Kreis Lippe/Detmold. „Es ist der Tag, der nicht nur Rückblick bedeutet, sondern vor allem Verpflichtung für die Gegenwart“, betonte Detmolds Bürgermeister Frank Hilker. Am Abend des 9. November, dem Gedenktag zur Reichspogromnacht im Jahr 1938, haben sich in der Lortzingstraße an der Stelle der ehemaligen Synagoge mehr als 300 Menschen zum gemeinsamen Gedenken an dieses Ereignis versammelt. An der Stelle, wo sich heute die Zusatzversorgungskasse der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers in der Lortzingstraße befindet, stand von 1907 bis 1938 eine große Synagoge – am 9. November 1938 wurde sie in der Reichspogromnacht niedergebrannt. „Dieser Ort steht für den Übergang zu offener Gewalt und ist untrennbar mit der Detmolder Geschichte verbunden“, sagte Bürgermeister Frank Hilker in seiner Ansprache. Die Zahl der Übergriffe auf Juden würden wieder steigen und denen gelte es entschieden entgegenzutreten. Kranzniederlegung am Gedenkstein Die Stadt hatte gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe, der Evangelischen und Katholischen Jugend Lippe und dem Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium zur Gedenkveranstaltung eingeladen. Der Gedenkstein, der sich an der Stelle der ehemaligen Synagoge befindet, wurde angestrahlt, das Bild der Synagoge mit einem Projektor auf das nun dort stehende Gebäude projiziert. In einem großen Halbkreis versammelten sich die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung und ließen die Worte des Bürgermeisters und der Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling auf sich wirken. Im Anschluss an die Redebeiträge legten die Jugendlichen der Evangelischen und Katholischen Jugend Lippe einen Kranz am Gedenkstein nieder, und die große Versammlung setzte sich mit Kerzen in den Händen in Bewegung in Richtung Exterstraße. Hier kamen die Menschen noch einmal an einem Denkmal zusammen. Mitarbeiter der Stadt lasen die kurzen Biografien acht jüdischer verfolgter Mitbürger vor. Seinen Ausklang fand der Abend dann im Rathaus bei einem Konzert und einer Lesung. Auch in anderen Städten und Gemeinden des Kreises fanden zum Gedenken an die Reichspogromnacht Gedenkveranstaltungen statt. In Bad Salzuflen gab es beispielsweise an der alten Synagoge in der Mauerstraße eine offizielle Kranzniederlegung. In Lemgo versammelten sich die Menschen für Ansprachen erst auf dem Marktplatz und zogen dann geschlossen zum Synagogen-Mahnmal in die Neue Straße. In Lage fand die Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof statt. In Schwalenberg hatte die Galerie Haus Bachrach mit der Veranstaltung „SACHOR! Erinnere dich “ zum gemeinsamen Gedenken der Oper eingeladen. In Horn-Bad Meinberg legte die Stadt gemeinsam mit dem Integrationsbeirat der Stadt an der Gedenktafel an der Kreuzung Mittelstraße/Ratstwete einen Kranz nieder.