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Schauspiel

Der Struwwelpeter als düsteres Musical im Landestheater Detmold

Elias Nagel und Stella Hanheide (im Vordergrund) sowie Patrick Hellenbrand (im Hintergrund) lassen die Geschichten vom Struwwelpeter auf der Theaterbühne als Musical lebendig werden. © Jochen Quast

Detmold. Zappel-Philipp, Suppenkaspar, Struwwelpeter, Hanns Guck-in-die-Luft, Konrad, derDaumenlutscher, die Pyromanin Paulinchen, der böse Friederich & Co. – die Geschichten vonden unartigen Kindern, die ein böses Ende nehmen, sind so legendär wie umstritten. 1844 hatte der Psychiater und Kinderbuchautor Heinrich Hoffmann das Bilderbuch „Der Struwwelpeter“ als Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn gezeichnet und gereimt. Auf das Drängen von Freunden veröffentlichte Hoffmann sein Werk und das Bilderbuch avancierte zum internationalen Bestseller. Nun bringt es das Landestheater Detmold als Musical auf die Bühne.

Seit ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 1845 haben die Erzählungen, die Kindern Moralund „anständiges“ Benehmen einbläuen sollten, nichts von ihrer gruseligen Faszination verloren. Deshalb hat die britische Kultband „The Tiger Lillies“ den aus heutiger Sicht äußerst fragwürdigen Stoff zusammen mit den Autoren Julian Crouch und Phelim McDermott zu einer anarchischen Junk-Oper umgearbeitet, die die moralischen Lehren der schwarzen Pädagogik ad absurdum führt. In ihrer Adaption lassen sie ein kinderloses Paar auftreten, das sich nichts mehr wünscht als ein Baby. Schön soll es sein, stark soll es sein, es soll aussehen wie die Eltern.

Das ungeheuerliche menschliche Bewusstsein

Doch wie immer ist bei Wünschen Vorsicht geboten, heißt es in der Ankündigung zum Stück. Sie könnten anders in Erfüllung gehen, als man möchte. Denn das menschliche Bewusstsein ist voller Ungeheuer. Was wird aus dem Kind, das die Erwartungen nicht erfüllt? Was, wenn ein kleiner ungepflegter Struwwelpeter diesen Hoffnungen so gar nicht entspricht?

Der designierte Schauspieldirektor des Landestheaters, Gustav Rueb, stellt sich mit seinerInszenierung von „Shockheaded Peter“ (die britische Entsprechung des „Struwwelpeters“) in Detmold erstmals als Regisseur vor. Er erzählt die Geschichte von dem ordnungsliebenden Ehepaar und den „unerzogenen“ Kindern als düsteres Märchen und siedelt das Geschehen in einem heruntergekommenen Vergnügungspark an, in einer Zwischenwelt zwischen Traum und Wirklichkeit. Denn wie es in dem Stück heißt: „Nicht alles hier ist, wie es scheint“.

„Poetisch, düster, fantasievoll, mit viel groteskem Witz und einer musikalischen Mischung aus abgefahrenen Zirkusklängen und schräg-makabrem Sound à la Tom Waits“, verspricht das Landestheater in einer Ankündigung. Das mehrfach preisgekrönte Musical biete ein „Mordsvergnügen“ für alle, die Spaß an einer gehörigen Portion schwarzen Humors hätten. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Matthias Flake, die Bühne stammt von Christine Hilmer, die Kostüme hat Oktavia Herbst entworfen.

„NachSpiel“ Ende März

Premiere ist am Freitag, 23. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus. Weitere Vorstellungen gibt es am 30. Januar, 15., 28. und 29. März, sowie am 11. und 12. April. Zum „NachSpiel“ genannten Publikumsgespräch lädt das Theater für Sonntag, 29. März, ein. Dabei gibt es die Gelegenheit, mit Schauspielern, Dramaturgen sowie Regisseuren oder Experten ins Gespräch zu kommen.

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