Blomberg. Salbungsvoller Worte bedurfte es in diesem Augenblick nicht. Auch ohne dass Blombergs alter und neuer Bürgermeister zu Beginn seiner zweiten Amtszeit bei seiner Rede tief in die Emotionskiste hätte greifen müssen, war es spürbar: In Blomberg ist eine Ära zu Ende gegangen. Denn nicht nur hat die FDP die Bühne im Rathaus verlassen: Ihr langjähriger Fraktionschef Hans-Adolf Albrecht hat nach sage und schreibe 36 Jahren seine ehrenamtliche Tätigkeit im Rat beendet. Um ihn zu verabschieden, erhoben sich sämtliche Anwesenden beim Beifall von den Plätzen. Insgesamt sieben Männer und zwei Frauen sind nicht mehr im neuen Rat vertreten: Die langjährige Ratsfrau Sonja Volmer war unerwartet nach dem plötzlichen Tod von Klaus-Peter Hohenner vor drei Jahren als Nachrückerin für die Sozialdemokraten noch einmal in den Rat zurückgekehrt. So war sie auch die Einzige, die als Dankeschön neben einem kleinen Gutschein nicht die obligatorische Miniatur-Nelke aus Metall, sondern eine Vase erhielt - „die Nelke hat sie ja schon bekommen“, erklärte Bürgermeister Christoph Dolle. „Engagement mit Herzblut“ Viereinhalb Jahre waren Philipp Peters und Eva Plöger dabei, eine ganze Wahlperiode Andreas Brächtker. Elfeinhalb Jahre lang hat sich Andreas Runte im Rat engagiert, während Peter Unterschütz immerhin 13 Jahre und Hans-Joachim Röhr fast 19 Jahre lang seine Freizeit in unzähligen Sitzungen zum Wohl der Stadt geopfert hat. Bereits bis ins „letzte Jahrtausend“ reicht die Amtszeit von Günther Borchard, der viele Jahre, bis zur Mitte der vergangenen Wahlzeit, die SPD-Fraktion angeführt und insgesamt mehr als 26 Jahre dem Rat angehört hat. Der Bürgermeister verkniff sich eine Aufzählung der Gremien, in denen das SPD-Urgestein in all den Jahren neben dem Rat und dem Aufsichtsrat der Blomberger Versorgungsbetriebe gewirkt hat. „Das ist eine lange Liste. Wer das macht - und das an vorderster Front - der muss das wirklich mit Herzblut machen“, sagte er. „Eine wahnsinnige Zeitspanne“ Und dieses Herzblut hat auch der Rekordhalter immer eingebracht: Als Hans-Adolf Albrecht am 1. Oktober 1989 Mitglied des Blomberger Rates wurde, war das nicht nur im vergangenen Jahrtausend, sondern auch „weit vor meiner Volljährigkeit“, wie Christoph Dolle bekannte. Immer Fraktionschef der FDP, sehr lange Mitglied im Aufsichtsrat der Blomberger Versorgungsbetriebe und 20 Jahre Ortsvorsteher in Brüntrup: „Das ist eine wahnsinnige Zeitspanne, die unser aller Hochachtung und Wertschätzung verdient“, betonte Dolle. Und so sehen es die Ratsmitglieder offenbar auch: Sie alle erhoben sich respektvoll von ihren Plätzen, um mit einem sehr herzlichen und lang andauernden Applaus dieser ehrenamtlichen Lebensleistung Tribut zu zollen. Mit seinem Ausscheiden geht allerdings nicht nur die persönliche Ära des Hans-Adolf Albrecht zu Ende: Wie berichtet, hatten die Liberalen auf eine Beteiligung an der Kommunalwahl verzichtet, sodass die FDP erstmals seit der Kommunalen Neuordnung nicht mehr im Rat der Stadt Blomberg vertreten ist.