40 Jahre im Dienst der Bundeswehr: Leopard-Kampfpanzer feiert in Augustdorf

Astrid Sewing

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Augustdorf. Ohrstöpsel sind bei der Geburtstagsfeier Pflicht, denn im Mittelpunkt stehen vier Leopard-Kampfpanzer – und die machen einen ordentlichen Krach, wenn sie über das Gelände fegen. Zum 40. Geburtstag hatte die Bundeswehr Medienvertreter und Reservisten dazu eingeladen, mehr über die Raubkatze zu erfahren, dazu gehören die Ausbildung, der Einsatz und die Kosten.

Der „Krieg" beginnt digital, im Simulator werden die Soldaten vorbereitet. Sie sehen das, was sie auch im Panzer sehen werden – wenig natürliche Umgebung, sondern Karten, die sich aus digitalen Daten speisen. Der Vorteil ist, dass sich die Situationen anpassen lassen. Auf Knopfdruck wird es Nacht, es regnet, schneit, ein virtueller Feind erscheint, und in sekundenschnelle müssen die Soldaten umschalten.

Fotostrecke: 40 Jahre im Dienst: Kampfpanzer Leopard in Augustdorf

Der "Krieg" beginnt digital

Bataillonskommandeur Jörg Stenzel bezeichnet den Leopard als „gepanzertes Rückgrat der Bundeswehr und fahrendes Rechenzentrum", im Gelände allerdings wird klar: Einiges wird durchaus noch von Hand erledigt. Auf einer kleinen Lichtung steht ein Gefechtsstand, der Tross der Besucher kann sich nur in kleinen Gruppen anschauen, wie das ganze im Ernstfall laufen würde. Alles ist mit Tarnnetzen überzogen. „Unter realistischen Bedingungen stände der Gefechtsstand hier nicht, er ist viel zu sichtbar", erklärt Stenzel. Dann würde auch keine Heizung laufen, draußen würden die Soldaten schlafen, deren Schicht gerade vorbei ist.

Denn in den Gefechtsständen laufen alle Fäden rund um die Uhr zusammen, dort gibt es Rechner, die alle Informationen über die Kämpfe und Verbände verarbeiten. Und es gibt Soldaten, die unterschiedliche Funkkreise abhören, auf ihren Computermonitoren verfolgen, alles zusätzlich von Hand notieren und abwischbare Karten auf denen mit Markern eingetragen wird, was sich tut. Die Ladeflächen der Lastwagen werden quasi in Modulen aneinander gebaut – auch eine Sanitätsstation gehört dazu. So beeindruckend die Logistik ist: Im Ernstfall bedeutet ein weggestrichener Panzer auf einer Karte, dass Menschen gestorben sind.

"Vorstellungen von dem, was sich in Afghanistan abspielt, sind oft realitätsfremd"

„Das darf man dabei nie vergessen", sagt Oberstleutnant Stephan Wessel, Pressesprecher der 1. Division. Er hat Tod und Verwundung gesehen, er hat in Afghanistan gedient. Die Soldaten, davon ist er überzeugt, werden in ihrer Ausbildung sehr gut auf diese Situationen vorbereitet. „Ich empfehle ihnen, vor dem Einsatz auch viel über das Land zu lesen. Die Realität ist eine ganz andere, als sich viele vorstellen", sagt er.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland habe er sich erst wieder einleben müssen. „Der Einsatz hat mich verändert. Ich bin froh und dankbar, dass ich in diesem Land leben kann, dass wir Frieden haben." Die Kritik an den Einsätzen der Bundeswehr akzeptiert er. „Das gehört zur Demokratie, dass man redet und seine Meinung austauscht. Aber die Vorstellungen von dem, was sich in Afghanistan abspielt, sind oft realitätsfremd."

Das Beladen des Kampfpanzers Leopard 2 mit Munition dauert etwa eine Viertelstunde. - © Vera Gerstendorf-Welle
Das Beladen des Kampfpanzers Leopard 2 mit Munition dauert etwa eine Viertelstunde. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Er habe sich bewusst dafür entschieden, weil er den Menschen am Hindukusch helfen wollte, sich selbst zu helfen. Die Ausbildung der Polizei und Sicherheitskräfte laufe. „Die Erfolge sind da, ich habe sie dort erlebt. Aber solche Strukturveränderungen sind nicht in zehn Jahren, nicht in 20 Jahren zu schaffen. Wenn wir jetzt dort weggingen, dann wäre alles umsonst gewesen", stellt er fest.

Der Panzer ist nur so gut wie seine Besatzung

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg habe die Ausbildung aller Soldaten. „Es arbeiten viele Einheiten zusammen, unterschiedlichste Fahrzeuge sind im Einsatz – das muss im Zusammenspiel passen." Was die Panzer leisten können, hängt davon ab, wie gut die Besatzungen gedrillt sind. Dabei geht es um Kosten und Sicherheit. Ein Schuss des Leopard mit scharfer Munition koste 2000 Euro.

„Die Treffgenauigkeit spart Geld, aber wichtiger ist, dass sie Menschenleben sichert, denn wer schießt, wird vom Feind erkannt und ist ein Ziel", sagt Wesel. Deshalb werde jede Übung im Simulator genauestens analysiert. Beim Medientag wird nicht mit Übungsmunition geschossen, Nebeltöpfe sind das einzige, was in einer Gefechtssituation im Gelände zum Einsatz kommt. Und für die vier Leoparden, die aus der Nebelwand auftauchen, ist das eine beeindruckende Kulisse für den Auftritt zum Geburtstag.

Entwicklung des Leopard

Im Spätherbst 1979 wurde das erste Modell des Leopard 2 an die Truppe übergeben. Vier Jahre später kamen die ersten Kampfpanzer nach Augustdorf. Innerhalb eines Jahres wurden die Panzerbataillone 213, 214 und 211 ausgerüstet. Im Kosovo sowie in Mazedonien setzte die Bundeswehr den Leopard 2 ein. Kanada und Dänemark nutzen ihn in Afghanistan.

Der Kampfpanzer wiegt 68 Tonnen, verfügt über eine Motorleistung von 1500 PS und erreicht in der Spitze 72 km/h. Er ist außerordentlich beweglich und verfügt unter anderem über Laserentfernungsmesser und Wärmebildgerät. Das neueste Modell hat ein Klimasystem und bietet der vierköpfigen Besatzung Schutz vor Chemiewaffen. Dank eines Unterwasserschachtes kann der Leopard 2 Gewässer bis zu vier Metern Tiefe durchfahren.

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