Kreis Lippe. Sein Frust lässt sich aus jeder Zeile ablesen. Seit Wochen versucht ein Mann aus Lage, das Justizzentrum in Detmold auf verschiedenen Wegen zu erreichen. Alle Versuche, egal ob per Telefon oder Mail, scheiterten bisher. Deshalb wendet er sich an die Zeitung. Das Landgericht Detmold kann die Frustration nachvollziehen, entschuldigt sich und spricht von einer überlasteten Personalsituation. Nebenbei offenbart die Beschwerde eine Schwachstelle im System, die bisher niemand auf dem Schirm hatte. Denn während die Unterseiten der hiesigen Amtsgerichte und des Landgerichts inhaltlich gehegt und gepflegt werden sowie mit richtigen Telefonnummern versehen sind, existiert noch eine zentrale Homepage für das Justizzentrum Detmold, deren Existenz offenbar völlig in Vergessenheit geraten ist. Und die scheint so manchen Anrufer in die Irre zu führen. Eine Null führt in die Irre Statt der Durchwahl 05231-768-1 ist dort eine -0 hinterlegt, die Anrufe gehen daher ins Leere. „Die von Ihnen gewählte Rufnummer ist nicht vergeben“, heißt es mit der 0 am Ende der anderen Leitung. Beim LZ-Leser, der seinen Angaben nach über andere Telefonnummern schon abgewimmelt oder aus der Leitung geworfen worden sei, sorgt die falsche Rufnummer zusätzlich für Frust. Für eine Behörde „sei das unangemessen“, schreibt er. Genau deshalb hat er das Landgericht nachweislich per Mail Anfang Juni über seine missglückten Kontaktversuche sowie über die im Internet falsch angegebene Telefonnummer auf der Seite des Justizzentrums Detmold informiert. Bisher gab es auch darauf keine Antwort, schreibt er in einer Mail an die Redaktion. Landgerichtssprecher Dr. Wolfram Wormuth hat Verständnis für den aufgestauten Frust und muss einräumen: Selbst er als Landgerichtssprecher hat erst durch die Beschwerde von der Existenz der genannten Justizseite erfahren. „Die ist vom Justizministerium offenbar zentral vor einigen Jahren aufgesetzt worden, nur hat sich da niemand mehr drum gekümmert“, erklärt Wormuth. Zum 1. Juli soll die Seite daher abgeschaltet werden, damit sie bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht weiter für Irritationen sorgt. Landgericht kann Kritik nachvollziehen „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Menschen von solchen Situationen verärgert sind“, sagt Wormuth. Wer wochenlang nichts höre und dann auch noch auf einer offiziellen Seite auf eine falsche Telefonnummer stoße, der frage sich zu Recht, was da innerhalb der Behörde schieflaufe. Mit den Telefon-Irrläufern soll dann ab Juli aber Schluss sein, sobald die überflüssige Seite abgeschaltet ist. Darüber hinaus habe es bis vor Kurzem tatsächlich Probleme mit der Erreichbarkeit der Telefonanlage gegeben, räumt der Landgerichtssprecher ein. Obwohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits Gespräche führten, hätten Anruferinnen und Anrufer ein Freizeichen als Signal vernommen. „Das hat dann das fälschliche Gefühl vermittelt, dass überhaupt niemand mehr ans Telefon geht.“ Inzwischen laufe wieder eine Bandansage, wenn die Leitung besetzt sei. Richtig sei, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Serviceeinheiten stark ausgelastet seien und ihr Bestmögliches täten. Dass der unzufriedene Lagenser jetzt seit etwa vier Wochen auf eine Mailantwort warte, sei ungewöhnlich, könne aber leider vorkommen, wenn eine Mail verloren ginge. Sein Anliegen sei nun an die richtige Stelle weitergeleitet worden.