Runder Geburtstag: Hundertjährige aus Horn-Bad Meinberg verband Freundschaft mit „Jopi“ Heesters

Greta Wiedemeier

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Seit zehn Jahren lebt Helene Kuschka nun im Hermannshof in Horn-Bad Meinberg und hat sich ihr Zimmer wohnlich eingerichtet. „Früher hatte ich eine tolle Wohnung in Duisburg", schwärmt sie. - © Greta Wiedemeier
Seit zehn Jahren lebt Helene Kuschka nun im Hermannshof in Horn-Bad Meinberg und hat sich ihr Zimmer wohnlich eingerichtet. „Früher hatte ich eine tolle Wohnung in Duisburg", schwärmt sie. (© Greta Wiedemeier)

Horn-Bad Meinberg. „Ich war immer ein besonderes Kind", sagt Helena Kuschka und ein träumerisches Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht. Die gebürtige Oberschlesierin blickt auf ein bewegtes Jahrhundert zurück. Ihr Leben hatte sie ganz der Mode, dem Tanz und dem Gesang verschrieben.„Ich habe schon mit 14 Nähen gelernt. Sowohl dabei, als auch in der Schule, konnte ich immer schnell arbeiten und lernen. Das hat mir viel weitergeholfen", erzählt die agile Seniorin. Ihren 15 Jahre älteren Ehemann lernte sie noch in Wirek in Oberschlesien kennen, heiratete ihn zu Kriegszeiten und folgte ihm schließlich nach fünf Jahren der Trennung nach Deutschland, wo sie 80 Jahre lang in Duisburg wohnen bleiben sollte.

„Ich hatte viele Berufe", erzählt die aufgeweckte Seniorin. Sie habe Mode gezeichnet, entworfen und genäht und war zudem 30 Jahre lang als Sängerin für die Prominenz unterwegs. Unter anderem für Peter Alexander und Jan Kiepura stand sie auf der Bühne, pflegte außerdem eine Freundschaft zu Johannes Heesters. „Er war ein wunderbarer Mensch", findet sie noch heute und widerspricht allen abfälligen Äußerungen, die „Jopi" sich zu Lebzeiten bezüglich seiner Beziehung zu der 45 Jahre jüngeren Simone Rethel anhören musste: „Die beiden haben sich geliebt und das ist das was zählt."

Eben diese Toleranz, Akzeptanz und Großzügigkeit sei es auch, die sie zu ihrem stolzen Lebensalter geführt habe. „Wichtig war mir immer das Teilen. Nicht ich, zuerst kommst du – diese Einstellung hat mich reich gemacht", reflektiert Kuschka. Auch ihre Arbeit habe sie immer gern getan – sicherlich kein Hindernis auf dem Weg zur 100.

Heute lebt Kuschka im Seniorenpflegeheim Hermannshof. Das Heim in Horn-Bad Meinberg habe ihr ihre Enkelin aus Horn empfohlen. Von ihren drei Kindern lebt heute nur noch ihr jüngster Sohn. „Ich wollte nie ins Heim. Die Umstellung war schwer für mich", gibt sie ehrlich zu. Mit 100 Jahren legt die Seniorin noch immer viel Wert auf ihr Äußeres. An ihrem heutigen Ehrentag wartet eine Kutschfahrt durch das Dorf auf sie. „Das wird aufregend", sagt Kuschka und beginnt leise ein Lied ihres alten Freundes Heesters zu singen: „Ich werde 100 Jahre alt, das könnt ihr mir glauben".

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