Detmold. Absperrband, blickdichte Planen, aufwendige Holzkonstruktionen, „Betreten verboten“-Schilder: Im Justizzentrum Detmold wirkt es gerade so, als müsste die Spurensicherung zwei hauseigene Tatorte abschotten. Ganz so spannend ist es dann aber doch nicht: Das Landgericht bekommt gerade einen behindertengerechten Eingangsbereich. Da von dem alten Gebäudekomplex aber eine große Asbest-Gefahr ausgeht, laufen die Arbeiten unter strengen Sicherheitsmaßnahmen. Das Risiko selbst kommt dabei nicht überraschend, sagt Landgerichtssprecher Dr. Wolfram Wormuth. „Im ganzen Gebäude gibt es eine latente Asbest-Problematik.“ Solange nichts gebohrt oder bearbeitet werde, sei das an sich allerdings nicht sonderlich schlimm. Aber: Asbest werde giftig, wenn freie Partikel in die Atemluft gelangen. Aus diesem Grund seien die beiden Baustellen im Eingangsbereich und im Obergeschoss komplett abgedichtet und verkleidet worden, erklärt Wormuth. „So wird verhindert, dass bei den Bohr- oder Schleifarbeiten schädliche Fasern nach außen gelangen.“ Der Gesundheitsschutz stehe hier an erster Stelle. Für Besucherinnen und Besucher gehe keine Gefahr aus. Behindertengerechter Eingang kommt Wenn alles nach Plan läuft, soll der behindertengerechte Eingang samt WC noch diesen Dezember oder Januar 2026 fertig sein. Bisher hatten auf den Rollstuhl angewiesene Besucherinnen und Besucher wegen der Treppe am Eingang kompliziert über einen Lastenaufzug im hinteren Gebäudetrakt ins Erdgeschoss gebracht werden müssen, sagt Wormuth. Das wäre mit dem Umbau endlich vorbei. Die weitere Baustelle im Obergeschoss läuft ebenfalls auf die Asbest-Problematik zurück. Da das vom dortigen Büro nach unten laufende Abflussrohr für die Behindertentoilette benötigt werde, allerdings vollständig mit Asbest verkleidet sei, müsse das komplette Richterzimmer neu gemacht werden. Das gehe auf den Asbest-Sanierungsgrundsatz zurück, erklärt der Landgerichtssprecher. „Alles, was angefasst wird, muss ordnungsgemäß saniert werden; nur was überhaupt nicht angefasst wird, kann so bleiben.“ Also bekäme nun das betroffene Richterzimmer ebenfalls eine Generalüberholung. Der derzeitige Umbau scheint aber nicht der Höhepunkt im Justizzentrum gewesen zu sein. Landgerichtssprecher Dr. Wolfram Wormuth geht davon aus, dass diese und weitere Baustellen in den kommenden Jahren „leider zum Alltag gehören werden“. Sowohl das Personal als auch der Publikumsverkehr müsse sich daher vereinzelt auf Phasen mit Lärm, Schmutz und diversen Absperrungen einstellen. Vier Jahre Baustelle steht an Vor Kurzem hatten Experten erst mittels Gerüst die Statik des Daches untersucht, um festzustellen, ob energetisch saniert werden könne. Konkret gehe es darum, die Möglichkeit von Solarpaneelen abzuwägen. Auch im Nebengebäude stünden Sanierungsarbeiten an Dach, Fassade und Fenster an, heißt es. Darüber hinaus müssten noch gewisse Brandschutzmängel an zwei Sitzungssälen behoben werden, indem zusätzliche Türen eingebaut werden. Um mehr Kapazitäten für die Kammern zu schaffen, soll außerdem die alte Bibliothek in einen weiteren Sitzungssaal umgebaut werden. Der geplante Umbau rund um den Brandschutz wird offenbar noch mal eine Nummer größer. Dafür müsse der gesamte blaue Linoleumbelag - also der komplette Boden im ersten Obergeschoss - aufwendig und unter Schutz entfernt werden. Der Grund ist auch hier wieder: Asbest. Auf das Justizzentrum kommen damit noch einige Hürden zu. Das Landgericht rechnet damit, dass sich die gesamten Bauarbeiten noch etwa vier Jahre hinziehen werden. Der Gebäudekomplex gehört dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, die Detmolder Justiz ist daher nur „Mieter“. Dementsprechend teilen sich die Kosten zwischen beiden Taschen der Landeskasse auf. Wie viel Geld in die Umbauarbeiten fließt, ist noch nicht bekannt.