Detmold. „Ich suche nicht. Die Dinge sind da“, sagt Marion Eichmann. Ihre Motive stammen aus dem Alltag. Ob Häuserfassaden, Schaufenster, Waschmaschinen oder Blumenstillleben, die Künstlerin eröffnet dem Besucher einen anderen Blick auf die Dinge, die ihn jeden Tag umgeben. Und zwar mit Papier und Schere. Auf Einladung der Lippischen Gesellschaft für Kunst stellt die Berlinerin ab Sonntag, 14. September, in der Schlossküche in Detmold aus. Unter dem Titel „ON“ ist eine kleine Werksschau aus collagierten Bildern, Objekten und Installationen aus Papier zu sehen. „Die Arbeiten von Marion Eichmann sind einfach grandios“, findet Projektleiter Dr. Joachim Kleinmanns, der die Künstlerin vor elf Jahren das erste Mal getroffen und 2019 schon einmal für eine Ausstellung nach Detmold geholt hat. Dieses Mal ist er besonders stolz, weil sie gerade so viele Ausstellungen habe, dass es schwer sei, sie zu bekommen. Im Deutschen Bundestag hat Marion Eichmann mittlerweile sogar einen eigenen Raum, nachdem sie dort ein Jahr lang auf 800 Quadratmetern gearbeitet und mehr als 100 Werke angefertigt hat. Mit Scheren durch die Sicherheitsschleuse „Trotz der Sicherheitsschleusen hat sie es geschafft, ihre Scheren mit reinzunehmen“, sagt Kleinmanns mit einem Augenzwinkern. Denn diese gehören fest zum Arbeitsmaterial der Künstlerin. Ihr Schaffensprozess beginnt, wie sie erzählt, immer mit einer Zeichnung, bevor sie ausgeschnittenes Papier drüber klebt und ihren Werken damit nicht nur Farbe, sondern auch etwas Dreidimensionales und Objekthaftes verleiht. Kontraste und Gegensätze spielen dabei eine große Rolle. So auch bei einer großen Ansicht vom Kottbusser Tor in Berlin. „Das ist eigentlich ein superhässliches Haus. Ich habe überlegt, wie es funktionieren kann, dass es trotzdem Präsenz bekommt“, berichtet die Künstlerin. Die in Schwarz-weiß gehaltene Fassade beginnt durch ihre Flankierung zu strahlen. „Die Häuser aus der Gründerzeit links und rechts daneben sind eigentlich gar nicht so farbig. Die Ansicht wirkt freundlicher dadurch“, schildert Joachim Kleinmanns. Ein weiterer Hingucker sind Waschmaschinen und weitere Automaten aus Waschsalons, die Marion Eichmann mit ihrer Kunst „nachgebaut“ hat. Dadurch, dass sie mehrere Papier-Schichten übereinandersetzt und auch die Rahmen in ihre Arbeiten mit einbezieht, erhalten diese Plastizität. Das Spiel mit den Ebenen erzeugt Spannung. Gleichzeitig legt die Künstlerin Wert auf kleine Details wie Schrauben oder Schlitze und baut hier und da auch schon einmal kleine, freche Elemente ein, die erst auf den zweiten Blick auffallen und für ein Schmunzeln sorgen. Unterwäsche im Schaufenster Bei ihren Blumenstillleben geht sie mit den Strichen bewusst ins Räumliche, in dem sie sie mit dem Papier aufnimmt und ins Dreidimensionale überführt. Zehn bis zwölf Schichten liegen dann schon einmal übereinander. Schatten, die auf das Werk fallen, verstärken den Eindruck noch. Noch filigraner wird es bei einem Blick ins Schaufenster, in dem Damenunterwäsche mit feiner Spitze präsentiert wird. Oder auch bei einem Kleinbus und einem Laster, die reliefartig gestaltet sind. Viele interessante Details sind in den Werken zu entdecken, die in ihrer Platzierung allesamt aufeinander abgestimmt sind. Marion Eichmann betrachtet die Schau auch als Gesamtkunstwerk. Genaues Hinsehen lohnt sich, denn hier und da verschwimmen schon mal die Grenzen zwischen Ausstellungsstücken und echten Alltagsgegenständen. Ergänzend dazu ist ein Film über die Künstlerin zu sehen. Die Ausstellung wird am Sonntag um 11.30 Uhr in der Schlossküche im Detmolder Residenzschloss eröffnet. Die Begrüßung übernimmt Sigrid Verlemann-Müller als Vorsitzende der Lippischen Gesellschaft für Kunst, danach spricht Dr. Joachim Kleinmanns. Die Künstlerin wird ebenfalls anwesend sein. Im Anschluss ist die Schau bis zum 19. Oktober zu besichtigen, und zwar immer dienstags bis donnerstags von 11 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie freitags bis sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Zum Abschluss findet am 19. Oktober um 15 Uhr ein Kunst-Talk statt. Der Eintritt ist frei.