Detmold. Seit Donnerstagabend gilt in weiten Teilen des Detmolder Stadtgebiets ein Abkochgebot für Leitungswasser. Grund sind coliforme Bakterien, die bei einer routinemäßigen Probe nachgewiesen wurden. Betroffen sind zahlreiche Ortsteile vom südöstlichen Rand der Innenstadt bis in die Nordstadt. Die Stadtwerke empfehlen, Wasser zum Trinken, Zähneputzen oder Kochen nur abgekocht oder aus Flaschen zu verwenden. Für Körperpflege sei das Leitungswasser zwar geeignet – verschluckt werden sollte es jedoch nicht. Was sind coliforme Bakterien? Coliforme Keime sind Mikroorganismen, die natürlicherweise in Böden, Pflanzen und Oberflächengewässern vorkommen. Einige von ihnen – darunter das Darmbakterium Escherichia coli (E. coli) – stammen jedoch aus dem Verdauungstrakt von Mensch und Tier. Ihr Nachweis im Trinkwasser gilt als Hinweis auf eine fäkale Verunreinigung. Die meisten E. coli-Stämme sind harmlos, einzelne können jedoch schwere Erkrankungen auslösen. Welche gesundheitlichen Folgen drohen? Wer Wasser trinkt, das mit krankmachenden E. coli belastet ist, kann Magen-Darm-Beschwerden entwickeln. Typische Symptome sind Bauchkrämpfe, Durchfall, Übelkeit und leichtes Fieber. Besonders gefährlich sind bestimmte Unterarten, die Giftstoffe bilden. Sie können blutige Durchfälle und in seltenen Fällen ein akutes Nierenversagen (hämolytisch-urämisches Syndrom, HUS) verursachen. Gefährdet sind vor allem kleine Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Gab es so etwas schon früher in Detmold? Keimbelastungen im Trinkwasser sind in Detmold kein völlig neues Problem. Im März 2023 war im Ortsteil Pivitsheide eine bakterielle Verunreinigung festgestellt worden. Auch damals wurde ein Abkochgebot verhängt, das nach einigen Tagen wieder aufgehoben werden konnte. Im vergangenen Jahr hatte es zudem vorsorgliche Chlorungen im Norden der Stadt gegeben – allerdings ohne Einschränkungen für die Verbraucher. Weitere vorsorgliche Desinfektionsmaßnahmen wurden zum Beispiel im Nordbereich Detmolds durchgeführt jedoch ohne Erkrankungen oder Einschränkungen für die Verbraucher, etwa im vergangenen Jahr. Auch in anderen lippischen Kommunen kommt es immer mal wieder zu Belastungen des Trinkwassers. Zuletzt war etwa Oerlinghausen betroffen. Warum kommen solche Belastungen immer wieder vor? Häufige Ursachen sind Niederschläge, die Krankheitserreger in das System spülen – wie etwa 2023 in Kalletal-Stemmen geschehen. Dort wurden Anfang August 2023 nach starkem Regen coliforme Keime gefunden. Die Gemeinde reagierte mit Chlorung und einem Abkochgebot; nach weiteren Tests wurde die Situation wieder stabilisiert. Wie geht es in Detmold weiter? Seit Donnerstag gilt in einem Gebiet, was grob im Südosten bei Schönemark beginnt, sich nach Norden über Oberschönhagen, Diestelbruch, Niederschönhagen, Mosebeck, Altenkamp bis Biesen erstreckt und Richtung Westen Barkhausen, Brokhausen und weiter südlich Herberhausen, Hakedahl, Vahlhausen, Teile der Nordstadt (mit Hohenloh, Rödlinghausen) sowie Spork-Eichholz und Remmighausen ein Abkochgebot. Trinkwasser darf nur abgekocht oder als abgepacktes Wasser verwendet werden. Beim Abkochen muss das Wasser sprudelnd erhitzt und anschließend zehn Minuten lang abkühlenn. Besonders wird vor dem Kontakt mit offenen Wunden gewarnt; Körperpflege, Händewaschen oder Duschen sind gestattet, jedoch ohne Verschlucken. Kaffeevollautomaten können genutzt werden, solange sie eine Temperatur von 82 Grad erreichen. Eiswürfel und Kaltgetränke sollten mit abgekochtem Wasser betrieben werden. Die Trinkwasserversorgung wird derzeit desinfiziert, was zu leichtem Chlorgeruch oder -geschmack führen kann. Eine neue Probe ist für den heutigen Freitag geplant die Ergebnisse werden am Dienstag erwartet. Dann soll darüber informiert werden, wie es weiter geht. Bis dahin bleibt das Abkochgebot bestehen. Mit Informationen der dpa.