Detmold. Nadine Anita Eschen kandidiert für „Die Partei“ für das Bürgermeisteramt in Detmold. Die 43-jährige Erzieherin will mit Haltung und Humor im Wahlkampf für sich werben. Im Interview verrät sie ihre Stärken, spricht über Tiefgaragen mit Geisterbahnen und darüber, warum sie sich selbst - trotz all der Satire - als ernsthafte Alternative sieht. Frau Eschen, warum wollen Sie als Bürgermeisterin ins Detmolder Rathaus? Nadine Eschen: Weil wir in Zeiten leben, in denen eine antifaschistische Politik vonnöten ist. Antifaschistin bin ich mit Herz und Seele. Ich selbst beschreibe mich gerne als hart, aber herzlich - in allem, was ich tue, auch in meinem Beruf als Erzieherin. Gerade in diesen Zeiten, wo der Ton sehr rau ist, braucht es Klarheit, eine Haltung. Die bringe ich mit, um dann auf kommunaler Ebene die Themen einzubringen, die uns in Detmold deutlich voranbringen. Sie selbst leben nicht in Detmold. Was verbindet Sie mit der Stadt und wie wollen Sie es schaffen, die Interessen der Detmolder Bürgerinnen und Bürger gut zu vertreten? Nadine Eschen: Ich wohne seit 2020 in Blomberg. Davor habe ich über 20 Jahre in Detmold gelebt. Ich bin damals aus Hessen-Thüringen hergezogen und fühle mich in Detmold sehr wohl. Ich bin seit anderthalb Jahren jeden Montag hier auf dem Marktplatz und setze ein Zeichen gegen die Montagsspaziergänge, die hier immer noch stattfinden. Aber auch, um mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu treten, aufzuklären und Dinge klar zu benennen. Ich denke, das kommt gut an. Ich habe schon sehr viele gute Gespräche geführt. Ihre Partei ist bekannt für politischen Humor und Satire. Sind Sie als Kandidatin überhaupt eine ernsthafte Alternative für die Menschen in Detmold? Nadine Eschen: Satire ist das Stilmittel, mit dem wir unsere Anträge einbringen. Was die Bürgerinnen und Bürger erwarten können, ist zum Beispiel das, was andere Parteien konsequent ablehnen: die Windkraft. Das wäre das Erste, was wir in Angriff nehmen wollen. Wir werden die Adlerwarte zubauen mit Windrädern. Alternativ haben wir uns überlegt, ein Kohlekraftwerk auf der Gauseköte zu installieren, weil der Tagebau doch so viel schöner ist als die Windräder - wenn das denn so gewünscht ist. Da haben die Menschen dann die Wahl. Wir kümmern uns auch um Parkplätze. Beim Freilichtmuseum gibt es das Mausoleum, die Familiengruft des Hauses Lippe. Das werden wir zu einer großen Tiefgarage umbauen, mit angeschlossener Geisterbahn, die wir bespielen werden. Großes Thema in Detmold ist auch der Verkehr. Zudem wird der Zustand von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden oft diskutiert. Nadine Eschen: Bildung und Soziales müssen wir hochhalten. Das ist mir persönlich sehr wichtig. Und bei der Mobilität: Zusätzlich zur Tiefgarage am Freilichtmuseum werden wir uns dafür einsetzen, dass die Straßenbahn zwischen Horn und Detmold wieder installiert wird. Damit fördern wir auch die lippische Eisenindustrie. Wir brauchen neue Schienen. Die alten sind zurückgebaut. Der ÖPNV wird dann natürlich kostenlos sein. Wo soll das Geld dafür herkommen? Nadine Eschen: Wir planen, einen internationalen Hochseehafen in Klüt zu errichten. Davon werde ich Teile an China verkaufen. Aus den Zöllen und Einnahmen werden wir genug Mittel generieren, um all die anderen Vorhaben umsetzen zu können. Wie hilft