Junges Theater: Im digitalen Raum gemeinsam tanzen

Anika Reuner

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Jenni Schnarr und Godot im "Junges Theater". - © Anika Reuner
Jenni Schnarr und Godot im "Junges Theater". (© Anika Reuner)

Detmold. Nach der Aufführung von „Rico, Oskar und die Tieferschatten" im Oktober war der Vorhang im Jungen Theater, dem Jugendtheater vom Landestheater Detmold, coronabedingt zunächst wieder gefallen. Seine Macherinnen und Macher haben das Programm daraufhin kurzerhand kreativ abgeändert, erweitert und in Wohnzimmer und ins World Wide Web gebracht.

„Wir haben die Entscheidung getroffen, uns auf das Digitale einzulassen", erläutert Theaterleiterin und Dramaturgin Jenni Schnarr – und das in Formaten, die über das bloße langweilige Abfilmen von Theater hinaus gehen: „spielerisch und cool". Unter dem Titel „Nibelungenpunkt.de" stellt sich das Junge Theater der Herausforderung, die Sage um Kriemhild, Siegfried, Hagen, Gunther, Brunhild und den „ziemlich blutigen Untergang der Nibelungen" – wie es im Spielzeitheft heißt – in den virtuellen Raum zu transportieren. Auch gefährlich anmutend und ebenso online sind die „Werwolf"-Spieleabende, bei denen Menschen unterschiedlichen Alters an dem unter anderem auf Jugendfreizeiten ausgerichteten beliebten Rollenspiel „Werwolf" teilnehmen. „Ritter Odilo und der strenge Herr Winter", ein „Stück über den Kampf gegen Langeweile" – dem sich in der aktuellen Situation mancher gegenüber sieht –, wird per Stream zu den Zuschauerinnen und Zuschauern ins Heimkinoübertragen.Im Dezember lieferte das Jugendtheater per digitalem Adventskalender Impulse für analoge Aufgaben, wie man in den eigenen vier Wänden Theater spielen kann. Beispielsweise, indem man sich in eine seiner Zimmerpflanzen hineinversetzt, aus deren Perspektive ein Gedicht verfasst und es derselben anschließend vorträgt.

Die Bereitschaft, derlei Darbietungen anschließend online in Form eines Videos auf den sozialen Netzwerken zu teilen, sei verschwindend gering gewesen, während durchaus Texte aus der imaginären Perspektive der Pflanze eingesandt worden seien.

Im Februar geht ein Format mit dem Titel „Gemeinsam alleine tanzen" an den Start. Seinen Ursprung hat es in der bevorzugten Art der Aufwärmübung, die in der Laientheatergruppe für Jugendliche, dem „TeenClub", eingangs praktiziert wird: Tanzen. Im digitalen Raum bewegen sich die Teilnehmer jeder für sich – und doch zusammen.

Während die „TheaterClubs" „OpenAgeClub" und „KidsClub" vorerst nicht weitergeführt wurden, probt der „TeenClub" zurzeit via „Zoom" für eine Aufführung, die nach aktuellem Stand im öffentlichen Raum stattfinden soll. Das Thema lautet „Luft und Liebe – wovon wollen wir eigentlich leben?" Behandelt werden solche Aspekte, die sich von „Luft" ableiten lassen – und das auf der wissenschaftlichen Ebene (Aerosole) und dem großen Spielfeld der Metaphern („sich in der Schwebe befinden").

In dieser Situation findet sich auch Jenni Schnarr im Moment wieder: „Ich vermisse das Junge Theater sehr", und auch für die Kinder und Jugendlichen sei die Lage nach ihrer Einschätzung „herausfordernd". Schließlich strebten diese danach, einander im wahren Leben zu begegnen und gemeinsam auf der Bühne zu agieren.

Die „BilderBuchBühne", der „Club für die Allerkleinsten", ist ein Format, das auch vor Corona schon einmal monatlich angeboten wurde. Aktuell hat es sich auf andere „Bühnen" verlagert: In der „Weltgeschichte" und zu Hause widmen die Kinder sich zusammen mit einem Elternteil den zuvor vom Jungen Theater erteilten Aufgaben. Zum Beispiel gilt es, gemeinsam eine Höhle zu bauen oder Mäuseohren zu basteln. „Es ist eine Einladung, eine Dreiviertelstunde gemeinsam zu gestalten", erklärt Jenni Schnarr. Auf diese Weise sollen den Eltern zusätzliche Möglichkeiten eröffnet werden, ihren Kindern in Zeiten von Lockdown und Homeschooling ein interessantes Programm zu bieten.

„Wir rechnen damit, dass wir für Schulen nach den Osterferien wieder spielen können – in irgendeiner Art", gibt Jenni Schnarr vorsichtig einen Ausblick. Bis dahin lautet ihre Strategie: „Das Beste daraus zu machen" und natürlich „so viel gute Laune wiemöglich zu verbreiten."

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