Therapiehund „Henry“ hilft

Therapiehund: Nicole Vogelsang und ihr Vierbeiner wollen die Feinmotorik von MS-Patienten verbessern. Bei einem Besuch im Kontaktkreis kann der Hund, der sich in der Ausbildung befindet, schon einmal üben

Marlen Grote

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Bei der Arbeit: Therapiehund "Henry" besucht mit Nicole Vogelsang den MS-Kontaktkreis. Beate Althöfer, Ingo Eikermann, Sabine Balder und Ulrike Eikermann (von links) freuen sich über den kuscheligen Gast. - © Foto: Grote
Bei der Arbeit: Therapiehund "Henry" besucht mit Nicole Vogelsang den MS-Kontaktkreis. Beate Althöfer, Ingo Eikermann, Sabine Balder und Ulrike Eikermann (von links) freuen sich über den kuscheligen Gast. (© Foto: Grote)
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Detmold. „Henry" hat sich seinen neuen „Job" selbst ausgesucht. Nicole Vogelsang aus Detmold wollte den Hund eigentlich als Freizeitpartner für sich selbst. Jetzt lernt er, Menschen mit Erkrankungen zu helfen. Im MS-Kontaktkreis darf er zeigen, was er schon gelernt hat.

„Hat jemand Angst vor einem großen schwarzen Hund?" fragt Nicole Vogelsang, bevor sie ihren vierbeinigen Mitarbeiter dazuholt. „Gegessen hat er schon", setzt sie lächelnd hinzu. „Henry" kommt in den Kreis und legt sich hin. Das reicht schon, um Gespräche in Gang zu bringen, viele im Kreis hatten früher selbst Hunde.

Die Menschen, denen „Henry" hier begegnet, haben Multiple Sklerose (MS). Die Krankheit betrifft das Nervensystem, die Symptome sind unterschiedlich. Lähmungen und Bewegungseinschränkungen, auch Sehstörungen treten auf. Im MS-Kontaktkreis tauschen sich Betroffene unterschiedlichen Alters einmal im Monat aus, manche kommen im Rollstuhl.

„Mit dem Hund kann ich spielerisch die Feinmotorik verbessern, etwa wenn der Patient die Hand mit dem Leckerli langsam öffnen soll oder einen Ball mit dem Fuß kickt, den „Henry" dann zurückholt," gibt Nicole Vogelsang ein Beispiel, wie „Henry" Betroffenen mit der Diagnose MS helfen kann. Damit kennt sich die Detmolderin aus, da sie den MS-Kontaktkreis seit drei Jahren mit betreut.

Beeindruckende Tricks müsse ein Therapiehund nicht lernen. „Eigentlich kann er nichts Besonderes", dämpft die Hundehalterin die Erwartungen an ihren Barbet, der auch als Französischer Wasserhund bekannt ist. Dafür müsse er sehr ausgeglichen und menschenfreundlich sein, erklärt sie. „Henry" muss es aushalten, wenn jemand ihn mit einer Krücke, einem Rollator oder einem Rollstuhl anstößt, und ruhig bleiben, wenn ein Patient unkontrollierte Bewegungen macht oder seltsame Laute ausstößt. Auch die geballte Aufmerksamkeit der Runde im MS-Kontaktkreis, in deren Mitte der schwarze Hund entspannt liegt, sei für die Tiere anfangs belastend.

Ursprünglich sollte „Henry" sein Frauchen beim Joggen begleiten und sie beschützen. Der große schwarze Rüde wirkte aber nicht so furchteinflößend, wie Vogelsang sich das vorgestellt hatte: „Er wurde zur Kuschelmaschine der Allee." Alle, die sie bei ihren Spazierrunden regelmäßig traf, liebten den großen Rüden mit dem lockigen Fell. „Es ist außergewöhnlich, wie viel Nähe zum Menschen er zulässt", habe der Hundetrainer bestätigt.

So kam die 42-jährige auf die Idee, sich mit ihrem Hund gemeinsam fortzubilden. Nachdem sie viele Jahre als Coach für Führungskräfte gearbeitet hat, möchte sie mit „Henrys" Unterstützung Lerntherapie anbieten. „Das passt, ich wollte etwas Neues machen".

Der Besuch im MS-Kontaktkreis ist für den Hund eine Übungsgelegenheit. Auch hier tut er nichts, das allzu schwierig wirkt: alle in der Runde dürfen ihm ein Leckerli geben. „Henry" geht freundlich von einem zum anderen. Eine Frau reicht ihm das Häppchen lieber auf dem Holzlöffel. Für manche ist der Kontakt mit dem Hund ungewohnt, andere streicheln ihn gleich. Das zeigt, wo die Herausforderung liegt: Jeder geht anders mit dem Hund um, auf jeden muss sich „Henry" neu einstellen. Mentale Schwerstarbeit, die er mit Bravour meistert.

Im Juli haben Nicole Vogelsang und „Henry" ihre Abschlussprüfung, ein Jahr Ausbildung ist dann geschafft. Danach können sie in Pflegeheimen für Abwechslung sorgen oder die Therapie für kranke oder behinderte Kinder unterstützen. In der Lerntherapie soll „Henry" mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Das wird er dann aber nicht mehr in Detmold tun, Nicole Vogelsang zieht mit ihrer Familie nach Hamburg. Den MS-Kontaktkreis möchte sie aber wieder besuchen.

Weitere Infos gibt es unter www.ms-kontaktkreisdetmold.de.

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