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Jubiläum

Ein halbes Jahrhundert Blaukreuz in Lippe

Gäste auf der Jubiläumsfeier (von links): Benjamin Kleßmann, Regionalleiter Blaues Kreuz NRW, Matthias Vollgrebe, Geschäftsführer Blaues Kreuz Diakoniewerk mGmbH, Thomas Reichert, Einrichtungsleiter Blaukreuz-Zentrum Lippe, Sabine Beine, Verwaltungsvorständin Kreis Lippe und Dirk Tolkemitt, Bürgermeister von Bad Salzuflen. © Blaukreuz-Zentrum Lippe

Bad Salzuflen/Kreis Lippe. Das Blaukreuz-Zentrum Lippe hat jetzt sein 50-jähriges Bestehen im Martin-Luther-Haus in Bad Salzuflen gefeiert. Das Blaue Kreuz hatte nach eigenen Angaben 1975 sein erstes Suchthilfeangebot in der lippischen Kurstadt eröffnet, damals hieß der Trägerverein noch „Blaukreuz-Haus Bad Salzuflen e.V.“.

Zur Vorgeschichte: Erst 1968 wurde mit einem Urteil des Bundessozialgerichtes Sucht als Erkrankung anerkannt. Anfang der 1970-er Jahre gab es nur wenige Klinikplätze für eine Therapie für Suchterkrankte, heißt es in einer Pressemitteilung des Blaukreuz-Zentrums. Betroffene mussten viele Monate auf einen Therapieplatz warten. Daher kam die Idee auf, ein Übergangswohnheim zur Vorbereitung auf eine stationäre Suchttherapie einzurichten. Dieses wurde vor einem halben Jahrhundert in der Salzufler Stauteichstraße eröffnet.

Breites Angebot

Aus dem Übergangswohnheim wurde 1993 an neuem Standort eine sogenannte „Adaption“, eine stationäre medizinische Rehabilitationseinrichtung, in der Menschen nach einer Therapie zur weiteren sozialen und beruflichen Integration aufgenommen werden, heißt es weiter in der Mitteilung. Im Laufe der Zeit habe sich dort ein breites Suchthilfeangebot entwickelt, mittlerweile mit Angeboten für den gesamten Kreis Lippe. Daher wurde auch der Name 2004 in Blaukreuz-Zentrum Lippe geändert.

Dieses unterhält seit 1980 in Bad Salzuflen und seit 2000 zwei Suchtberatungsstellen für Betroffene und Angehörige. 1981 wurde eine der damals ersten Suchtpräventionsstellen in NRW in Bad Salzuflen eingerichtet, seit 1994 wird dieses Angebot in Kooperation mit der Drogenberatung Detmold für den ganzen Kreis Lippe vorgehalten.

Ambulant betreutes Wohnen

Als eine der ersten Suchtberatungsstellen in Deutschland wurde in Bad Salzuflen ab 1992 die Ambulante Rehabilitation Suchtkranker angeboten. Diese will Menschen möglichst frühzeitig erreichen, wenn noch stabile soziale Kontakte oder der Arbeitsplatz vorhanden seien. Die Ambulante Suchttherapie wird auch in der Fachstelle in Detmold angeboten.

1993 entstanden in Bad Salzuflen die ersten Plätze für das ambulant betreute Wohnen. Hier werden Menschen in ihrem Wohnumfeld aufgesucht und unterstützt. Seit 2005 besteht dieses Angebot für den gesamten Kreis Lippe. Seit 2003 wird die Zusammenarbeit und Aufgabenteilung mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Lippe durch einen Kooperationsvertrag geregelt.

Seit 2023 unternimmt das Zentrum das sogenannte „FitKids-Coaching“, das Kinder aus suchtbelasteten Familien in den Blick nehmen will. Nachwuchs aus suchtbelasteten Familien stellt eine besondere Risikogruppe dar. Etwa ein Drittel der Kinder entwickeln selbst später eine Suchterkrankung, ein weiteres Drittel eine psychische Erkrankung.

Neues Zertifikat

Dieses Coaching wurde laut Blaukreuz-Zentrum im November 2025 abgeschlossen. Im Rahmen der Feier zum 50-jährigen Bestehen fand auch die Übergabe des „FitKids-Zertifikates“ statt. Darin wird bestätigt, dass das Blaukreuz-Zentrum die Kriterien des Siegels erfüllt. Dazu zählt laut Mitteilung die Kooperation mit Jugendämtern, Aktionen für Kinder oder die Berücksichtigung der Kinder in der Arbeit der unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche.

Abgerundet wurde die Jubiläumsfeier durch eine Autorenlesung von Monika Reidegeld und Tim Puffler aus ihrem Buch „Tim: Ein Leben mit dem Fetalen Alkoholsyndrom“.

Grußworte auf der Feier sprachen Dirk Tolkemitt, Bürgermeister von Bad Salzuflen, Sabine Beine, Verwaltungsvorständin Kreis Lippe, und Matthias Vollgrebe, Geschäftsführer der Blaues Kreuz Diakoniewerk mGmbH. Anwesend waren zudem Vertreter vieler kooperierender Einrichtungen: wie beispielsweise der Suchtfachstelle, von Suchtfachkliniken, Beratungsstellen aus dem Kreis Lippe, Jugendämtern, sozialen Einrichtungen oder Selbsthilfegruppen des Blauen Kreuzes. Dabei waren auch einige Gründungsmitglieder des Trägervereins.

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