Auschwitz-Prozess: Demjanjuk-Verfahren löst die Ermittlungen aus

Oberstaatsanwalt Andreas Brendel stellt im Archiv des Konzentrationslagers Beweismaterial sicher

Astrid Sewing

  • 0
Auschwitz-Birkenau - © Foto: Rolf Vennenbernd
In dem NS-Vernichtungslager waren mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet worden. (© Foto: Rolf Vennenbernd)

Kreis Lippe. Die Recherche war für Oberstaatsanwalt Andreas Brendel mühevolle Kleinarbeit, sie hat Jahre in Anspruch genommen. Im Februar wird der Prozess gegen einen Lagenser eröffnet, der Angehöriger der SS-Panzer-Division „Totenkopf" und in Auschwitz tätig war.

Brendel hat 1995 seine Arbeit als Staatsanwalt in der nordrhein-westfälischen Zentralstelle für die Bearbeitung von NS-Massenverbrechen in Dortmund begonnen. Die Ermittlungen gegen den 93-Jährigen haben den Juristen bis in das KZ Auschwitz geführt. „Bei den Ermittlungen gegen Demjanjuk sind Kompanielisten ausgewertet worden. In Auschwitz sind wir diesen Hinweisen nachgegangen und haben gemeinsam mit der Museumsleitung recherchiert. So kamen wir auf die Spur des Lagensers", sagt Brendel.

Insgesamt habe die deutsche Justiz Vorermittlungen gegen rund 50 mutmaßliche Angehörige des Personals von Auschwitz aufgenommen. Hintergrund ist eine geänderte Rechtsauffassung, die ebenfalls mit dem Urteil gegen den ukrainischen KZ-Wachmann Iwan „John" Demjanjuk zusammenhängt. Danach können Staatsanwälte auch ohne individuell zuzuordnende Beweise für konkrete Verbrechen gegen Personen ermitteln und Anklage erheben, die in einem bestimmten Zeitraum in einem nationalsozialistischen Konzentrations- oder Vernichtungslager tätig waren.

Nach dem Münchner Urteil genügt allein die nachweisliche Anwesenheit als SS-Mitglied, um den Tatbestand der Beihilfe zum Mord zu erfüllen. Das hatten deutsche Gerichte bis zum Urteil gegen Demjanjuk anders gesehen. Brendel: „Ermittelt wird wegen Beihilfe zum Mord – das ist neben eigenhändigem oder mittelbarem Mord der einzige Vorwurf, der noch nicht verjährt ist, also strafrechtlich verfolgt werden kann."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2016
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.