Ihnen Ihr Know-how als Erzieherin für Ihren neuen Job als Bürgermeisterin? Nadine Eschen: Als Bürgermeisterin sitze ich nicht alleine im Rathaus, sondern bin Teil einer Verwaltung beziehungsweise des Rates. Kommunikation wird deswegen sehr wichtig sein. Da würde ich mich als besonders stark bezeichnen. Das andere ist natürlich die Grundhaltung, wie schon erwähnt: hart, aber herzlich, die menschliche Ebene nicht zu vergessen. Ich bringe keine Politikerfahrung im klassischen Sinne mit, aber ich habe viele Leute, unter anderem unseren zukünftigen Landrat Herrn Kuhlemann und auch den Herrn Konttori aus dem Detmolder Stadtrat, mit denen ich mich austauschen werde - und natürlich auch die Menschen, die bereits in der Kommunalpolitik tätig sind. Ich denke, das ist ein wichtiges Zeichen: In einer Demokratie hat jeder die Möglichkeit, sich an unterschiedlicher Stelle einzubringen. Das ist auch der Grundkonsens in meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wir begegnen uns zu einer gewissen Zeit, lernen uns kennen und beschreiten dann gemeinsam einen Weg. Und der geht nur miteinander. Gibt es ein Herzensprojekt, mit dem Sie Detmold voranbringen würden - jenseits von Parolen und Symbolik? Nadine Eschen: Tatsächlich ist es mir ein Anliegen, die alternativen Jugend-und Kulturzentren zu fördern, hier in Detmold ganz speziell die Kulturinitiative Alte Pauline. Solche Sachen aufrechtzuerhalten, auszubauen und Menschen dafür zu begeistern, das wäre etwas für mich. Das ist auch eine schöne Brücke von meinem Beruf zur Kommunalpolitik: In Detmold war ich 13 Jahre lang im Kindergarten tätig, erst als Auszubildende, später im Leitungsteam. Viele der Kinder von damals sind mir in der letzten Zeit wieder begegnet. Sie sind jetzt junge Persönlichkeiten, mit denen man sich gut und auch kritisch austauschen kann. Und sie sind zum Teil alt genug, um jetzt selbst das erste Mal wählen zu gehen. Kinder und Jugendliche, die sich aktuell nicht abgeholt fühlen, werde ich integrieren. Gerade bei den berufsbildenden Schulen gibt es viel zu aktualisieren, da liegen meine Erfahrungen. Für den Rest bin ich sehr offen. Sollte es nicht klappen mit dem Bürgermeisteramt: Feiern Sie am Wahlabend dennoch standesgemäß? Nadine Eschen: Ich habe keinen Zweifel daran, dass ich es werde. Aber auch wenn es nicht klappen sollte, werden wir im Paraplü in Detmold feiern. Bis dahin werde ich viele Erfahrungen mitgenommen haben. So oder so möchte ich meine politische Arbeit weitermachen und in der Partei sowie auf der Straße aktiv bleiben. Es ist kein Ego-Ding, dass ich mich als Bürgermeister-Kandidatin aufstellen lassen habe. Ich sehe es als eine Möglichkeit, die Demokratie in Detmold zu stärken und die nutze ich. Und im besten Fall werde ich es. Das Beste für Detmold wäre es auch. Persönlich Nadine Anita Eschen wuchs im ehemaligen Grenzgebiet Hessen/ Thüringen auf und lebt heute in Blomberg. Sie ist 43 Jahre alt, gelernte Erzieherin und arbeitet seit 2006 als pädagogische Fachkraft. Aktuell ist sie in der Jugendhilfe in Paderborn tätig und dort Teil des pädagogischen Leitungsteams. Ehrenamtliches Engagement im Bereich der Jugendhilfe und der Arbeit mit Kindern in den lippischen Jugendzentren und verschiedenen Projekten sind von Beginn an Teil ihres Wirkungsfeldes. Seit 2019 engagiert sie sich in der Partei „ Die Partei“.