Dörentrup. Friso Veldink (54) ist seit fünf Jahren Bürgermeister - und bei der Kommunalwahl auch der einzige Kandidat. Als „Lieblingsort“ hat er sich den Landschaftspark rund um die Pottkuhle ausgesucht. „Erfolg ist für mich auch, wenn ich in meinem Büro die fröhlichen Stimmen aus dem Freibad höre oder mit dem Rad an einem neuen Spielplatz vorbeifahre und sehe, er ist mit Leben gefüllt.“ Waren Sie enttäuscht, als klar war, dass Sie diesmal keine Gegenkandidaten haben? Friso Veldink: Podiumsdiskussionen, Vereinsabende, Bürgergespräche – das war vor fünf Jahren schon eine ganz andere Dynamik. Ein stückweit ist es also auch eine Erleichterung. Trotzdem gehört Konkurrenz zur Demokratie. Jetzt begegnen einem die Leute eher mit einem Schulterklopfen und sagen: „Schön, dass du weitermachst.“ Und ich sage dann: „Naja, ganz so ist es nicht – wenn die Mehrheit Nein sagt, bin ich raus.“ Das ist vielen gar nicht so bewusst. Ich habe die Sorge, dass einige sagen: „Ach, dann brauche ich ja gar nicht zu wählen.“ Dabei gibt es an dem Tag noch viele andere wichtige Entscheidungen – Kreistag, Landrat, Gemeinderat. In Ihre erste Amtszeit fielen Corona und der Krieg in der Ukraine. Friso Veldink: Ich habe die eine oder andere schlaflose Nacht gehabt. Ich erinnere mich an Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern, die wirtschaftlich hart getroffen wurden – das nimmt einen mit. Ein Thema, dass durch die Ukraine-Krise relevant wurde, war: Was passiert bei einem großflächigen Stromausfall? Früher hat man darüber kaum nachgedacht, heute ist das in der kommunalen Planung präsent. Wir haben viel investiert in Notstromaggregate, unter anderem für die Trinkwasserversorgung, das Klärwerk, die Feuerwehr, die Rettungswache und das Bürgerhaus – damit es sogenannte Leuchttürme gibt, Anlaufstellen für die Bevölkerung. Würden Sie Ihren Führungsstil als kooperativ beschreiben? Friso Veldink: Mir ist es wichtig, das Wissen der Mitarbeitenden zu nutzen, zusammenzutragen und daraus eine Entscheidung zu bilden. Als Unternehmensberater für landwirtschaftliche Betriebe war ich auch vorher schon eigenverantwortlich tätig, aber jetzt ist das Themenspektrum viel breiter – von Schule über Asyl bis hin zu Bauprojekten. Irgendwie ist man immer mit einem Ohr und einem Auge im Amt, auch im Urlaub oder beim Abendessen. Sie haben drei Kinder. Welche Themen beschäftigen diese Generation? Friso Veldink: Mobilität ist ein großes Thema – wie kommt man im ländlichen Raum von A nach B, und ich meine nicht nur nach Lemgo, sondern besonders über weitere Strecken? Früher war auch die Digitalisierung ein großes Thema, da hat sich aber vieles verbessert – wir haben inzwischen über 98 Prozent Glasfaserabdeckung. Würden Sie sagen, Sie haben viel für Kinder und Jugendliche angestoßen? Friso Veldink: Ja, da ist viel passiert, ich denke an den Kunstrasenplatz in Schwelentrup, neue Spielplätze, das multifunktionale Spielfeld in Humfeld, die kleine Outdoor-Fitnessanlage in Spork. Wir haben Beteiligungsformate mit Jugendlichen gemacht, etwa zur Planung des Jugendaktivparks in der Pottkuhle, sind in der Umsetzung für ein neues Soccerfield in Bega. Jüngst aber auch das Open-Air-Festival im Freibad. Dörentrup erzeugt mehr Strom aus erneuerbaren Quellen, als verbraucht wird. Eine Verpflichtung? Friso Veldink: Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden ist und bleibt ein Schwerpunkt. Wir bauen auf der Mehrzweckhalle im Zentrum eine große Anlage mit 80 kW und Batteriespeicher, die auch die anderen Gebäude und das Freibad mit Strom versorgt. Weitere Standorte sind der Kindergarten in Wendlinghausen, das Bürgerhaus, ein Asylhaus, die Grundschule. Auch auf der neu errichteten Halle der Kläranlage werden wir noch eine PV-Anlage bauen. Wir bieten auch immer wieder Informationsveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger an. Wie ist der Stand der Dinge bei der ISEK-Förderung zur Innenstadtentwicklung im Zentrum? Friso Veldink: Das erste Projekt startet dieses Jahr an der Mittelstraße – ein kleiner Park auf dem ehemaligen LHG-Gelände. Weitere Projekte rund um die Grundschule sind in Vorbereitung – inklusive Aufwertung des Schulhofs, Starkregenvorsorge und Schulwegesicherung. Ein weiteres Ihrer Kernthemen ist die Soziale Dorfentwicklung. Die Stelle der Sozialarbeiterin, die vor allem Ältere und Geflüchtete unterstützt, wird mit der Stadt Barntrup geteilt. Wie wichtig ist die Kooperation mit Nachbarkommunen? Friso Veldink: Wir stehen vor der Herausforderung, dass in den kommenden Jahren viele Mitarbeitende mit einem hohen Wissensstand in den Ruhestand gehen. Wir müssen auch als kleine Kommune attraktive Arbeitsplätze schaffen und Fachpersonal anziehen. Bei Stellenneubesetzungen schauen wir, wo wir Dinge zusammenfassen können. Dies funktioniert bereits gut im Bereich IT, bei der Wasserversorgung, in der Vollstreckung oder bei der Rufbereitschaft. Natürlich gibt es auch Vorbehalte, doch wir müssen kreative, gute Lösungen finden. Was sind für Sie die großen Themen der kommenden fünf Jahre? Friso Veldink: Die neuen Feuerwehrgerätehäuser. Beim Ausbau der Schulen für den Rechtsanspruch auf eine offene Ganztagsschule sind wir gut dabei. Wir wollen das Nahmobilitätskonzept beauftragen, die Straßenbeleuchtung im Hinblick auf LED sanieren, Bushaltestellen modernisieren, uns um schlechte Straßen kümmern. Wir sind kurz davor, neue Gewerbeflächen auszuweisen, und für das interkommunale Gewerbegebiet mit der Stadt Barntrup und der Gemeinde Extertal starten die Planungen. Die kommunale Wärmeplanung steht kurz vor ihrem Abschluss. Ein großes Thema bleiben die Wohnflächenentwicklung mit der Schaffung kleiner Wohnungen und die Verhinderung von Leerstand. Was gibt Ihnen Kraft? Friso Veldink: Wir haben ein gutes Miteinander im Rat, in der Verwaltung, mit den Mitarbeitenden. Ob Bauhof, Hausmeister, Verwaltung, OGS oder Feuerwehr – es gibt ein starkes Engagement, oft auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten. Das erleichtert vieles und macht Freude. PERSÖNLICH Friso Veldink (CDU) stammt aus Niedersachsen. Er machte eine Ausbildung zum Landwirt und studierte Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaft und Tierhaltung. Veldink ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von 16, 19 und 21 Jahren. Bereits seit 2014 ist er Mitglied im Gemeinderat Dörentrup. Er mag Spaziergänge mit dem Hund und Gartenarbeit.