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Detmold

Russlanddeutsche freuen sich über neue Willkommenskultur in Lippe

Detmold. Seit mehreren Jahren steht das Kulturreferat für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte im regelmäßigen Kontakt mit Organisationen der Ukrainedeutschen.

Der Vorsitzende des Rates der Deutschen der Ukraine, Wolodymyr Leysle, besuchte jetzt das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte. Im Fokus des Austausches standen laut Pressemitteilung des Museums die Herausforderungen der Verbandsarbeit für die Ukrainedeutschen und die Erfahrungen der Ukrainer in Deutschland.

Erfahrungen der Deutschen in der Ukraine

„Für manche begann der Krieg in der Ukraine erst im vergangenen Jahr. Für mich begann er schon 2014“, erzählte Leysle. Er musste während der Krim-Annexion die Halbinsel verlassen. Für ihn sei insofern der Kriegszustand nichts Neues. Dabei machte er im Gespräch darauf aufmerksam, dass gegenwärtig nicht nur Militärobjekte Ziel von Angriffen seien.

"Das Begegnungszentrum der Deutschen in Mariupol war erst 2021 als Zeichen deutsch-ukrainischer Freundschaft eingeweiht worden. Ungefähr ein Jahr später wurde das Gebäude gänzlich durch Raketenangriffe zerstört. Neben hauptsächlich humanitären Hilfen und Migrationsberatung für die Mitglieder kümmern sich die Vereine selbst unter diesen Umständen um den Erhalt des deutschen Kulturerbes und die Aufrechterhaltung der Sprache und Traditionen der Minderheit. Vor dem Krieg zählte die Gemeinschaft etwa 33.000 Angehörige landesweit, deren Vorfahren vor zum Teil 300 Jahren in die Region einwanderten und mit Ukrainern und anderen Völkerschaften friedlich zusammenlebten. Etwa zehn Prozent haben das Land aktuell verlassen und sind größtenteils in Deutschland. Viele, die bis zum Schluss ihre Zukunft mit der Ukraine verbanden, bemühen sich nun um Anerkennung als deutsche Spätaussiedler" heißt es in der Pressemitteilung des Museums weiter.

Erfahrungen der Ukrainer in Deutschland

Peter Dück, Vorsitzender des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte und Geschäftsführer des Christlichen Schulvereins Lippe, berichtete über eine neue Art von Willkommenskultur, die in Lippe durch die Betreuung geflüchteter Ukrainer entstanden sei. Er machte auf den hohen Anteil der Menschen mit einem russlanddeutschen Hintergrund im Kreis Lippe aufmerksam. "Etwa 20 Prozent besitzen diese Migrationserfahrung. Auch gibt es ungefähr 80 bis 90 Freikirchen mit demselben Hintergrund. Für viele in diesen Migrationskirchen war nach dem Ausbruch des Krieges klar: Wir müssen helfen. Dies geschah zum einem aus einer christlichen Motivation heraus – ‚wir wollen unseren Nächsten lieben‘, aber auch aus einer sprachlichen – ‚wir können russisch‘“, berichtete Dück. Mittlerweile sind laut Mitteilung mehr als 700 Personen in privaten Familien untergebracht worden.

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