Steuern hinterzogen: Detmolder Autohändler muss 100.000 Euro Strafe zahlen

Erol Kamisli

  • 1
- © Symbolbild: Pixabay
Steuern (© Symbolbild: Pixabay)

Detmold. Mehr als zehn Jahre ist der 49-jährige Detmolder mit türkischen Wurzeln vor der deutschen Justiz geflohen, am Mittwoch wurde er innerhalb weniger Stunden von der Wirtschaftskammer des Landgerichts wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 1,2 Millionen Euro zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Zudem muss der Ex-Kaufmann eine Geldstrafe von 100.000 Euro zahlen. Der geständige Angeklagte, der jahrelang in der Türkei untertaucht war, akzeptierte den Urteilsspruch.

„Ob er die hinterzogenen Steuern auch zurückzahlen muss, darüber entscheiden nicht die Gerichte, sondern die Finanzbehörden", sagt Landgerichtssprecherin Melanie Rüter. Die Staatswaltschaft hatte 15 Fälle mit einem Steuerschaden von 1,8 Millionen angeklagt, doch fünf Fälle wurden vom Gericht wegen Verjährung eingestellt.

Der Angeklagte räumte ein, dass er mit seinem jüngeren Bruder, der immer noch untergetaucht ist, von 2003 bis 2005 mehrere mehrere Niederlassungen für für Nutzfahrzeugen in Detmold, Hamburg, Oberhausen betrieben habe. Während dieser Zeit habe das Duo bei der Umsatzsteuer getrickst und Millionen an Steuern nicht gezahlt. Auf die Spur des Angeklagten sind die Finanzbehörden zufällig gestoßen. „Die Beamten hatten in einem anderen Fall ermittelt und dann fiel der Name des Angeklagten", sagt Rüter.

Die Behörden ermittelten akribisch, doch vor Prozessbeginn im Jahr 2008 habe sich der 49-Jährige mit seinem Bruder, die beiden besitzen die türkische Staatsangehörigen, in die Türkei abgesetzt. „Da hatten wir keinen Zugriff und mussten uns gedulden", fügt Rüter hinzu. Die Geduld zahlte sich für die Justiz aus.

„Denn irgendwann im Jahr 2013 habe sein Mandant Sehnsucht nach Almanya bekommen", sagt der Detmolder Verteidiger Manfred Masuhr. Im Auftrag des 49-Jährigen habe er Kontakt zur Staatsanwaltschaft sowie dem Landgericht aufgenommen und einen „Deal" vorgeschlagen, um das Verfahren zu beenden. Dies sei damals schiefgelaufen, erinnert sich Masuhr.

Doch im selbstgewählten, türkischen Exil ist die Sehnsucht nach „Almanya" gewachsen – so nahm der 49-Jährige im vergangenen Jahr wieder Kontakt zu seinem Detmolder Anwalt auf. „Diesmal ging alles gut. Mein Mandant legte ein Geständnis ab und wir haben eine Lösung gefunden", freut sich Anwalt Masuhr. Die Kammer und die Staatsanwaltschaft hätten sich an die Vereinbarung gehalten – alle seien zufrieden.

Ob der Bruder des Angeklagten, der immer noch in der Türkei untergetaucht und für die deutsche Justiz nicht greifbar ist, ebenfalls von Sehnsüchten geplagt wird, darauf wollte Rechtsanwalt Masuhr nicht nicht antworten. „Wenn das Urteil gegen den 49-Jährigen rechtskräftig ist, könnte dem Bruder, dem Beihilfe vorgeworfen werde, dieser Weg auch offenstehen", so Masuhr.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar
1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!