Extertal-Meierberg. Zwei Jahre sind vergangen seitdem Nadine Hellmuth (36) aus Meierberg sich in einer Privatinitiative für den Breitbandausbau in ihrem Ortsteil einsetzte. Nun rollten endlich die Bagger an, um das Glasfaserkabel in die Erde zu legen. An der Drömscher Straße hat die Firma Sewikom die Arbeiten begonnen. Das Ziel ist es, 31 Haushalte, die sich der Aktion angeschlossen hatten, mit schnellen Internethausanschlüssen zu versorgen. Das Signal mit Inbetriebnahme soll bis Sommer 2021 geschaltet sein. Für Nadine Hellmuth war die Realisierung des Breitbandausbaus im flächenmäßig großen Ortsteil Meierberg eine echte Herausforderung. „Ich glaube, ich bin ganz gut im Koordinieren", erklärt die im Homeoffice arbeitende Angestellte. Bei der Koordination der „Breitbandaktion für Meierberg" sei sie jedoch an ihre Grenzen gekommen. Der wichtigste Grund dafür: „Bei der Sewikom fehlt es an Verbindlichkeit". Viermal so hohe Kosten wie ursprünglich geplant Seit zwei Jahren habe ihr das Unternehmen den Baubeginn zugesagt, nachdem Nadine Hellmuth die geforderte Mindestanzahl von 20 Interessierten durch Hausbesuche bei ihren Nachbarn zusammen hatte. Die zeitliche Verzögerung, für die zusätzlich ein kompliziertes Markterkundungsverfahren über sechs Monate verbunden mit einer europaweiten Ausschreibung zur Erlangung von Fördergeldern – ein Ablauf, den die Sewikom nicht zu verantworten hat – sorgte, sei das ein Problem. Die finanzielle Situation ein weiteres, weitaus größeres. Hellmuth hatte mit dem Anbieter Sewikom ein Angebot von „FTTH – Fiber to the home", also Glasfaserkabel bis zum Haus, ausgehandelt, das im mittleren dreistelligen Bereich pro Haushalt lag. Dann überbrachte ihr die Sewikom die Nachricht, dass die Arbeiten teurer würden. „Die Preissteigerung war aber nicht minimal, sondern aufgerufen wurde jetzt das Vierfache dessen, über das wir ursprünglich gesprochen hatten", so Hellmuth. Wieder wurde sie aktiv und wandte sich an die Gemeinde Extertal, wobei sie ganz klar betont: „Eine Gemeinde ist nicht dafür zuständig, für schnelles Internet zu sorgen." Umso dankbarer sei sie, dass sie von der ehemaligen und nun auch der aktuellen Verwaltungsspitze sowie vom seinerzeitigen Leader-Manager Unterstützung erfuhr. Rund 20.000 Euro Fördergeld aus dem Topf des Regionalbudgets wurden locker gemacht. „Diese Fördergelder kann nur eine Gemeinde beantragen, nicht eine Privatperson wie ich", so Hellmuth. Gemeinde unterstützt Initiative Auch bei der Vertragsgestaltung sprang die Gemeinde Extertal der Meierbergerin zur Seite. „Ich kann ja nicht bei der Sewikom für 31 Haushalte unterschreiben", so Hellmuth. So ist die Gemeinde Extertal Vertragspartner der Sewikom für die Hausanschlüsse. Die Tarifverträge abzuschließen, sei aber Sache der einzelnen Haushalte und hier habe die Sewikom bis jetzt noch nicht geliefert. „Ich kann daher den Missmut einiger Mitbürger verstehen", erklärt Nadine Hellmuth. Sie gehe aber davon aus, dass auch dieser letzte der vielen Schritte hin zum schnellen Internet gelinge. Bei allen Schwierigkeiten hätte sich in Meierberg trotzdem gezeigt, dass es zielführend ist, wenn Bürger beim Thema Breitbandausbau zusammenarbeiten. Das Thema Breitbandversorgung steht im ländlichen Nordlippe ganz oben auf der Prioritätenliste. Extertal gründete eine Interessengemeinschaft, geplant ist zudem ein Kompetenz-Team, das den politischen Gremien zuarbeitet. Dörentrup und Kalletal haben jeweils einen Ausschuss umbenannt beziehungsweise neu gegründet, um der Digitalisierung Rechnung zu tragen. Diesen Weg ist man in Barntrup nicht gegangen. „Aber die Verwaltung steht im regen Austausch mit der Sewikom, damit die Umsetzung der geplanten Maßnahmen schnell erfolgt", so Bürgermeister Borris Ortmeier. Bauausschuss-Vorsitzender Christian Olschewski ergänzt: „Wir bitten die Bürger ausdrücklich, die Verwaltung oder die Politik darauf aufmerksam zu machen, wo noch Handlungsbedarf besteht".