzeichnet worden.

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