Horn-Bad Meinberg/Villedieu-les-Poêles. Seit 51 Jahren ist Horn-Bad Meinberg Partnerstadt von Villedieu-les-Poêles, einer pittoresken Kleinstadt in der Normandie. Um diese Partnerschaft am Leben zu erhalten und echte Völkerverständigung zu ermöglichen, haben immer wieder Schüler-Praktikanten in der jeweils anderen Stadt in verschiedene Berufe hineingeschnuppert. Zuletzt waren zwei Schülerinnen der Sekundarschule und zwei Schüler des Gymnasiums in der Kupferschmiede-Stadt Villedieu. Insgesamt 14 Tage waren die Zehntklässler Pavlo Shershniev, Clemens Vothknecht, Xenia Cittel und Nele Apelt in der Normandie. Neun Tage haben sie davon in ihren Praktikumsbetrieben gearbeitet. Pavlo in fünf verschiedenen Kunsthandwerk-Boutiquen, Clemens beim Team Grün der Stadt, Xenia in einer Kita in Villedieus Nachbargemeinde Bourguenolles und Nele in einer Hotel-Großküche in der Stadt. „Um die Praktikumsplätze hat sich der Partnerschaftsverein vor Ort gekümmert“, erklärt Karin Hülsmann, Französischlehrerin am Gymnasium Horn. Mut, sich auf unbekannten Beruf und Gastfamilie einzulassen Das forderte von den Horn-Bad Meinberger Schülern also doppelten Mut: Sich auf einen unbekannten Beruf einzulassen und in einer bislang unbekannten Gastfamilie klar zu kommen. „Oft haben Schüler heutzutage ja genau davor Angst: In eine fremde Familie zu gehen“, sagt Thomas Michaelis, Französischlehrer an der Sekundarschule Horn. Er freue sich, dass die vier sich trotzdem getraut hätten. Mut, der sich offenbar gelohnt hat, denn alle Schüler berichten mit strahlenden Augen von ihrem Aufenthalt in Frankreich. Es gebe in Villedieu etwa fünf bis sechs potenzielle Praktikumsbetriebe, die sich in den vergangenen Jahren bewährt hätten, sagt Michaelis. „Wir haben festgestellt, dass es am besten funktioniert, wenn in den Betrieben viel händisch gearbeitet wird.“ Die fünf Kunsthandwerker-Boutiquen, in denen Pavlo sein Praktikum absolvierte, waren dieses Mal allerdings zum ersten Mal dabei - und die künstlerische Arbeit für den Gymnasiast auch Neuland. „Das war richtig gut“, erzählt er begeistert. „Mein Arbeitgeber ist jetzt mein Freund.“ Er lernte, Leder zu bearbeiten, fertigte eine Keramiktasse, ein Glaskunstwerk und Holzspielzeug. „Weil ich relativ viel Freizeit hatte, konnte ich oft gemeinsam mit Clemens in der Stadt Zeit verbringen“, erzählt Pavlo. „Und ihr habt auf Eigeninitiative am französischen Unterricht eurer Gastgeschwister teilgenommen“, erinnert sich Lehrerin Hülsmann. „Clemens und ich wollen auf jeden Fall nochmal hinfahren und dann zwei bis drei Wochen bleiben“, erzählt Pavlo. „Wir haben immer noch Kontakt zu unseren Gastfamilien - und ich glaube, sie mögen uns.“ Viel Spaß mit der Gastfamilie Dass dieser Austausch so gut harmonierte, habe wohl auch daran gelegen, dass Pavlos bester Freund Clemens seine Gastfamilie schon beim Partnerschaftsjubiläum im vergangenen Jahr kennengelernt hatte und Clemens’ Familie diese schon vor dem Praktikum privat in Frankreich besucht hatte, vermutet Lehrer Michaelis. „Mal als kleiner Werbeblock für das Partnerschaftsjubiläum“, sagt er lächelnd. „Das beste war meine Gastfamilie“, erzählt auch Xenia. „Wir sind viel gereist, am Strand gewandert und haben abends immer zusammen Spiele gespielt.“ Ihre Gastmutter arbeitet selbst auch in der Kita, wo Xenia ihr Praktikum absolvierte - konnte sie also morgens mit zur Arbeit nehmen. „Ich war vorher schon ein bisschen nervös“, gibt Xenia zu. „Ich kannte die Familie ja nur von Briefen - wusste auch nicht, wie sie aussehen.“ In der Kita half sie den ganz kleinen Kindern beim Malen und beim Anziehen für Draußen. „Die Kinder haben dort eine ganz spezielle Technik beim Jacke anziehen“, erinnert Xenia sich. „Sie legen sie erst vor sich, schlüpfen dann mit beiden Armen hinein und schmeißen sich den Rest der Jacke dann über den Kopf.“ In Hotel-Großküche behauptet Nele erntet nachträglich großen Respekt von beiden Lehrern, dass sie sich als zierliches Mädchen in der Hotel-Großküche behauptet hat. „Das war schon eine sehr große Küche“, berichtet Michaelis. „Alles unterirdisch - ohne Fenster. Das kann ja auch ganz schön einschüchtern.“ „Die Leute waren aber alle sehr nett“, berichtet Nele. Sie half beim Obst und Gemüse schneiden, beim Backen und räumte Geschirr ein uns aus. Die Verständigung habe gut geklappt, sind sich alle Schüler einig. „Anfangs habe alle schon ein wenig schnell gesprochen“, sagt Pavlo. „Aber ich habe viele neue Wörter gelernt.“ Es habe auch geholfen, dass die meisten Franzosen relativ schlecht Englisch sprächen. So habe es keine Alternativ-Sprache gegeben. „Auf französischer Seite ist ein großer Wille da und es steckt ganz viel Herzblut in den Praktika“, sagt Thomas Michaelis. „Deshalb wäre es natürlich auch schön, wenn wir als Partnerschaftsverein hier auch Praktika für Franzosen ermöglichen würden.“