Olaf Scholz in Detmold: "Zur Demokratie gehört auch, dass Sie hier schreien dürfen"

Yvonne Glandien

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Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat hat am Freitagmittag Detmold besucht. Vor dem Landesmuseum sprach er unter anderem über die Absicherung von Arbeitsplätzen. - © Yvonne Glandien
Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat hat am Freitagmittag Detmold besucht. Vor dem Landesmuseum sprach er unter anderem über die Absicherung von Arbeitsplätzen. (© Yvonne Glandien)

Detmold. Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz hat am Freitagmittag Detmold besucht. Kurz vor der Stichwahl am Sonntag wollte er mit seinem Auftritt vor dem Landesmuseum die SPD-Kandidaten unterstützen.

Als den "Mann, der uns mit Wums aus der Krise holen möchte", bezeichnete SPD-Stadtverbandsvorsitzende Ilka Kottmann Scholz, bevor es für den Kanzlerkandidaten auf die Bühne ging. Gerade erst hatte der die Bundeshaushaltsplanung für 2021 vorgestellt. "Das sind Zukunftsinvestitionen, die zum großen Teil in die Kommunen gehen sollen. Denn die haben in der Krise alles am Laufen gehalten", sagte Kottmann. Darauf ging dann auch Olaf Scholz gleich zu Anfang seiner Rede ein.

"Wir müssen jetzt auch an die denken, die weiter verkauft haben, in der Logistik, im Krankenhaus und in der Pflege arbeiten und sich dem Virus damit unmittelbar ausgesetzt haben", sagte Scholz. "Das sind großartige Bürger dieses Landes!" Dennoch reiche der Beifall, der jenen Personengruppen gespendet wurde, nach der Krise nicht mehr aus, - "das muss sich ändern". Es werde Zeit, für ein ordentliches Einkommen und sichere Jobs zu sorgen. Der Tenor von Scholz' Rede: Gesundheit und Arbeitsplätze schützen.

Auch Maskengegner sind vor Ort

Bei der Veranstaltung vor dem Landesmuseum galt die Maskenpflicht. Das war nicht bei allen Besuchern gerne gesehen. Noch vor dem Eintreffen des Vizekanzlers entbrannte eine Diskussion im Publikum. "Sind Sie so obrigkeitshörig, dass Sie hier Maske tragen?", rief ein Mann. Ein anderer Besucher verwies ihn darauf, ohne Maske das Veranstaltungsgelände zu verlassen.

Hinter einer Flatterbandmarkierung - diese gehörte zu den Auflagen der Stadt für die Veranstaltung, dahinter sollte Platz für Passanten bleiben - versammelten sich ebenfalls einige Zuschauer, zum Teil mit, zum Teil ohne Maske. Neben Klimastreik-Plakaten von Demonstranten, die im Anschluss auf der Fridays-for-Future-Demo zu sehen waren, tummelten sich dort auch vereinzelte Maskengegner. Ein Plakat zeigte eine karikierte Version von Angela Merkel, ein anderes rief auf: "Masken weg, lasst die Kinder atmen!" Der schreiende Protest der Scholz-Gegner war kaum zu verstehen, dennoch nahm der Vizekanzler ihn zur Kenntnis. "Zur Demokratie gehört eben auch, dass Sie jetzt hier schreien dürfen", sagte er.

Aus dem Publikum gab es für Scholz aber auch einiges an Zuspruch - auch für seine Position als Kanzlerkandidat der SPD. „Ich persönlich finde, Olaf Scholz ist ein sehr guter Kanzlerkandidat. Er ist sehr pragmatisch in der Corona-Krise vorgegangen. Er hat Gelder freigegeben, als es nötig war und nicht auf die schwarze Null geachtet", sagte der 61-jährige Robert Chwalek aus Detmold.

Ähnlich sieht das auch das Ehepaar Schlüter aus Lemgo. „Ich halte unendlich viel von Herrn Scholz als Kanzlerkandidat. Er hat sehr gute Arbeit in der letzten Zeit gemacht, gute Erklärungen geliefert und sich engagiert", sagt die 76-jährige Gerda Schüte und ihr Mann Hans, 78 Jahre alt, ergänzt: „Olaf Scholz hat sich nicht von der Opposition unterkriegen lassen, das ist gut. Er ist einfach der beste Kandidat für das Kanzleramt."

Zur Wahlkundgebung fanden sich auch einige Erstwähler im Publikum ein. Darunter die 19-jährige Samira Kartal aus Augustdorf. „Ich finde Olaf Scholz sehr in Ordnung und auch die SPD an sich sehr gut. Ich bin seit kurzem in der SPD und kann alles befürworten", sagt sie.

Für Olaf Scholz wird der Tag wohl noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Alleine schon deshalb, weil der Bundesfinanzminister auf seinem Rundweg durch die Stadt ungeplant mitten in eine Hochzeitsfeier gestolpert ist. Das Paar, das gerade vor dem Schloss für Fotos posierte, nahm es mit Humor. Scholz und die Braut ließen sich sogar noch zusammen ablichten.

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