Detmold. Wer durch die Detmolder Fußgängerzone schlendert, muss gar nicht lange warten, bis rechts oder links ein E-Scooter vorbeizischt – wahlweise mit einer oder zwei Personen besetzt. Gerade Kinder und Ältere fühlen sich durch die schnellen, fast lautlosen Elektro-Kleinstfahrzeuge sehr verunsichert, wie eine LZ-Umfrage in der Stadt zeigt. „Die heizen hier entlang und schlängeln sich durch, egal ob die Stadt voll oder ob Markt ist“, ärgert sich Ellen Oyda. Einmal habe sie gesehen, dass sie Polizei zwei E-Scooter-Fahrer zur Rede gestellt habe. „Während die mit denen an der Kirche standen, fuhren hinter ihnen weitere E-Roller vorbei.“ Sie habe Probleme mit dem Gleichgewicht, sagt Oyda. „Wenn ich dann mal einen Schritt zur Seite machen muss, wird es schnell gefährlich“, sagt sie und denkt dabei an den nicht vorhandenen Sicherheitsabstand der meisten E-Scooter-Fahrer beim Vorbeifahren. „In Bad Salzuflen gab es diese Probleme in der Fußgängerzone nicht. Da haben wir nur einen E-Roller gesehen“, sagt sie. E-Scooter-Fahrer begeht Unfallflucht „Ältere und Kinder können hier gar nicht mehr über die Straße gehen“, sagt Evi Runte und deutet auf die Fußgängerzone Bruchstraße. Sie selbst sei schon von einem E-Scooter angefahren worden. „Ich bin mit dem Rad umgefallen und habe mir die Rippen geprellt. Der Rollerfahrer ist einfach weitergefahren. Sechs Wochen hatte ich damit zu tun.“ Jüngst sei sie mit einer Dame im Rollstuhl unterwegs gewesen. „Der saßen zwei E-Scooter-Fahrer beim Vorbeifahren fast auf dem Schoß“, ärgert sie sich. Lesen Sie auch: Mit dem E-Scooter durch die Detmolder City: Was ist eigentlich erlaubt - und was nicht? Auch bei der großen Lippe-Check-Umfrage haben sich LZ-Leser zu E-Scootern geäußert. „Als Fußgänger habe ich häufig den Eindruck, Freiwild für Fahrradfahrer und insbesondere E-Scooter-Fahrer zu sein. Das gilt nicht nur für die Fußgängerzone, sondern auch für die meisten Fußwege in der Innenstadt“, schreibt einer. „Als Fußgängerin mit Hund und Kleinkind fühle ich mich in Detmold nicht gesehen. Fahrradfahrer und Scooterfahrer stellen immer wieder eine Gefahr dar, sind aufgrund ihrer Geschwindigkeit auf Gehwegen plötzlich und unvermittelt da. Bei der Planung für Fahrradfahrer sind Fußgänger gefühlt vergessen worden“, schreibt eine andere. Ordnungsamt hat keine Handhabe bei fließendem Verkehr Ein Mitarbeiter der Stadtpflege gibt allen Vorrednern recht: „Die kennen einfach keine Regeln und nehmen keine Rücksicht!“ Er weist auf seinen Schiebewagen für den aufgesammelten Müll. „Der ist vor mir 1,50 Meter lang – wie ein Kinderwagen. Wenn ich den aus der Mühlenstraße um die Hausecke in die Bismarckstraße schiebe, denke ich jedes Mal, dass da gleich so ein Rollerfahrer reinfahren könnte.“ Er habe schon beim Ordnungsamt nachgefragt: „Die können nichts machen. Das muss die Polizei tun. Und ich kann denen ja auch nicht einfach meine Zange zwischen die Reifen stecken.“ An manchen Stellen in der Innenstadt ist das Fehlverhalten von E-Scooter-Fahrern wohl aber auch der Gewohnheit und einer verbesserungswürdigen Beschilderung geschuldet – beispielsweise am Bruchberg. „Das rote Pflaster auf dem Bürgersteig ist ein Problem“, sagt Kadriye Sürer vom Café Albino. Sie sei beim Bedienen auf der Terrasse ein paar Mal schon „beinahe überfahren“ worden. Denn dafür muss sie den Bürgersteig kreuzen, der früher auch ein Radweg war und deshalb immer noch teilweise rot gepflastert ist. Zwar weist oben auf dem Bruchberg inzwischen ein weißes Fahrrad-Piktogramm samt Pfeil darauf hin, dass Räder und E-Scooter nun auf der Fahrbahn fahren müssen, aber die Symbole sind inzwischen nicht mehr gut sichtbar und werden deshalb oft von E-Scooter-Fahrern aber auch Radlern ignoriert. Werbegemeinschaft wünscht sich „vernünftige Regelung“ Die Werbegemeinschaft „Die Händler“ sieht das differenziert: „E-Scooter gehören inzwischen zum Stadtbild und sind für viele Menschen eine beliebte und praktische Form der Mobilität“, schreibt Vorsitzender Christian Schmidt. Wichtig sei aber, dass sich alle Besucher sicher und ungestört bewegen könnten. „Eine vernünftige Regelung im Umgang mit E-Scootern ist deshalb sinnvoll.“