Detmold. Beim 4. Abonnementkonzert des Detmolder Kammerorchesters (DKO) sind rund 300 Gäste im Konzerthaus getragen und verzaubert worden. Auf dem Programm: ein musikalischer Geniestreich des jugendlichen Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und eine Sinfonie voll sommerlicher Leichtigkeit von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Zwei Werke, die unterschiedlich sind und doch durch die Handschrift der Interpreten zum stimmigen Ganzen verschmolzen. Ein besonderes Augenmerk galt dabei den beiden Solisten: Alfredo Perl, ehemaliger Künstlerischer Leiter des DKO, renommierter Pianist sowie Klavierprofessor in Detmold, sowie Daniel Stabrawa, Dirigent des Abends, Violinist und langjähriger Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Schon diese Besetzung versprach ein hochkarätiges Konzerterlebnis. Ein jugendlicher Sturm an Ideen Mendelssohns Konzert für Violine, Klavier und Streicher in d-Moll, MWV 04, bekannt als Doppelkonzert und geschrieben 1823 im Alter von gerade einmal 14 Jahren, sprühte nur so vor Energie und Dramatik. Man mag geneigt sein, einem so jungen Komponisten eine gewisse Naivität zu unterstellen – doch davon war unter der solistischen Leistung von Perl und Stabrawa nichts zu spüren. Vielmehr trat die Reife des Werkes und die ungeheure Kreativität des Teenagers Mendelssohn glasklar zutage. Der Dialog zwischen Klavier und Violine geriet zu einem musikalischen Feuerwerk: mal neckisch, mal kraftvoll, stets von höchster Präzision. Das Hauptthema im Allegro erinnerte an Bach und besaß kontrapunktische Textur. Stabrawa meisterte seine Doppelfunktion, leitete das Orchester und übernahm den Solopart in federleichter Melodieführung. Das Detmolder Kammerorchester begleitete die beiden Solisten mit großer Sensibilität. Das Klavier gab den Ton vor, auf den die Geige voller Esprit reagierte. Nach einer beeindruckenden Kantilene der Geige führten beide Solisten einen intimen Dialog. Zart und sphärisch eröffnete das Orchester den langsamen Satz mit einer wunderbaren Melodie. Das Klavier schuf einen leuchtenden Klangteppich, über den sich die Geige lyrisch entfaltete. Perl schuf im Ritardando einen beeindruckenden Episodenübergang in dahinschwebender Eleganz. Es gelang eine fast intime Atmosphäre, in der jedes Motiv atmen durfte. Das Finale, einem Rondo, leiteten Klavier und Geige im echohaften Zusammenspiel ein, bis sich das Orchester im einstimmigen Tutti dazu gesellte. Das virtuose sinfonische Feuerwerk mit seinen tänzerischen Rhythmen und eruptiven Ausbrüchen riss das Publikum zu begeistertem Applaus hin. Die Solisten bedankten sich mit dem zweiten Satz der Frühlingssonate, op. 24 von Beethoven im lieblichen Zusammenspiel, das wie ein Hauch verging. Mozart mit frischem Atem Nach der Pause dann Mozart – ein Kontrastprogramm und doch nicht minder faszinierend. Die 33. Sinfonie in B-Dur, KV 319 erklang unter Daniel Stabrawas Leitung als federleichte Miniatur mit großer Wirkung. Mozart komponierte das Werk 1779 in Salzburg, fügte ihm später für die Wiener Aufführung ein Menuett hinzu und ließ es 1785 drucken. Dies hielt Mozart aber nicht davon ab, das Werk ein Jahr später dem Fürsten Fürstenberg in Donaueschingen exklusiv „eigenst nur für ihren Hof allein“ anzubieten (Brief vom 8. August 1786). Der kleine Trug ist verjährt, die Musik bleibt unsterblich. Bemerkenswert ist die kleine Besetzung, die es Adligen möglich machte, es mit wenig Aufwand aufführen zu können. Trotz der kleinen sinfonischen Besetzung entfaltet die Komposition eine große Klangfarbenvielfalt. Wie ein feines Uhrwerk wirkten die einzelnen Stimmen des Orchesters perfekt aufeinander abgestimmt und mit klarem Sinn für Struktur und Balance. Gerade der erste Satz, oft als charmant und heiter beschrieben, bekam durch das feine differenzierte Spiel des DKO eine fast tänzerische Eleganz. Besonders hervorzuheben ist hier das exzellente Zusammenspiel der Holzbläser, die mit Leichtigkeit über dem Streicherfundament schwebten und akzentvoll spielten. Auch in den lyrischen Passagen bewahrte das Orchester stets einen Hauch von Witz – ganz im Sinne Mozarts. Zart und lyrisch beeindruckte der langsame Satz. Das Menuett gelang mit agogischen Übergängen und das Finale erfreute im kompakten Zusammenspiel. Als Zugabe erklang die Romanze der Serenade für Streichorchester op. 2 des polnischen Komponisten Mieczysław Karłowicz (1876-1909) im wunderbar lyrischen Zusammenspiel.