Maler Jürgen Brohm wählt besondere Ausstellungsform mit im Raum hängenden Leinwänden

Das Schmatzen des Pinsels

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Jürgen Brohm und Julia Taut vor einem der großformatigen Arbeiten. - © Foto: Prignitz
Jürgen Brohm und Julia Taut vor einem der großformatigen Arbeiten. (© Foto: Prignitz)

Oerlinghausen (kp). "Tagesform" - so ist die Ausstellung des Malers Jürgen Brohm  überschrieben. "Kein Zufall", sagt der 58-Jährige. Von Landschaften, von Fotos, von Dingen, die er gesammelt hat oder skurrilen Fundstücke, die ihm zufällig begegnen, lässt sich Brohm inspirieren.

"Nicht er sucht die Motive, die Motive suchen ihn", erläuterte Julia Taut in ihren einführenden Worten zur Ausstellungseröffnung in der alten Synagoge. Von gespannten Metalldrähten herab hängen dort sechs großformatige Arbeiten auf grundierter Leinwand im Raum.

Normalerweise, verrät Jürgen Brohm, male er auf Holzkästen oder Papier. Die Fenster der Synagoge mit ihrer grafischen Wirkung hätten ihn aber zur gewählten Präsentationsform geführt. "Ich wollte nichts dazwischen hängen, sondern die Kunst in den Raum hineintragen."

Brohm legte die Leinwand während des Entstehungsprozesses auf ein schräggestelltes Brett, malte mit Acryl und  Ölkreide. Details sind es, die der in Braunschweig lebende Maler und Grafiker in seinen Arbeiten aufgreift. Mit der Lust am Malen und dem Genuss an der Materie versteht er es dabei, selbst einem abgeklemmten Elektronikkasten menschliche Züge zu verleihen.

"Für Jürgen Brohm ist das Malen wie ein Live-Konzert, die weiße Leinwand ist wie eine Bühne ohne Ton", beschrieb Julia Taut, die junge Leiterin der Torhaus Galerie Braunschweig, den Entstehungsprozess. "Schauen Sie genau hin und lassen Sie sich auf die Bühne ziehen", forderte die Kunsthistorikerin die vielen Besucher auf. "Jürgen Brohm verzaubert sein Publikum." Mit dicker Fettkreide akzentuiere er verschiedene Details. Wer die Fläche genau betrachte, der werde lasurmäßige Aufträge, stille Flächen, zerklüftetes ebenso wie rasantes Terrain entdecken. Und womöglich noch das Schmatzen des Pinsels hören.

"Jürgen Brohm sieht das Große im Kleinen und bemerkt mit liebevollem Blick die Bildwürdigkeit seiner Fundstücke", sagte Taut und lenkte den Blick auf die abstrahierten Formen, die die besondere Kreativität des Künstlers offenbaren. Diese fantasievolle Wertschätzung, dieser Fokus, sei mit der malerischen Umsetzung das Einzigartige an Brohms Werk. In der Ausstellung werde die thematische Vielfalt evident. Genau das impliziere das Wort "Tagesform": nicht berechenbar, vielfältig von gegenständlich bis abstrahierend.

Die Ausstellung ist bis zum 10. März zu sehen, und zwar jeweils zu den Öffnungszeiten donnerstags und samstags von 15 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 13 sowie von 15 bis 17 Uhr. Sonderöffnungen sind auf Anfrage möglich.

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