Landestheater zeigt „La voix humaine"
 als Mono-Oper

Sopranistin Megan Marie Hart steht vor einer großen Aufgabe

2902ÿVon Ilse Franz-Nevermann

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Nur in den Reaktionen der einzigen Künstlerin auf der Bühne (Megan Marie Hart als „die Frau") wird das Publikum den Dialog mit ihrem Liebhaber erleben können. Die Musik gibt der Sopranistin Raum für Emotionen in ihrer Stimme. - © Foto: Björn Klein/Landestheater
Nur in den Reaktionen der einzigen Künstlerin auf der Bühne (Megan Marie Hart als „die Frau") wird das Publikum den Dialog mit ihrem Liebhaber erleben können. Die Musik gibt der Sopranistin Raum für Emotionen in ihrer Stimme. (© Foto: Björn Klein/Landestheater)
Detmold. Eine rein weibliche Produktion wird am kommenden Donnerstag, 9. Juni, im Grabbe-Haus ihre Premiere erleben. Angesagt ist der erste große Telefon-Monolog des europäischen Theaters – geschaffen von Jean Cocteau und vertont durch Francois Poulenc.

In den 1930er-Jahren war das Telefon noch keineswegs das allgegenwärtige Medium. Noch galt es als Phänomen, mit einem Menschen zu sprechen, dem man nicht in die Augen sehen und dessen Körpersprache man nicht deuten konnte. Zudem mischte sich oft genug ein „Fräulein vom Amt" in die Verbindung ein.

„La voix humaine" – „Die menschliche Stimme" ist der Titel des Einakters. Jean Cocteau schildert die junge Frau, die hier vergeblich zum letzten Mal um ihren Geliebten ringt, als von der Hysterie seiner Zeit gezeichnet. Poulenc jedoch, der fast 30 Jahre später gemeinsam mit Cocteau dessen oft abschweifenden Text für seine Mono-Oper auf die Hälfte kürzte, fasst das Geschehen existenzieller auf. „Die verlassene Geliebte steht wirklich auf der Kippe" sagt dazu Dramaturgin Elisabeth Wirtz.

Der gestrichene Text verwandelt sich in Klang. Sachie Mallet, bei der die musikalische Leitung liegt, und Regisseurin Karin Kotzbauer haben sich für die intimere Klavierfassung entschieden, die wie die Orchesterversion von Cocteau autorisiert wurde.

45 Minuten lang wird das Publikum zum Voyeur eines intimen Gesprächs. Denn die junge Frau ist nur der Spiegel der Stimme, die ihr aus dem Telefon entgegen kommt. Unklar bleibt, was der Mann sagt und wo er sich aufhält. Und auch sie lügt in dem Bemühen, trotz aller Verzweiflung Stärke und Gleichgültigkeit zu zeigen.

Auf Sopranistin Megan Marie Hart kommt eine gleichermaßen schwierige wie reizvolle Aufgabe zu. Denn für Poulenc galt die menschliche Stimme als das ausdrucksstärkste aller Instrumente. Der Interpretin bietet seine überwiegend diatonisch angelegte Musik, die nur selten durch tonale Elemente aufgehellt wird, eine riesige Bandbreite. Sie kann damit jede Farbnuance ihrer Stimme in verschiedenen emotionalen Zuständen ausspielen.

Das Stück wird in Französisch mit deutschen Übertiteln aufgeführt.

Die Termine

„La voix humaine" wird in dieser Spielzeit des Theaters nur zweimal gezeigt. Das erste Mal am Donnerstag, 9.Juni, ab 19.30 Uhr und zum zweiten Mal am Sonntag, 12. Juni, 18Uhr, im Grabbe-Haus. Karten-Tel.: 05231-974803.

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