Bielefeld/Detmold. Neue Details zu den Waffen-Razzien bei mehreren mutmaßlichen Neonazis aus OWL vor einigen Wochen: Wie nun bekannt wurde, kamen die Ermittler den vornehmlich jugendlichen Rechtsextremen und ihrem offensichtlichen Hang zu Waffen auf die Spur, weil sie an einem martialisch wirkenden Musikvideo mitgewirkt haben. Das zumindest geht aus einem Bericht an den NRW-Innenausschuss hervor, der dieser Redaktion vorliegt. Demnach sollen mehrere Personen in der Detmolder Innenstadt zu einem nicht näher genannten Zeitpunkt durch Polizisten kontrolliert worden sein. Der Grund: Die Personen drehten ein Musikvideo für den rechtsextremen Rapper „Azatro“. Das Musikvideo wurde später auch tatsächlich im Internet veröffentlicht, darin trugen mehrere Personen Kleidung sogenannter „Active Clubs“. Lesen Sie auch: Neue Neonazi-Gruppe in OWL – was hinter dem Trend steckt Bei diesen Gruppen handelt es sich um eine recht neue Organisationsform in der Neonazi-Szene, die der Verfassungsschutz genau in den Blick nimmt. Sowohl der Nachrichtendienst, als auch Rechtsextremismus-Experten warnten bereits mehrfach vor den neuen Strukturen und der Gewaltbereitschaft, die dort herrsche. Bundesweit gründeten sich solche Ableger, Ende 2024 hatte sich in OWL schließlich ein „Active Club“ gegründet. Mitglieder zeigten sich auf offiziellen Kanälen im Internet beispielsweise beim Kampfsport. Polizeikontrolle für Musikvideo inszeniert In dem Musikvideo ist derweil zu sehen, dass der Protagonist – der Rapper „Azatro“ – von zwei Mitwirkenden nahe dem Landestheater in Detmold zu Boden gebracht wird, um eine Polizeikontrolle zu inszenieren. Eine der Personen habe dabei eine Waffe getragen, die der Dienstpistole der Polizei (Walther P99) zumindest ähnlich sehen soll. Mehr zum Thema: Rechtsextreme aus OWL: Polizei findet mehrere Waffen bei Razzia In darauf folgenden Ermittlungen in sozialen Medien stellten die Polizisten laut Bericht fest, dass die mutmaßlichen Mitglieder des „Active Clubs“ Bilder verbreiteten, auf denen Schusswaffen oder andere Waffen zu sehen sind. Entsprechende Bilder liegen auch dieser Redaktion vor. Anfang Oktober schlugen die Sicherheitsbehörden schließlich bei den Personen zu, die in dem Musikvideo mitgewirkt haben oder in sozialen Medien Waffen-Bilder verbreitet haben sollen. Bei den Verdächtigen handelte es sich um sechs Männer im Alter zwischen 18 und 35. Bei den Durchsuchungen (insgesamt sieben Objekte) in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke sowie der Stadt Bielefeld waren größtenteils Spezialkräfte im Einsatz. Waffen bei Durchsuchungen gefunden Dabei stellte die Polizei neben Handys und Propagandamaterial auch verschiedene Waffen sicher. Darunter Messer, eine Machete, eine Armbrust samt Pfeilen, ein Luftgewehr, Softair- sowie Schreckschusswaffen – und eine als alt beschriebene, scharfe Schusswaffe – jedoch ohne Munition. Andere „Active Clubs“ im Bundesgebiet distanzierten sich in der Folge von dem Ableger in OWL. Mehr noch: Den Personen, bei denen die Polizei durchsuchte, wurde eine Mitgliedschaft gar in Abrede gestellt. Mittlerweile hat sich offenbar ein neuer „Active Club“ in der Region gegründet. Statt „Ostwestfalen“ heißt dieser nun „Ostwestfalen-Lippe“. Und es gelten strenge Regeln. Unter anderem: „Kein unnötiges Gepose mit Pseudowaffen im Netz“.