FDP für Elektrifizierung der lippischen Bahnstrecken

Wolfgang Becker

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Zu Gast im Lagenser Bahnhof: (von links) Ulrich Reuter, Martina Hannen und Dr. Rudolf Hüls. - © Wolfgang Becker
Zu Gast im Lagenser Bahnhof: (von links) Ulrich Reuter, Martina Hannen und Dr. Rudolf Hüls. (© Wolfgang Becker)

Lage/Kreis Lippe. Die Liberalen starten eine neue Offensive zur Elektrifizierung der Bahnstrecken von Bielefeld-Ost nach Lemgo-Brake sowie von Brackwede nach Paderborn und Osnabrück. Unter dem Motto „OWL elektrisch – auch per Bahn" setzen sich Ulrich Reuter, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, und seine Kollegin Martina Hannen dafür ein. Unterstützt werden sie von Dr. Rudolf Hüls, Mitglied des Lagenser FDP-Stadtverbandes.

Reuter stellt den Umweltaspekt in den Vordergrund seiner Überlegungen. „Die Stickoxid-Belastung in Städten und auf dem Land ist ein großes Problem. Ein Teil dieses Problems sind dieselbetriebene Schienenfahrzeuge", sagte der Freidemokrat im Lagenser Bahnhof. Dass Dieselzüge unter Oberleitungen fahren, bezeichnete er als Anachronismus. Von daher sei eine Elektrifizierung der genannten Strecken unter ökologisch-ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll.

„Wenn neue Fahrzeuge für die Schiene angeschafft werden, dann bitte solche mit Elektroantrieb", ergänzte Dr. Rudolf Hüls. Es gebe bereits Fahrzeuge, die Streckenabschnitte ohne Oberleitung mit Hilfe ihres Akkus überwinden können. „Hier in Lippe ist eine komplette Elektrifizierung des gesamten Schienenweges, an dem die DB Netze genauso wie die Verkehrsbetriebe Extertal beteiligt sind, vom Bahnhof Lemgo in Richtung Lüttfeld und weiter sinnvoll", unterstrich Hüls.

Bei der Landesregierung liege bereits ein Antrag, um den Ausbau des Schienennetzes für Elektrozüge voranzutreiben. Ulrich Reuter sagte zu, in dieser Angelegenheit noch einmal nachzuhaken. „Ganz wichtig ist, dass Lippe bei der Elektrifizierung gegenüber dem Ausbau anderer Abschnitte nicht benachteiligt wird", gab Landtagsabgeordnete Martina Hannen zu bedenken.

Auch Rainer Engel vom Fahrgastverband „Pro Bahn" ist für die Elektrifizierung. „Das wäre sehr interessant, zumal das die Fahrzeiten beschleunigen würde. Mit der Möglichkeit, dann vielleicht noch Lemgo-Brake anbinden zu können." Dazu würde ein „elektrischer Lückenschluss" für Lippe winken.

Bei einem Rundgang durch den Lagenser Bahnhof bemängelte Ulrich Reuter, dass die dynamischen Schriftanzeiger bei Verspätungen und Betriebsstörungen nicht ausreichten. Besser seien große Fahrzielanzeiger und individuelle Lautsprecherdurchsagen.


"Plädoyer für Elektrodraht"

Ein Kommentar von Thomas Reineke

Die Zukunft des Schienenverkehrs in Deutschland kann nicht der Dieselmotor sein. Das weiß jeder Verkehrsexperte nicht erst seit dem Abgasskandal in der Automobilindustrie. Ein Blick in das Nachbarland Schweiz zeigt: Die Eidgenossen sind bei der Verbannung des Stickoxid-Produzenten auf der Schiene deutlich weiter. In der Alpenrepublik sind 100 Prozent des Schienennetzes elektrifiziert. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 60 Prozent – Tendenz steigend.

Um so wichtiger, dass auch Lippe auf diesen Zug aufspringt – um im Bild zu bleiben. Der „Lipperländer" zwischen Bielefeld und Lemgo ist trotz der jüngsten Personalprobleme bei der Eurobahn ein Erfolgsmodell. Die Bahnlinie ist mit ein Grund für die positive Entwicklung der Hochschule OWL und von Lemgo insgesamt. Unglaublich erscheint heute die Vorstellung, dass die Regionalbahn 73 (Kursbuchstrecke 404) Ende des vergangenen Jahrhunderts vor dem Aus stand.

Jetzt gilt es, die Zukunft der Verbindung zu sichern. Und die liegt eindeutig im Elektrodraht über den Gleisen – zumal der Abschnitt zwischen Bielefeld-Hauptbahnhof und Bielefeld-Ost bereits elektrifiziert ist und auch der Bereich des Lagenser Bahnhofs. Der Rest muss im Sinne eines zukunftsfähigen Verkehrsnetzes für Lippe folgen. Dafür ist die Regionalbahn 73 ein viel zu wichtiges Puzzleteil.

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