<p data-end="514" data-start="104">Detmold. Ihr Aufenthalt ist von interkulturellem Austausch, neuen Erfahrungen und viel Engagement geprägt gewesen. Ein Jahr lang war Melody Ampeh aus Ghana als freiwillige Hospitantin in der Detmolder Christuskirche tätig. Die 27-Jährige brachte sich bei Workshops, mit Vorträgen und einer interkulturellen Modenschau aktiv in die Gemeindearbeit ein. Wie es zu dem Austausch kam – und was sie besonders vermissen wird.</p> <p data-end="514" data-start="104">Eigentlich ist Melody Ampeh Schneiderin und arbeitet auch in diesem Beruf in ihrer Heimatstadt Nkwanta, etwa 350 Kilometer von der ghanaischen Hauptstadt Accra entfernt. Sie beschreibt sich selbst als ein sehr aktives Gemeindemitglied und ist mit ihrer Kirche, der „Evangelical Church“, aufgewachsen. Daher zögerte sie nicht lange, als ihr dort ein Austauschprogramm angeboten wurde, das vom Missionswerk „Norddeutsche Mission“ in Kooperation mit der Detmolder Christuskirche organisiert wurde. Die Lippische Landeskirche ist Teil dieses evangelischen Missionswerks, das von sechs Kirchen in Deutschland und Westafrika gemeinsam getragen wird. Jedes Jahr werden Gemeindemitglieder aus Ghana und Togo nach Deutschland – und ebenso aus Deutschland nach Ghana und Togo – vermittelt, um dort Gemeindedienst zu leisten. Melody Ampehs Bewerbung war erfolgreich. Mit Deutschkursen und Schulungen wurde sie in Ghana auf ihren Dienst vorbereitet. Ganz schön mutig – schließlich hatte sie zuvor noch nie in einem Flugzeug gesessen, wie sie erzählt. Ihre Eltern und ihre fünf Brüder haben sie von Anfang an unterstützt und ermutigt die Reise zu wagen. Während ihres Aufenthaltes habe per Videoanrufen den Kontakt zu ihrer Familie aufrechterhalten.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Ankunft in Deutschland</h2> <p data-end="1923" data-start="1583">Als sie im September letzten Jahres in Detmold ankam, musste sich Ampeh zunächst ausstatten: „Ich habe mir erst mal wärmere Klamotten gekauft“, sagt sie lachend. Verständlich – schließlich liegt die Jahresdurchschnittstemperatur in Ghana zwischen 26 und 29 Grad Celsius. Detmold gefiel ihr auf Anhieb: eine kleine, ruhige Stadt, wie sie berichtet.</p> <p data-end="1923" data-start="1583">Als Austausch-Freiwillige ist man quasi ein Allrounder und hilft überall mit, wie Ampeh beschreibt: beim Aufbau des Gemeinde-Frühstücks, dem Bearbeiten der Post und bei organisatorischer Unterstützung. Während ihrer Zeit in der Christuskirche veranstaltete sie unter anderem auch Workshops zum Thema „Upcycling“, also der kreativen Wiederverwertung von Abfall- oder Gebrauchtmaterialien. In einer Jugendgruppe hielt sie einen Vortrag über die Folgen des Klimawandels in Ghana und organisierte <a href="https://www.lz.de/lippe/detmold/24102738_Lippischen-Ghana-Tage-in-Detmolder-Kirche-stellen-das-Thema-Kleidung-in-den-Fokus.html">eine ghanaisch-deutsche Modenschau</a>, in der sie Kleidungsstile beider Kulturen verband – mit selbst genähter Kleidung für Mitglieder der ghanaischen Gemeinde und des Seniorenkreises.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Bahnreisen und Hühnerfrikassee</h2> <p data-end="2958" data-start="2439">Während ihres Aufenthalts reiste sie in mehrere deutsche Städte – unter anderem nach Münster, Düsseldorf, Paderborn und Bremen – stets mit dem Zug. „Bahnfahren wird mir fehlen“, sagt Melody Ampeh. Zwar gebe es auch in Ghana ein Eisenbahnnetz, jedoch sei es längst nicht so gut ausgebaut wie in Deutschland, weshalb Züge dort kaum genutzt würden. „Das gängigste öffentliche Verkehrsmittel sind Busse – die brauchen aber oft sehr lange, wegen der schlechten Straßen, und die Fahrten sind nicht ungefährlich“, erklärt sie.</p> <p data-end="3454" data-start="2960">Auf die Frage, welches deutsche Essen sie vermissen werde, antwortet sie: „Hühnerfrikassee.“ Streng genommen nicht typisch deutsch – aber ein Klassiker der deutschen Hausmannskost. Melody Ampeh zeigt sich dankbar für alles, was sie erlebt hat – und dafür, dass sie den Mut aufgebracht hat, sich auf dieses Abenteuer einzulassen: „Ich hatte nicht eine Situation, in der ich mich diskriminiert oder unwohl gefühlt habe“, resümiert sie. Am 28. Mai kehrte sie nach Ghana zurück.</p>