Kalletal-Langenholzhausen. Südöstlich von Langenholzhausen wird bald ein neuer Trinkwasserbrunnen gebohrt. Vom Herbst 2026 an soll am Karrengrund auf dem Habichtsberg Wasser aus mehr als 50 Meter Tiefe nach oben sprudeln. Die Bohrung wird vom Wasserverband „Kalldorfer Sattel" vorgenommen, Vorarbeiten laufen bereits. Besonderheit: Das Trinkwasser geht in erster Linie nach Bad Salzuflen und Herford. Doch auch wenn eine neue Leitung nach Langenholzhausen helfen soll, die Wasserversorgung im Notfall sicherzustellen, ist nicht allen im Ort wohl bei dem Vorhaben. Langenholzhausen hat einen eigenen Wasserbeschaffungsverband (WBV), der sich – unabhängig vom Wasserwerk der Gemeinde Kalletal – um die Trinkwasserversorgung für die etwa 1250 Einwohner kümmert. Der WBV betreibt zwei eigene Brunnen. Bislang ist das Langenholzhauser Wassernetz eine „Insel": Es gibt keine Verbindungen zu anderen Netzen. Das soll sich ändern, wenn Langenholzhausen im Zuge des Brunnenbaus einen Anschluss an die Transportleitung nach Herford und Bad Salzuflen bekommt. Das soll die Versorgung des zweitgrößten Kalletaler Ortsteils im Notfall möglich machen. Martin Dievenich, Vorsteher des WBV Langenholzhausen, sieht darin einen „kleinen Vorteil", erwartet aber „vielleicht einen großen Nachteil" durch die Erschließung des neuen Brunnens: „Wir befürchten, dass unsere Brunnen leiden könnten, auch wenn die Gutachten etwas anderes sagen." Er hofft, dass es so weit nicht kommen wird, zumal der neue Brunnen auf dem Habichtsberg die WBV-Förderung laut Gutachten nicht beeinträchtigen wird. Zugleich wirft Dievenich aber die Frage auf, was passiert, wenn die Kalle künftig trockenfallen oder die WBV-Brunnen doch zu wenig Wasser fördern sollten. In letzterem Falle müsse Langenholzhausen vom Kalldorfer Sattel per Verbundleitung Wasser beziehen, meint er. Drei Übergabestationen Zur Vorgeschichte: Die Stadtwerke von Bad Salzuflen und von Herford hatten Ende der 80er Jahre gemeinsam mit der Gemeinde Kalletal die Wassergesellschaft „Kalldorfer Sattel" gegründet, um ihre Versorgung sicherzustellen. Kalletal ist zu zehn Prozent beteiligt. Bislang wurde Wasser aus drei Brunnen – Heidegrund und Hünengrab in Bentorf sowie Rotenberg in Langenholzhausen – gewonnen und in die beiden Städte gepumpt. Es gibt auch drei Übergabestationen zur Versorgung der Kalletaler Ortsteile Talle und Westorf und des Industriegebiets Echternhagen. Der „Kalldorfer Sattel" ist Inhaber der Förderrechte und Besitzer der drei Brunnen. Nun solle ein vierter Brunnen hinzukommen, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, erläutert Dr. Thorsten Borchard, Abteilungsleiter Netzmanagement der Stadtwerke Bad Salzuflen, auf LZ-Anfrage. Damit werde die „Gesamterschließung des Wassergewinnungsgebietes abgeschlossen". Die Stadtwerke Bad Salzuflen sind technischer Dienstleister der Wassergesellschaft und begleiten den Tunnelbau planerisch und technisch. „Habichtsberg" steht schon länger auf der Agenda Der neue Brunnen „Habichtsberg" war schon länger auf der Agenda des „Kalldorfer Sattels". Am künftigen Brunnenstandort wurden die geologischen Verhältnisse schon vor etwa 20 Jahren per Bohrung erkundet. Seitdem gab es dort eine Grundwassermessstelle. Auf den Entschluss, den Standort Habichtsberg als Brunnen auszubauen, folgte nach Borchards Angaben ein Brunnentest, ein sogenannter Langzeitpumpversuch. Die Ergebnisse sind dazu angetan, die Befürchtungen des Langenholzhauser Beschaffungsverbands zu zerstreuen: Es habe „keine Beeinflussung von Quellen, Gewässern oder anderen Brunnen gegeben", so Borchard, zumal diese in ausreichender Entfernung und in einem anderen Zuflussgebiet liegen – der WBV fördert Wasser auf der anderen Seite der Kalle in Richtung Tevenhausen. Borchard betont, dass der Langzeitpumpversuch im Endeffekt durch die Wasserbehörde überwacht werde. Wenn der Brunnen im Herbst 2026 in Betrieb geht, können dort nach seinen Angaben rechnerisch etwa 1100 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag gefördert werden. Damit könnten etwa 6600 Badewannen befüllt werden. An der neuen Wasserleitung wird bereits gearbeitet. Die Trasse verläuft den Wirtschaftsweg Karrengrund und in der Verlängerung den Steinweg entlang und auf der anderen Seite der Kalle am Bollweg weiter zu einem Übergabepunkt an das Bestandsnetz der Wassergesellschaft, wie Borchard mitteilt. Die Kosten für den Brunnenbau liegen bei etwa 800.000 Euro – plus weiterer Kosten für die Anbindung der Zubringerleitung.