Kreis Lippe/Detmold. Leuchtend-orange Schilder mit der Aufschrift „Trauerbank“ weisen in der Detmolder Innenstadt auf ein neues Angebot hin. Folgt man den Schildern, landet man in dem kleinen Park an der alten Synagoge hinter dem Café Cup. Der Ort strahlt direkt eine besondere Atmosphäre aus: mittendrin und dennoch ganz intim. Er scheint wie geschaffen dafür zu sein, persönliche Momente zu teilen. Umringt von grünen Büschen abseits der Fußgängerzone hat der ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst Lippe hier die erste Trauerbank im Kreis ins Leben gerufen. Ob gezielte oder ganz spontane Besuche – die Trauerbank ist ein offenes Angebot für alle, die einen Verlust erlebt haben. Die Idee dazu hatte Ute Kiel, Koordinatorin in Bad Salzuflen und Lage, die ihre ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen direkt dafür begeistern konnte. Eine von ihnen ist Eva Lades, die sich noch gut an den Start des Projektes erinnert: „Das Engagement für dieses Thema war riesig. Bereits am ersten Tag der Planung konnte die Trauerbank für die erste Saison von Mai bis September vollständig mit Freiwilligen besetzt werden.“ Niederschwelliges Angebot Eva Lades engagiert sich selbst seit gut zwei Jahren im Hospiz- und Palliativberatungsdienst und hat zunächst einen Grundkurs zur Sterbebegleitung gemacht. Seitdem begleitet sie unter anderem das Trauercafé in Lage. „Es ist mir wichtig, dass sich Angebote auch an Angehörige richten“, sagt sie. Trauer beginne schon während der Sterbebegleitung und nicht erst nach dem Tod eines geliebten Menschen. Daher müsse die Unterstützung auch hier bereits ansetzen. Auch interessant: „Mein Herz hängt daran“: Wer hinter der Trauerbank in Detmold steckt Mit der Trauerbank konnte nun ein Angebot ins Leben gerufen werden, das sehr niederschwellig ist. Interessierte können jeden Mittwoch zwischen 15.30 und 17 Uhr anonym vorbeikommen, ohne sich etwa direkt in einer Gruppe einfinden zu müssen. „Wir möchten den Trauernden zunächst vor allem ein offenes Ohr anbieten“, betont Lades. Es gehe hierbei darum, dass Besucher ihre Sorgen erzählen können. Daher habe die Trauerbank auch so eine starke Anziehungskraft, meint die Trauerbegleiterin. „Wir möchten den Besuchern immer das Gefühl vermitteln: Du darfst dich hier öffnen. Du wirst hier nicht beurteilt. Du wirst hier angenommen, wie du bist. Du bist hier sicher.“ Besucher sind alt und jung Und dass diese Möglichkeit viele Menschen wahrnehmen, zeigt sich nach den ersten Monaten bereits sehr deutlich: „Bis auf ein einziges Mal, haben uns jede Woche Menschen besucht“, sagt Lades. Es seien vor allem Frauen, die zur Trauerbank kommen, aber auch einige Männer. Zudem sind es mal ältere und auch mal jüngere Personen. „Es ist unterm Strich ein Querschnitt der Gesellschaft, der hier hin kommt.“ Da Trauer etwas ganz Persönliches sei, seien auch die Themen auf der Trauerbank sehr unterschiedlich, und Gespräche reichen von 10 Minuten bis hin zu einer Stunde. Mit der Trauerbank sollen alle Menschen erreicht werden, die einen Verlust erlebt haben – unabhängig davon, wie lange dieser schon zurückliegt. „Trauer hat kein Verfallsdatum“, sagt Lades. Der Besuch auf der Bank könne gerne auch die Initialzündung für die eigene Trauerarbeit sein. Ziel sei es daher auch, die Menschen über die anderen Angebote der Hospizarbeit in Lippe aufzuklären und ihnen andere Möglichkeiten aufzuzeigen, um mit der Trauer umzugehen. Das Angebot geht im Mai weiter Das Angebot reicht von Trauercafés (in Detmold, Lemgo, Bad Salzuflen und Lage) über Wanderungen für Trauernde bis hin zu Trauerreisen. Nicht zuletzt gehören auch Trauergruppen zum Angebot des ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Lippe. In Lemgo startet am 9. Oktober in der Hospizberatungsstelle, Haferstraße 25, eine neue Gruppe, für die noch Anmeldungen möglich sind. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Vereins. Mittlerweile ist die Trauerbank seit Ende September in der Winterpause – doch die gute Nachricht: Ab Mai 2026 soll es im kleinen Park hinter der alten Synagoge wieder losgehen. Ob die Trauerbank zukünftig auch in anderen Städten in Lippe zu finden sein wird, steht aktuell noch nicht fest steht. Denn um ein solches Projekt anbieten zu können, braucht es immer ehrenamtliche Helfer, die mit viel Herzblut dahinter stehen. Dem Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Lippe ist das eindrucksvoll gelungen.