Horn-Bad Meinberg. Beim Fußverkehrscheck NRW ist, neben der Horner Innenstadt, auch Bad Meinberg auf seine Tauglichkeit für Fußgänger untersucht worden. Hier war insbesondere der Schulweg zur Grundschule ein Thema. Das Planungsbüro Via aus Köln hat das Projekt mit Bürgerbeteiligung geleitet und den Abschlussbericht im Ausschuss für Verkehr und Ordnung präsentiert. Im Rahmen des Workshops und der Begehung in Bad Meinberg kritisierten Bürger, dass die Brunnenstraße als empfohlener Schulweg ausgewiesen ist, Schulkinder sich dagegen hier unsicher fühlen. Und das hat seine Gründe. Kinder sollen den Weg zwischen ihrem Zuhause und der Schule gern allein zu Fuß zurücklegen. Aber auch für Eltern mit Kindergarten- oder Schulkindern sind sichere Wege eine Grundvoraussetzung, erklärt das Büro „Via“. Hierbei gehe es um durchgehende, sichere, barrierefreie, beleuchtete und bei jedem Wetter nutzbare Gehwege. In der Brunnenstraße werden die niveaugleich zur Fahrbahn angelegten Gehwege im Begegnungsverkehr und an Engstellen von Fahrzeugen jedoch mitgenutzt. Gehweg soll sicherer werden Die Straße wird viel befahren, da sie für Bewohner auch der Weg zum Supermarkt ist. „Dies hat zur Folge, dass zu Fuß gehende Schulkinder auf der Brunnenstraße den Gehweg nicht gerne nutzen, da sie aufmerksam die immer größer werdenden Fahrzeuge im Blick behalten müssen. Der Schulweg auf dem Gehweg der Brunnenstraße sollte durchgehend gesichert werden. Hierfür sollte eine Gehbahn definiert und vom Autoverkehr freigehalten werden“, lautet deshalb der Vorschlag im Abschlussbericht. Bei der Einrichtung eines Schutzes entlang der Brunnenstraße solle auf eine barrierearme, attraktive Gestaltung geachtet werden, damit das Straßenbild attraktiv bleibe. Dies gilt auch für die Parkstraße, wo Fahrzeuge, wenn es eng werde, auch auf den Gehweg auswichen. Dies könnten Zickzack-Markierungen oder Elemente zum Abgrenzen verhindern. Als positives Beispiel nannte Projektleiter Dominik Kerl von „Via“ den attraktiven Weg an der Werre, der noch beleuchtet und vielleicht noch breiter gemacht werden müsse. Er schlug auch einen gesonderten Fußweg auf dem Heinrich-Drake-Patz an. Neuer Schulstandort Insbesondere für den neuen Schulstandort am Heinrich-Drake-Platz, der in zwei, drei Jahren eingerichtet wird, sollten frühzeitig eine oder mehrere Elternhaltestellen eingerichtet werden, bevor die Schule eröffne, erklären die Fachleute. Es könnten Gespräche mit dem Verbrauchermarkt geführt werden, ob der Parkplatz als Hol- und Bringzone für den vorhandenen als auch geplanten Grundschulstandort genutzt und kommuniziert werden darf. Da der Heinrich-Drake-Platz als Parkplatz auch nach dem Bau der neuen Schule erhalten bleibt, könnte dieser von den Eltern als Bring- und Abholmöglichkeit genutzt werden. Dies würde jedoch Parksuchverkehr an der Allee und den Brücken verursachen. Daher solle der Umgang mit dem Parkplatz geprüft werden, meint das Büro. In vielen Kommunen werde versucht, den Hol- und Bringverkehr in Elterntaxis über die Organisation eines sogenannten Walking-Busses zu reduzieren. Hierbei treffen sich die Kinder an zentralen und sicheren Sammelorten in den Wohngebieten, um gemeinsam in der Gruppe zur Schule zu laufen. Immer mehr Schulstraßen Da an vielen Schulen die Vermeidung von Elterntaxis nicht wirklich fruchtet und zudem sehr aufwendig sei, gingen immer häufiger Kommunen in Zusammenarbeit mit Schulen dazu über, sogenannte Schulstraßen einzurichten, berichtet die Beratungsfirma. Für eine Schulstraße werden die direkten Straßen im Schulumfeld für ein kurzes Zeitfenster von etwa 30 Minuten zu den Schulanfangs- und -endzeiten für den Kfz-Verkehr gesperrt, Radverkehr sowie Busverkehr bleiben weiterhin zugelassen. Anwohnende können eine Einzel-Ausnahmegenehmigung erhalten. Bürger hatten berichtet, dass es viel Hol- und Bringverkehr zur Grundschule und zur Kita in der Straße „Am Müllerberg“ gebe sowie Wendemanöver andere Schulkinder gefährdeten. Daher könne hier die Ausweisung einer Schulstraße geprüft werden, solange der Grundschulstandort noch nicht an die Werre verlegt wurde. Es könne auch zunächst temporär getestet werden, diesen Abschnitt morgens und eventuell nachmittags für ein kurzes Zeitfenster von 15 bis 30 Minuten für den Kfz-Verkehr zu sperren und eine Schulstraße einzurichten. Das Ausfahren aus der Straße wäre erlaubt, das Einfahren jedoch nicht. Für Anwohner kann es eine Ausnahmegenehmigung geben. Die Absperrungen werden im Übrigen in der Regel von Eltern betreut. Barrieren abbauen Während beim ÖPNV die Bushaltestellen sukzessive barrierefrei ausgebaut werden, gibt es in der Fläche in Horn-Bad Meinberg für die Gruppe der Blinden und stark Seheingeschränkten bisher noch wenig Hilfen zur Orientierung in Form von Bodenindikatoren, heißt es. Zumindest für die Querungsstellen sollten Prioritäten-Listen erstellt und systematisch abgearbeitet werden. Gesamtstädtisch gehe es auch darum, das Thema Barrierefreiheit aus der „technischen Ecke herauszuholen“ und breiter zu betrachten: also als unsicher, vernachlässigt oder als öde empfundene Räume anzugehen sowie Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum zu vermehren und in der Höhe sowie mit Armlehnen geeignete Modelle auszusuchen. Die Fachleute aus Köln machten auch Vorschläge für Sitzmöbel im Kurpark Bad Meinberg.Der Fokus könne auf der barrierefreien Nutzung oder auch auf multifunktionalen und kombinierten Spiel-/Sitzmöglichkeiten liegen. Zur Verbesserung der Attraktivität sollte geprüft werden, welche Arten von Sitzmöbel systematisch im Stadtgebiet aufgestellt werden und welche Materialität sie haben sollen.